merken
PLUS Riesa

Bewährungsstrafe für rabiate Riesaerin

Eine 35-Jährige tritt mit Freunden einen Jugendlichen zusammen – die Lunte für Ausraster scheint bei ihr auch sonst ziemlich kurz zu sein.

Auf der Riesaer Hauptstraße, dicht am Puschkinplatz, wird ein Jugendlicher erst mit einer Bierflasche zu Boden geschlagen und dann zusammengetreten. Nun ist der Vorfall vor Gericht.
Auf der Riesaer Hauptstraße, dicht am Puschkinplatz, wird ein Jugendlicher erst mit einer Bierflasche zu Boden geschlagen und dann zusammengetreten. Nun ist der Vorfall vor Gericht. © Sebastian Schultz

Riesa. Auch wenn bei Körperverletzungen meist Männer auf der Anklagebank sitzen – Frauen können ebenfalls ordentlich zulangen. Oder zutreten. So geschehen bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei offenbar verfeindeten Gruppen junger Leute auf der Riesaer Hauptstraße nahe dem Puschkinplatz. Diese waren sich offenbar seit Längerem nicht grün. Deshalb ging die größere Gruppe, zu der zwei Tunesier und die Angeklagte gehörten, sofort zum Angriff über und schlug einen 16-jährigen Jugendlichen zu Boden. Dabei zogen ihm die Männer auch Bierflaschen über den Kopf. Anschließend wurde der heute 18-Jährige noch zusammengetreten.

Der Haupttäter, ein Asylbewerber aus Tunesien, ist wegen verschiedener anderer Straftaten bereits zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Seine mutmaßliche Mittäterin, eine 35-jährige Riesaerin, die damals mit ihm liiert war, sitzt nun auf der Anklagebank. Die junge Frau streitet ab, selbst gewalttätig geworden zu sein. Sie habe ihren Gefährten, der für seine Aggressivität bekannt war, lediglich vom Ort des Geschehens wegziehen wollen. Das erzählt der Geschädigte etwas anders. Die Dame, nennen wir sie Diane, habe fleißig mit zugetreten. Dabei soll sie Dinge geäußert haben wie „Ich hab dir doch gesagt, dass wir dich noch kriegen.“ Und: „Jetzt guckst du dumm, was?“

Anzeige
Mit sächsischer Wissenschaft die Zukunft gestalten
Mit sächsischer Wissenschaft die Zukunft gestalten

Im Wissenschaftsland Sachsen arbeiten exzellente Forscherinnen und Forscher an neuen Technologien und Methoden, die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen.

Das klingt alles sehr detailliert und glaubwürdig und wird auch ohne erkennbaren Belastungseifer vorgetragen. Der Freund des Geschädigten, der dabeistand, aber aus Angst nicht eingriff, erinnert sich nicht mehr so deutlich. Er wisse noch, dass sein Freund von den Männern geschlagen und getreten wurde. Ob sich Diane auch an der Gewalttat beteiligte, könne er nicht mit Sicherheit sagen. Nun ist die Sache tatsächlich schon anderthalb Jahre her. Deshalb konfrontiert Richter Herbert Zapf den Zeugen mit der Aussage, die er damals bei der polizeilichen Vernehmung machte. Dort hatte der junge Mann angegeben, die Angeklagte haben seinen am Boden liegenden Freund getreten. Dann werde es wohl so passiert sein, sagt der Zeuge, die Erinnerung sei damals noch frisch gewesen.

Es steht noch ein zweiter Anklagepunkt zur Verhandlung, der eher amüsant wirkt, aber ein bezeichnendes Licht auf die erste Straftat wirft. Diane soll erst vor ein paar Wochen in volltrunkenem Zustand in einer Riesaer Shisha-Bar randaliert haben. Sie hatte einem Angestellten eine Metaxa-Flasche an den Kopf geworfen, woraufhin dieser die Polizei rief. Die Beamten trafen die Riesaerin hinter der Theke an, wo sie unverständliches Zeug lallte. Als sie näherkamen, sahen sie, dass Diane keine Hose anhatte. Glücklicherweise gehörte eine Polizistin zur Streifenwagenbesatzung, die die Männer erst einmal hinausschickte und in Erfahrung bringen wollte, ob hier vielleicht eine Sexualstraftat vorliegt.

"Ein bisschen rabiat sind Sie aber schon"

Das war nicht der Fall, sodass die Beamtin der jungen Frau beim Anziehen half. Dann wurde ein Atemalkoholtest durchgeführt, der satte drei Promille anzeigte. In diesem Zustand war der Delinquentin kein gezielter Flaschenwurf mehr gelungen. Der Angestellte der Shisha-Bar hatte lediglich eine schmerzhafte Rötung an der linken Kopfseite davongetragen. Er wolle auch gar nicht, dass die Frau verurteilt wird, und hatte schon versucht, seine Anzeige zurückzuziehen. Das Gericht stellt deshalb das Verfahren in diesem Punkt ein.

„Ein bisschen rabiat sind Sie aber schon“, sagt Richter Zapf, bevor er mit den Schöffen über das Strafmaß für die erste Tat berät. Tatsächlich hat Diane schon etliche Verurteilungen wegen Beleidigung, Hausfriedensbruch und Körperverletzung hinter sich. Bisher ist sie immer mit einer Geldstrafe davongekommen. Nun aber bekommt die Hartz-IV-Empfängerin wegen gefährlicher Körperverletzung ihre erste Freiheitsstrafe aufgebrummt. Sechs Monate auf Bewährung lautet das Urteil. Außerdem bekommt sie einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss an den Geschädigten 250 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Mehr zum Thema Riesa