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Stahlstifte für die Stahlwerker-Spielstätte

Ein Künstler will das Ernst-Grube-Stadion mit Millionen Nägeln ausstatten - als einzigartiges Kunstwerk.

Als Modell in Lutz Peschelts Metallbauerwerkstatt existiert er schon, ein Nagelrasen für das brachliegende Ernst-Grube-Stadion.
Als Modell in Lutz Peschelts Metallbauerwerkstatt existiert er schon, ein Nagelrasen für das brachliegende Ernst-Grube-Stadion. © Fotos: S. Schultz, E. Weser/Montage: SZ

Riesa. Erst ist es nur ein leichtes Kribbeln in den Fußsohlen. Angenehm. Einen Schritt weiter: Jetzt wird es prickelnd. Zweifellos regt das die Durchblutung an. Noch ein Schritt nach vorn: Aua. Das pikst. Schnell zurück. "Der dritte Bereich ist sicher für Kinder nicht geeignet", sagt Lutz Peschelt. Der Riesaer Stahl-Künstler hat im Format eines größeren Fußabtreters schon verwirklicht, was ihm als Vision für die Riesaer Attraktion schlechthin vorschwebt: ein ganzes Feld aus Stahlplatten mit stählernen Nägeln drauf. Eine Art Fakirbrett im XXL-Format, zusammengesetzt aus Tausenden einzelnen Platten - ein stählerner Rasen für die Stahlstadt, gewissermaßen.

"Das teilt sich in drei Massage-Zonen auf, für Anfänger oder Fortgeschrittene", sagt der Künstler. Der feine Unterschied: Stehen in der Anfänger-Zone die 100-Millimeter-Nägel nur einen Zentimeter auseinander, liegen in der "Schmerz-Zone" ganze drei Zentimeter dazwischen. Wichtig: Die Nägel zeigen mit dem Kopf nach oben, während die Spitze unten mit der Stahlplatte verschweißt ist. Erst hat es der Künstler mit den Spitzen nach oben probiert. Aber das war dann doch zu schmerzhaft für nackte Füße.

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Nach der Idee von Lutz Peschelt hat Dieter Nötzoldt eine Visualisierung des Projekts geschaffen.
Nach der Idee von Lutz Peschelt hat Dieter Nötzoldt eine Visualisierung des Projekts geschaffen. © Dieter Nötzoldt

"Damit wäre das Grube-Stadion Riesas Attraktion", sagt Peschelt. So was hat in Sachsen keiner, in Deutschland keiner, wohl in ganz Europa nicht. "Das Stadion in einen Park oder Spielplatz zu verwandeln, ist auch eine schöne Idee - aber so was gibt es überall", sagt der Künstler. Für einen Nagelrasen aber könnten Besucher von weit her mit dem Zug nach Riesa kommen - und müssten nur ein paar Meter vom Bahnhof laufen. "Die Stadt weiß gar nicht, was sie mit dem Areal für einen Schatz hat." Ob Schulklassen, Familien, Senioren, Kranke oder Behinderte, ob als Physiotherapie, zum Fußball spielen oder auf den Rücken legen: "Das ist ein echtes Energiefeld, ein Meer von Eisennägeln. Die Leute werden sprachlos davor stehen."

Mit dem Projekt trägt sich der Riesaer Künstler, der etwa für den stählernen Zoo an der Breitscheidstraße und das große Motorrad vor der Arena bekannt ist, schon seit zwei Jahren. Er war damit beim früheren Feralpi-Werkleiter im Stahlwerk und gemeinsam mit dem beim Riesaer OB. An die Öffentlichkeit geht er aber erst jetzt damit, weil das einstige DDR-Oberliga-Stadion nun langsam zuwächst und zunehmend verfällt.

Hier erkennt man die drei Massagezonen mit unterschiedlichem Nagelabstand: bequem (links), für Fortgeschrittene (Mitte), schmerzhaft (rechts).
Hier erkennt man die drei Massagezonen mit unterschiedlichem Nagelabstand: bequem (links), für Fortgeschrittene (Mitte), schmerzhaft (rechts). © Sebastian Schultz

Als Fußballstadion ist es für Riesa mittlerweile deutlich zu groß geworden. Genauso wie die Unterhaltskosten der Anlage für den städtischen Haushalt. Die Kosten sind aber auch ein spannender Punkt bei der Idee eines Nagelrasens: Die Konstruktion ist relativ aufwendig. An seinem Modell mit gestanzten und gelaserten Stahlplatten und 1.000 angeschweißten Nägeln hat Lutz Peschelt drei Nachmittage gearbeitet. Und insgesamt, das hat der 56-Jährige ausgerechnet, bräuchte man 25 Millionen Nägel für die Fläche. Ja, auch die Punkte Sicherheit, Reinigung, Wasserdurchlässigkeit seien zu bedenken.

Und was sagt die Stadtverwaltung zu dem Vorschlag? Prinzipiell sei Riesa sehr offen für originelle Kunst und besitze mehr davon, als man gemeinhin glaubt, sagt Rathaus-Sprecher Uwe Päsler. Er verweist auf den kürzlich erschienenen Führer "Kunst im Stadtbild von Riesa", der 27 Objekte im Stadtgebiet vorstellt. "Jüngstes Beispiel war das Metallbildhauersymposium im 900er Festjahr, das beim Publikum sehr großes Interesse weckte." Die dabei entstandenen Kunstwerke würden den öffentlichen Raum hervorragend beleben – samt Diskussionen über Kunstaussagen und -geschmack. "Aber das macht es ja auch spannend", so Päsler.

Lutz Peschelt ist für seine Metallkunst nicht nur in Riesa bekannt. Hier ein Detail an seinem Wohnhaus.
Lutz Peschelt ist für seine Metallkunst nicht nur in Riesa bekannt. Hier ein Detail an seinem Wohnhaus. © Lutz Weidler

Aber bereits dieses Symposium sei sehr aufwendig gewesen und nur durch die finanzielle Unterstützung von Feralpi und anderen Sponsoren möglich geworden. Und bei Peschelts Projekt spreche man nochmal über ganz andere finanzielle Dimensionen, im Raum stehen mehrere Hunderttausend Euro. "Die öffentliche Hand kann solche Größenordnungen verständlicherweise nicht stemmen", sagt Uwe Päsler.

Die Stadt spielt den Ball zurück: Sollte der Künstler Möglichkeiten sehen, solche Beträge zu akquirieren und ein schlüssiges Konzept vorlegen, könne man eine ergebnisoffene Diskussion anstoßen. "Das beinhaltet natürlich auch die Betreibung der Anlage, Sicherheits- und Haftungsfragen und mehr", sagt der Rathaussprecher.

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Peschelt selbst legt Wert darauf, selbst keine finanziellen Interessen an dem Projekt zu haben. Die vielen Stahl- und Metallbaubetriebe der Region könnten mit den Sport-Enthusiasten unter Schirmherrschaft der Stadt zusammenarbeiten, Studenten der BA sich an der Entwicklung und Vermarktung des Nagelrasens beteiligen. Stahl und Sport zusammen wird zur Kunst, so seine Idee. Und Riesa brauche eine "Pilgerstätte", um bekannter zu werden.

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