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Bienenschwarm zieht aufs Bankgebäude

Zwei Imker stellen auf dem Dach der Volksbank eine Beute auf. Der Standort ist besser als mancher auf dem Land, sagen sie.

Von links nach rechts: Die beiden Volksbank-Vorstände Markus Ziron und Kai-Uwe Schulz lassen sich von Jens und Tino Ebert das Innere der Bienenbeute zeigen, die nun auf einem Flachdach am Volksbank-Gebäude steht.
Von links nach rechts: Die beiden Volksbank-Vorstände Markus Ziron und Kai-Uwe Schulz lassen sich von Jens und Tino Ebert das Innere der Bienenbeute zeigen, die nun auf einem Flachdach am Volksbank-Gebäude steht. © Sebastian Schultz

Riesa. Nur ein kurzer Blick auf die Waben, danach muss die Beute zügig wieder geschlossen werden. Es ist nicht besonders warm und der Wind, der übers Flachdach weht, macht die Sache nicht besser, erklärt Jens Ebert. "Die Bienen brauchen konstant 35 Grad zum Brüten." Die meisten von ihnen sind deshalb jetzt im Inneren der Beute, die Jens und Tino Ebert am frühen Dienstagmorgen auf dem Dach der Volksbank in Riesa aufgebaut haben.

Vor etwa einem Jahr hat Jens Ebert gemeinsam mit weiteren Imkern "Die Firmenbiene" gegründet. Unternehmen, die etwas für die Umwelt tun wollen, können ihn kontaktieren und sich einen Bienenschwarm aufs Grundstück holen - oder, in diesem Fall: aufs Dach. Die Volksbank ist sozusagen Mieter der anfangs 30.000 geflügelten Insekten, um die Pflege kümmern sich Ebert und seine Kollegen. Das mietende Unternehmen leistet damit etwas für die Umwelt und fürs eigene Image.

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Pflegeheime zählt der Hirschfelder mittlerweile ebenso zu seinen Kunden wie die Stadtwerke in Weißwasser - und eine ganze Reihe von Volksbanken. So war auch der Riesaer Vorstand auf die "Firmenbiene" aufmerksam geworden. Nachhaltigkeit sei ohnehin ein Thema bei der Bank, betont Vorstand Kai-Uwe Schulz. "Als wir von dem Angebot erfahren haben, dachten wir: Das wäre auch was für Riesa."

Rund 30.000 Tiere gehören aktuell zum Riesaer Bienenvolk. Es könnten im Laufe der Zeit etwa 50.000 werden.
Rund 30.000 Tiere gehören aktuell zum Riesaer Bienenvolk. Es könnten im Laufe der Zeit etwa 50.000 werden. © Sebastian Schultz

Schulz und sein Vorstandskollege Markus Ziron sind am Dienstagvormittag neugierig - und zeigen sich durchaus besorgt um "ihren" Bienenschwarm. "Finden die denn hier auch genug Nahrung?", will Schulz wissen. Imker Jens Ebert ist da zuversichtlich. Natürlich, die Blumen auf den umliegenden Balkonen werden bei Weitem nicht ausreichen. 4.000 Blüten fliege ein einzelnes Insekt jeden Tag an. Aber der Einzugsbereich eines solchen Volkes sei eben auch hoch. "Vier Kilometer fliegen sie weit. Das ist bei Wildbienen anders, die nur einen Radius von einigen Hundert Metern abdecken." Für die sei es logischerweise ein größeres Problem, wenn sie keine Blühwiese in der Nähe haben.

"Die Stadtimkerei kommt immer mehr auf", sagt Ebert und deutet auf eins der benachbarten Häuser, wo die Geranien aus dem Blumenkasten schauen. "In der Stadt blüht immer irgendetwas. Und die Dame dort oben wird ihre Blumen sicher nicht mit Pestiziden behandeln." Das sei auch gut für die Bienen und letztlich den Honig. Was nicht heißen soll, dass der Imker mit der Landwirtschaft auf dem Kriegsfuß steht, wie er betont. "Viele Landwirte lassen meiner Erfahrung nach mit sich reden, spritzen dann beispielsweise erst nachts auf dem Rapsfeld."

Fürs Erste dürfte dem neuen Riesaer Bienenvolk nicht der Standort, sondern das Wetter zu schaffen machen. Wegen der niedrigen Temperaturen fliegen nicht besonders viele Tiere aus, und diejenigen, die es doch tun, sammeln zwar Pollen, aber keinen Nektar, erklärt Jens Ebert. Schlimmstenfalls müssten er und sein Schwiegersohn noch einmal etwas zufüttern - für solche und andere Fragen sind sie etwa einmal in der Woche zu Besuch an den Beutenstandorten.

Die erste Honigernte dürfte der Bienenschwarm vom Volksbankdach schon im Sommer abwerfen. "Ungefähr 100 Gläser sollten zu machen sein." Der Honig gehört dann der Volksbank. Und dann? "Wir suchen ja immer nach originellen Geschenkideen für unsere Mitglieder", sagt Markus Ziron. Gut möglich also, dass der Riesaer Stadthonig beispielsweise im Weihnachtskörbchen landen wird.

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