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Die neuen Mieter in Kaffee Starke

Viele Jahre lang stand das Eckhaus am Riesaer Rathausplatz leer. Jetzt ist es voll belegt - mit einem bekannten Namen am Klingelschild.

Bis zur ersten Vorstandssitzung im neuen Büro muss noch etwas aufgeräumt werden: SC-Riesa-Vizepräsident Sebastian Lohse im Erkerzimmer von Kaffee Starke.
Bis zur ersten Vorstandssitzung im neuen Büro muss noch etwas aufgeräumt werden: SC-Riesa-Vizepräsident Sebastian Lohse im Erkerzimmer von Kaffee Starke. © Sebastian Schultz

Riesa. Es gibt sie noch, die Erfolgsgeschichten: Nach fast 30-jährigem Leerstand ist das Haus Kaffee Starke saniert – und auch hinter den Fenstern im Erdgeschoss zieht nun endlich Leben ein. Am Wochenende hat der SC Riesa an der oberen Ecke des Rathausplatzes seine neue Geschäftsstelle bezogen. "40 Leute aus den verschiedenen Abteilungen haben mit angepackt und Kisten geschleppt", sagt Sebastian Lohse.

Der Vizepräsident des größten Sportvereins im Landkreis ist froh, dass alles so gut geklappt hat – auch wenn längst noch nicht alle Kisten ausgepackt sind, manch Bild noch nicht an der Wand hängt und im Erkerzimmer noch ein gewisses kreatives Chaos herrscht.

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"Hier sollen künftig die Vorstandssitzungen stattfinden", sagt der 45-Jährige. Kommt in diesen Raum auch sein Schreibtisch rein? "Nein, wir Vorstandsmitglieder brauchen keinen Schreibtisch hier", sagt der Rechtsanwalt. Er habe doch schon einen, in seiner Kanzlei, nur einige Hundert Meter weiter auf der Hauptstraße. Die Büros, die im aufwendig sanierten Eckgebäude in Sichtweite des Rathauses entstanden sind, werden von den Mitarbeitern der Geschäftsstelle genutzt. Insgesamt zehn Arbeitsplätze sind so entstanden, acht im Obergeschoss und zwei im Untergeschoss, wo die Verantwortlichen für den Reha-Sport sitzen.

Fast anderthalb Millionen Euro hat die Sanierung von Kaffee Starke am Rathausplatz gekostet. Hauptmieter ist jetzt der größte Sportverein des Landkreises.
Fast anderthalb Millionen Euro hat die Sanierung von Kaffee Starke am Rathausplatz gekostet. Hauptmieter ist jetzt der größte Sportverein des Landkreises. © Sebastian Schultz

Der größte Teil der Fläche unten aber ist zu einem großen Versammlungsraum geworden: Ältere Riesaer erinnern sich, dass dort einst frisch geröstete Kaffeebohnen verkauft wurden, auch der bei Kaffee Starke selbst hergestellte Schnaps soll legendär gewesen sein. Ein Café, wie der Name vermuten lässt, gab es in dem Haus allerdings nie. Und auch künftig werden Passanten an dieser Stelle nicht auf einen Cappuccino einkehren können. Zwar ist an der rechten Seite des einstigen Verkaufsraums eine komplett neue Küchenzeile entstanden – die dient aber nur für vereins-eigene Zwecke.

"Hier wird es verschiedene Gremiensitzungen geben, die Abteilungen können das auch für eigene Veranstaltungen nutzen", sagt Lohse. Der SC hatte beispielsweise 2020 eine Vortragsreihe zu Themen wie Recht oder Versicherung gestartet – die durch Corona gestoppt worden war. Und die Regeln im Umgang mit der Pandemie verhindern derzeit nicht nur eine Einzugsfeier am Rathausplatz, sondern haben sich auch auf den Umzug selbst ausgewirkt: Die 40 Helfer am Sonnabend wurden sorgfältig auf den alten und den neuen Standort aufgeteilt. Und an beiden Gebäuden warteten zwei geschulte Damen, die jeden Helfer zuvor auf Corona testeten.

