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Was im Lockdown gelesen wurde

Die Riesaer Bibliothek musste sich im zurückliegenden Jahr auf neue Regeln einstellen. Der Leselust tat das aber keinen Abbruch.

Birgit Herold zeigt eine Auswahl der Bücher, die zuletzt in der Kinder- und Jugendbibliothek besonders gern gelesen wurden. Die Figur oben ist ein "Tonie" - über den sich Hörspiele abspielen lassen.
Birgit Herold zeigt eine Auswahl der Bücher, die zuletzt in der Kinder- und Jugendbibliothek besonders gern gelesen wurden. Die Figur oben ist ein "Tonie" - über den sich Hörspiele abspielen lassen. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Auf den Hoffnungsschimmer folgte Ende vergangener Woche die Enttäuschung. "Wir wollten am 22. März eigentlich wieder die Bibliothek öffnen", sagt Susan Bazylak. Daraus wurde dann doch nichts: Wegen gestiegener Corona-Inzidenzwerte musste das Haus geschlossen bleiben.

Die lange Zeit im Teil-Lockdown hatten die Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek zum Umräumen genutzt: Der Bestand wurde neu sortiert, erklärt Susan Bazylak, die demnächst die Teamleitung in der Bibliothek übernimmt. Nun ist die Literatur nach Themen geordnet, was den Lesern die Orientierung erleichtern soll. Jedenfalls, wenn sie einmal wieder vor Ort stöbern können. Bis dahin stellen Bazylak und ihre Kolleginnen weiter Körbe zur Abholung zusammen.

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Dass man trotz der Pandemie und der weitreichenden Schließungen noch Bücher ausleihen konnte, sei von den Riesaern sehr honoriert worden. Nachgelassen hat die Riesaer Leselust 2020 jedenfalls nicht; mehr als 2.200 Leser wurden im vergangenen Jahr mit etwas mehr als 106.000 Medien versorgt. "Wir merken verstärkt die Nachfrage nach den elektronischen Leihen." So mancher Technik-Skeptiker habe sich mittlerweile eines Besseren belehren lassen. "Es kamen im vergangenen Jahr auch viele Besucher, um ihren E-Book-Reader einstellen zu lassen."

Karin Proschwitz (l.) leitet noch bis Ende März die Bibliotheken in Riesa. Susan Bazylak (r.) übernimmt danach die Teamleitung für den Bibliotheksbereich.
Karin Proschwitz (l.) leitet noch bis Ende März die Bibliotheken in Riesa. Susan Bazylak (r.) übernimmt danach die Teamleitung für den Bibliotheksbereich. © Klaus Dieter Bruehl

Trotzdem lesen in Riesa noch die meisten Menschen klassisch im gedruckten Buch. Dabei veränderte diese Art der Bestellung auch die Arbeit für die Mitarbeiterinnen der Bibliothek. Die Beratungstätigkeit habe zugenommen, sagt Bazylak. Wer früher selbst am Regal auf und ab gehen und anhand von Klappentext oder Buchcover zugreifen konnte, war jetzt auf die Tipps aus der Bibliothek angewiesen. Während die einen schon genau wissen, was sie wollen, lässt sich da manch anderer gerne überraschen.

Aber was haben denn nun die Riesaer im Lockdown-Jahr besonders gern ausgeliehen? Jedenfalls nicht unbedingt Bücher über tödliche Viren: Während 2020 auf Streamingportalen im Internet "Contagion" oder "Outbreak" zeitweise die meistgesehenen Filmen waren , spielte das Thema bei den Lesern offenbar keine größere Rolle. "Gefragt waren vor allem die Familiensagas", sagt Susan Bazylak. Titel wie "Die 7 Schwestern" und "Café Engel" etwa. Oder "Die Geschichte des Wassers". Das sei ein richtig toller Roman, sagt Bibliotheksleiterin Karin Proschwitz. "Und der ist so gut wie immer unterwegs." Autorin Maja Lunde malt darin zwar eine Zukunfts-Dystopie - aber es geht nicht um eine Krankheit, sondern den Klimawandel. Ansonsten sind Krimis eine Konstante, kommen bei vielen Lesern gut an.

Kinder und Jugendliche flüchten sich nach wie vor gern in Fantasy-Welten. Der letzte Harry-Potter-Roman ist mittlerweile fast 15 Jahre alt, trotzdem finden die Bücher immer noch ihre Leser. "Die Jugendlichen lesen aber auch mehr realistische Sachen als früher", sagt die zuständige Mitarbeiterin Birgit Herold. Martin Schäubles "Sein Reich" befasst sich etwa mit der Reichsbürger-Thematik. Daneben waren im vergangenen Jahr die Comic-Romane "Gregs Tagebuch" und Bücher zum Computerspiel Minecraft besonders beliebt bei jüngeren Lesern. Auch Hörspiele haben in den vergangenen zwei Jahren an Popularität gewonnen, sagt Birgit Herold.

In der Pandemie sei die Bibliothek für viele eine Art rettender Strohhalm gewesen, sagt Karin Proschwitz, die Ende März in den Ruhestand gehen wird. Auch wenn das Stöbern im Haus am Poppitzer Platz nicht ging, tat immerhin der Kontakt mit dem Personal vielen Riesaern gut, sagen die beiden Frauen. "Wir haben gemerkt: Die Leute haben sehr viel am Telefon gesprochen", bemerkt Karin Proschwitz und schmunzelt. "Wir waren fast eine Art Sozialstation. Die Leute sind auch unendlich dankbar, dass das möglich ist." Das sei eine positive Erfahrung gewesen.

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