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Brandstifter soll in die Psychiatrie

Für fünf Millionen Euro ließ der Vermieter gerade ein Riesaer Hochhaus sanieren - als drinnen jemand Feuer legte. Nun steht ein Mieter vor Gericht.

Die Gerüste von der Fassade waren gerade erst gefallen, als mutmaßlich ein Mieter im Hochhaus an der Chemnitzer Straße in Riesa Feuer legte. Nun beschäftigt sich das Landgericht damit.
Die Gerüste von der Fassade waren gerade erst gefallen, als mutmaßlich ein Mieter im Hochhaus an der Chemnitzer Straße in Riesa Feuer legte. Nun beschäftigt sich das Landgericht damit. © Sebastian Schultz

Riesa. Das hätte schlimm ausgehen können: Am 13. Mai 2020 war im Hochhaus an der Chemnitzer Straße ein Brand ausgebrochen. Laut den Ermittlungen hatte ein damals 62-jähriger Mieter mit Teelichtern und Papiertaschentüchern Feuer in seiner Wohnung gelegt. Als alles brannte, haute er ab. Die Feuerwehr musste den Brand löschen, mehr als 60 Kameraden waren seinerzeit im Einsatz.

Glücklicherweise war dabei niemand verletzt worden. Allerdings war die Wohnung des Tatverdächtigen im gerade erst frisch sanierten Wohnblock anschließend unbewohnbar, auch die Fassade wurde beschädigt. Der Hauseigentümer WGR beziffert den Gesamtschaden auf Nachfrage auf 25.000 Euro.

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Der Mieter war wenig später festgenommen worden und landete in U-Haft. Nun, ein halbes Jahr später, steht der Deutsche in Dresden vor Gericht. Mit der Brandstiftung beschäftigt sich nun das Landgericht - denn es geht nicht um eine einfache Gefängnisstrafe, sondern um die Unterbringung in einer Anstalt.

Der mittlerweile 63 Jahre alte Mann, der momentan in der Psychiatrie lebt, leidet offenbar an einer eher seltenen Form der Demenz: Sie entsteht durch eine Schädigung von Nervenzellen und äußert sich laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Veränderungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens.

Während bei der verbreiteten Alzheimer-Erkrankung der Gedächtnisverlust im Mittelpunkt steht, hat die beim mutmaßlichen Brandstifter diagnostizierte Demenzerkrankung andere Folgen: Die meisten der Betroffenen wirken anfangs zunehmend oberflächlich und sorglos. Manche ziehen sich zurück, verlieren das Interesse an Familie und Hobbys, werden teilnahmslos, antriebslos und apathisch.

"Einige entwickeln eine zunehmende Taktlosigkeit im Umgang mit Mitmenschen, sind leicht reizbar und manchmal aggressiv", heißt es in einer Information der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Eine Enthemmung könne dazu führen, dass Patienten soziale Normen verletzen - ohne dass sie selbst bemerken, krank zu sein.

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Bisher gibt es noch keine Medikamente, die die Krankheit heilen können. Sie können allenfalls die Verhaltensauffälligkeiten der Patienten mildern. Für Angehörige sei das Zusammenleben mit Erkrankten eine enorme Belastung. "Vor allem sind es die Verhaltensauffälligkeiten, besonders Teilnahmslosigkeit, Aggressionen und Unberechenbarkeit der Patienten, die anderen Familienmitgliedern zu schaffen machen", heißt es in der Information, die die Alzheimer-Gesellschaft mit der Psychiaterin Prof. Dr. Janine Diehl-Schmid von der TU München erstellt hat.

Nun muss sich das Gericht darüber eine Meinung bilden, ob der Riesaer Mieter in die Psychiatrie eingewiesen wird.

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