Nicht wiederzuerkennen: der einstige Verkaufsraum im Erdgeschoss. Hier soll es künftig Gremiensitzungen und Vorträge geben - aber keinen öffentlichen Kaffeeausschank.
Nicht wiederzuerkennen: der einstige Verkaufsraum im Erdgeschoss. Hier soll es künftig Gremiensitzungen und Vorträge geben - aber keinen öffentlichen Kaffeeausschank. © Sebastian Schultz
Eine neue Küchenecke ist im Eingangsbereich schon entstanden, der Tresen dazu fehlt noch.
Eine neue Küchenecke ist im Eingangsbereich schon entstanden, der Tresen dazu fehlt noch. © Sebastian Schultz
Die Zimmerpflanzen wurden schon verteilt, die Bilderrahmen müssen aber noch an die Wand.
Die Zimmerpflanzen wurden schon verteilt, die Bilderrahmen müssen aber noch an die Wand. © Sebastian Schultz
40 Vereinsmitglieder hatten am Wochenende Umzugskartons geschleppt. Nur die Möbel waren von einem Unternehmen transportiert worden.
40 Vereinsmitglieder hatten am Wochenende Umzugskartons geschleppt. Nur die Möbel waren von einem Unternehmen transportiert worden. © Sebastian Schultz

Was es trotz Corona derzeit gibt, sind regelmäßige Abstimmungsrunden im Vorstand des weit mehr als 2.000 Mitglieder zählenden Mehrsparten-Vereins. "Wir haben derzeit großen Abstimmungsbedarf", sagt der Vizepräsident. Seit einem Jahr gibt es durch die Pandemie auch im Sport immer wieder neue Regeln, was erlaubt ist – und was nicht. "Momentan ist der normale Vereinssport komplett zum Erliegen gekommen." Man hofft, immerhin bald wieder im Außenbereich Sport treiben zu können, wenn auch unter Auflagen. "Die Abteilungen haben schon im ersten Lockdown umfangreiche Hygienekonzepte aufgestellt und stehen sofort bereit, wenn wieder was möglich ist", sagt Lohse.

Immerhin: Die Mitglieder halten die Treue. Zwar sei im Vorjahr die Mitgliederzahl etwas zurück gegangen – aber nur mittelbar wegen Corona. "Wegen Corona ist so gut wie niemand ausgetreten", sagt der Vereinsvize. Abgänge gab es wie sonst auch durch Wegzüge, altershalber, oder weil jemand den Sport aufgibt. "Was fehlte, waren die sonst üblichen Neu-Eintritte." Logisch – wenn kein Sport erlaubt ist, meldet auch niemand sein Kind neu in einem Sportverein an.

Bei den Mitgliedsbeiträgen habe es so gut wie keine Ausfälle gegeben. "Hut ab vor den Mitgliedern", sagt Sebastian Lohse.

Die einstige Geschäftsstelle des SC Riesa an der Freitaler Straße steht nun leer. Das Gebäude ist an die Stadt zurückgefallen, die es abreißen lassen will.
Die einstige Geschäftsstelle des SC Riesa an der Freitaler Straße steht nun leer. Das Gebäude ist an die Stadt zurückgefallen, die es abreißen lassen will. © Klaus Dieter Bruehl

Manches langjährige Vereinsmitglied macht allerdings der Umzug vom Stadtrand an den Rathausplatz etwas wehmütig: "In den 90ern hatte der Verein das Objekt Freitaler Straße mit viel Eigenleistung saniert, da steckt Herzblut drin", sagt Lohse.

Aber zuletzt war der Plattenbau dem Verein deutlich zu groß geworden, der größte Teil stand leer, die Heizkosten des DDR-Gebäudes waren jenseits von Gut und Böse. Auch ein behindertengerechter Zugang hatte sich dort nicht einrichten lassen. Als sich die Option stellte, mitten in die Stadt an den Rathausplatz zu ziehen, sagte der Verein deshalb gern zu: Und für eine reine Wohn-Nutzung hätte es wohl auch nicht so viel Fördergeld für die insgesamt 1,4 Millionen Euro teure Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes gegeben, das nun der städtischen Wohnungsgesellschaft WGR gehört.

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Und während hier in den vergangenen Jahren ein echtes Schmuckstück entstanden ist, werden sich die Riesaer von einem anderen auffälligen Eckgrundstück verabschieden müssen: Das Gebäude an der Freitaler Straße ist für den Abriss vorgesehen, sagt Riesas Stadtsprecher Uwe Päsler. "Geplant ist die Nutzung der Fläche für das Kurzzeitparken von 'Elterntaxis' der benachbarten Oberschule, um die Situation an der Pausitzer Straße zu entschärfen."

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