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Die Neue für Riesa

Der Start von Luise-Catharina Quenstedt fällt in eine ungewöhnliche Zeit. Aber die Pfarrerin macht das Beste draus.

Luise-Catharina Quenstedt ist neue Pfarrerin in Riesa - sie ist im Pfarrhaus gleich neben der Trinitatiskirche (Foto) eingezogen.
Luise-Catharina Quenstedt ist neue Pfarrerin in Riesa - sie ist im Pfarrhaus gleich neben der Trinitatiskirche (Foto) eingezogen. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Aus welcher Richtung man auch nach Riesa kommt: Die Ansicht der 75 Meter hohen Trinitatiskirche prägt das Stadtbild. An der mit Abstand größten Kirche der Region gibt es nun eine neue Pfarrerin: Am 7. März wurde dort Luise-Catharina Quenstedt ordiniert. Die 30-Jährige ist nun für die vier evangelischen Kirchen in der Stadt Riesa zuständig - auch die Klosterkirche am Rathaus und die Kirchen in Gröba und Weida zählen dazu.

Der Start der von Leipzig nach Riesa wechselnden Theologin fiel höchst ungewöhnlich aus. "Eigentlich würde man eine Ordination mit einem großen Festgottesdienst feiern, mit langen Grußworten und einer anschließenden Feierlichkeit mit vielen Gästen", sagt Luise-Catharina Quenstedt. "Schließlich kommt sowas nur einmal im Leben eines Pfarrers vor."

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Aber nun ist Corona. Da konnten nur einige Freunde und Familienmitglieder nach Riesa kommen, wo die Trinitatiskirche immerhin genug Platz bot, um mit Abstand einen Gottesdienst zu feiern - ohne anschließendes Fest.

Auch die drei anderen Riesaer Kirchen, für die die Pfarrerin nun zuständig ist, hat sie mittlerweile besucht. Aber da gehören auch noch vier Kirchen im Umland zur Großgemeinde - in Strehla, Staucha, Bloßwitz, Mautitz. "Die schaue ich mir diese Woche an", sagt sie. Die Tour übers Land hilft auch, die Leute kennenzulernen: Überall trifft sie sich mit ehrenamtlichen Helfern, die der Neu-Riesaerin die Kirchen und ihre Besonderheiten zeigen. "Sonst ist das unter Corona-Bedingungen schwierig", sagt die Pfarrerin - die beim Gang durch die Stadt schon öfter mal gegrüßt wird, aber durch die Masken oft noch nicht zuordnen kann, wer sie da gerade erkannt hat.

Die Riesaer Trinitatiskirche ist nicht zu übersehen. Hier ein Blick auf die Stadt aus Richtung Gewerbegebiet Zeithain.
Die Riesaer Trinitatiskirche ist nicht zu übersehen. Hier ein Blick auf die Stadt aus Richtung Gewerbegebiet Zeithain. © Sebastian Schultz

Das wird sich bald ändern: Denn Riesas neue Pfarrerin ist jetzt in der Stadt die erste Ansprechpartnerin für evangelische Christen, wenn es um Taufen oder Trauerfeiern geht - oder wenn ein Seelsorger gefragt ist. Auch für das benachbarte Albert-Schweitzer-Seniorenhaus ist die 30-Jährige zuständig, dort hat sie sich schon angekündigt.

Wie ist das eigentlich, wenn man als junge Pfarrerin zu Sterbenden gerufen wird? Luise-Catharina Quenstedt reagiert nachdenklich. "In meinem Vikariat in Leipzig habe ich eine Kollegin zu einer Frau in einem Altenheim begleitet", spricht sie über ihre ersten Erfahrungen. "Worum es auch geht: Die Besuche bei den Menschen mache ich sehr gerne."

Die wären übrigens auch jetzt unter Corona-Bedingungen erlaubt - die Schutzverordnungen sehen eine "dringend erforderliche seelsorgerische Betreuung" als triftigen Grund an, der Ausnahmen von der Ausgangssperre und auch den Besuch von Altenheimen zulässt.

Die Alternative wären Video-Konferenzen. Bei ihrer letzten Stelle in Leipzig hat die Neu-Riesaerin den Konfirmanden-Unterricht auf online umgestellt. "Das hat gut geklappt. Aber zum Kennenlernen neuer Leuten ist ein persönliches Gespräch besser", sagt die Hobby-Chorsängerin, die auch gern wandert, tanzt oder bäckt.

Das Unterrichten hatte die Neu-Pfarrerin eigentlich zu ihrem Beruf machen wollen: Als Schülerin schwebte ihr ein Pädagogik-Studium vor, um Religionslehrerin zu werden. Aber dann kam nach dem Abi ein Freiwilliges Soziales Jahr - und das gab den Ausschlag für den heutigen Beruf. "Bei der Arbeit im Landesjugendpfarramt habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir die Bibelarbeit macht", sagt Quenstedt, die selbst aus einem Dorf im Osterzgebirge stammt.

Ein Blick in die Trinitatiskirche - das größte Gotteshaus zwischen Meißen und Torgau.
Ein Blick in die Trinitatiskirche - das größte Gotteshaus zwischen Meißen und Torgau. © Die Neue für Riesa

Der Beruf des Pfarrers war ihr schon als Kind bekannt: "Einer meiner Großväter war Pfarrer: der war jetzt auch bei meiner Ordination in Riesa dabei und sehr glücklich", sagt die Enkelin. Ebenfalls dabei war jemand, den sie beim FSJ erstmals gesehen und beim Theologie-Studium näher kennengelernt hat - Jan Quenstedt, der aus Großenhain stammt, mittlerweile ihr Mann ist und gerade als promovierter Theologe eine Vikariats-Stelle in Zeithain angetreten hat.

War das der Hintergrund, warum es das Paar aus Leipzig nach Riesa verschlagen hat? "Die erste Pfarrerstelle sucht man sich nicht aus", erklärt Luise-Catharina Quenstedt. "Dorthin wird man entsendet." Aber möglicherweise habe die Landeskirche berücksichtigt, dass das junge Paar genau auf zwei vakante Stellen rechts und links der Elbe gepasst hat. Mittlerweile haben sich die beiden Riesas Stadtpark, Elbpromenade, Teile der Innenstadt angeschaut. Den Rest der Stadt werden sie auch noch kennenlernen: Die Entsendung gilt für drei Jahre, danach können die Pfarrer sich auf freie Stellen bewerben - und nicht ganz unüblich ist es, sich auf die Stelle zu bewerben, wo man schon tätig ist. "Dann wären zehn bis 15 Jahre eine übliche Frist für eine Gemeinde", sagt Quenstedt.

Bedarf dürfte in Riesa wohl bleiben: Denn der 1. Pfarrer Johannes Grasemann, vorrangig für Strehla zuständig, will zeitnah in Vorruhestand gehen. Dann ist schon wieder eine Stelle in der Kirchgemeinde vakant. Außerdem sei man in Riesa "mit sehr großer Freude" aufgenommen worden, sagt die neue Pfarrerin. Und man habe hier ein Team aus Mitarbeitern angetroffen, auf das man sich verlassen könne.

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