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Die Not mit der Notdurft

Schon seit Jahren ist die öffentliche Toilette an der Gasanstalt abgesperrt. Das hat seinen Grund - stellt aber manchen Riesaer vor ein Problem.

Seit zwei Jahren ist diese öffentliche Toilette dauerhaft geschlossen. Für ältere und behinderte Menschen wird damit der Weg zum stillen Örtchen weit.
Seit zwei Jahren ist diese öffentliche Toilette dauerhaft geschlossen. Für ältere und behinderte Menschen wird damit der Weg zum stillen Örtchen weit. © KD BRUEHL

Riesa. Wenn die Tage wärmer werden, dann zieht es auch so manchen Riesaer wieder zu einem Spaziergang über die Hauptstraße oder ans Elbufer. Einmal die Promenade an der Elbstraße entlang, vielleicht auf einen Plausch mit Bekannten, so schildert es eine Riesaerin, die sich in der SZ-Redaktion meldet. Es könnte so schön sein - zumal die Stadt in den nächsten Jahren weiter in die Innenstadt investieren und auch die Straße An der Gasanstalt aufwerten will.

Eine Sache vermisst die Dame aber, deren Name der Redaktion bekannt ist. "Ich würde mir wünschen, dass dort das öffentliche WC wieder öffnet." Das sei nämlich schon längere Zeit geschlossen. Sie sei schon etwas älter, außerdem fast blind, erzählt die 79-Jährige. Wenn sie sich nahe des Mannheimer Platzes aufhalte und ein dringendes Bedürfnis verspüre, dann habe sie ein Problem. "Es gibt noch die Elbgalerie, aber die ist sonntags geschlossen." Eine jederzeit zugängliche Alternative fehle. Und bis zu den nächstgelegenen öffentlichen Toiletten am Puschkinplatz oder am Kanuheim schaffe sie es in ihrem Alter nicht.

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"Die Stadt hat die Toiletten am Rathausplatz neu gemacht, das ist ganz toll und gut begehbar geworden", lobt die Frau. "So etwas würde ich mir auch für die Stelle An der Gasanstalt wünschen." Im Zuge der Erneuerung des Bereichs könne man doch darüber nachdenken, schlägt sie vor. Abgesehen davon würde sie sich auch wünschen, dass die Toilette alsbald wieder öffnet.

Das allerdings wird wohl so schnell nicht passieren, wie auch Anwohnerin Rosmarie Wiedemann berichtet. Die Toilette sei geschlossen worden, weil dort immer wieder randaliert wurde. Die zerdellten und beschmierten Metalltüren zeugen noch davon. Aus Anwohnersicht ist die Anlage nach wie vor ein Ärgernis.

Beschmiert, zerdellt, zugemüllt: Nicht nur Anwohnerin Rosmarie Wiedemann beklagt den Zustand der Toilette An der Gasanstalt.
Beschmiert, zerdellt, zugemüllt: Nicht nur Anwohnerin Rosmarie Wiedemann beklagt den Zustand der Toilette An der Gasanstalt. © KD BRUEHL

Auch aus dem Rathaus heißt es, die Schließung der WC-Anlage habe nicht direkt mit einem technischen Defekt zu tun. "Gründe waren wiederholter Vandalismus inner- und außerhalb der Anlage mit erheblichen Schäden und die damit verbundenen hohen Reparatur- und Reinigungskosten", erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. Ob Sensoren, Spülanlagen oder Türen - vor kaum einem Teil des Toilettenhäuschens schreckten die Randalierer zurück. "Außerdem gab es Schäden durch Böller zu Silvester", so Uwe Päsler weiter. Die Graffitischmierereien und Vermüllung kommen noch dazu. Allein für die Reparaturen habe die Stadt fast 4.000 Euro gezahlt. Letztendlich kapitulierte die Stadt, als es innerhalb kurzer Zeit zu wiederholten Beschädigungen kam. Das war bereits vor zwei Jahren im Frühjahr 2019.

Ein typisches Riesa-Problem ist das nicht: Auch andere Kommunen mussten schon drastisch reagieren, weil ständig in WC-Anlagen eingebrochen oder randaliert wurde. Medienberichte dazu finden sich zuhauf. Eine echte Patentlösung dagegen gibt es augenscheinlich nicht. Sanitärfirmen raten dazu, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten: Je mehr Technik beispielsweise in der Wand verbaut ist, desto weniger lässt sich auch kaputtmachen, so der Gedanke. Ob das bezahlbar ist, steht auf einem anderen Blatt.

Funktionsfähig allerdings wäre die Toilette. "Die Anlage ist im ordnungsgemäßen Zustand, wird weiterhin kontrolliert und grob gereinigt und kann jederzeit wieder geöffnet werden, beispielsweise mittelfristig bei Veranstaltungen." Momentan gibt es jedoch noch kein konkretes Vorhaben einer dauerhaften Öffnung.

Für den Alltag verweist auch die Stadt deshalb auf die beiden nächstgelegenen Toilettenanlagen: in der Elbstraße und am Alexander-Puschkin-Platz, jeweils etwa 450 Meter von der Freitreppe am Kino entfernt. Das klingt nicht viel, aber gerade für ältere Leute, die nicht mehr gut zu Fuß sind, sei es eigentlich zu weit, erklärt die SZ-Leserin am Telefon. Dabei habe sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich doch einiges dahingehend getan, Riesa senioren- und behindertenfreundlicher zu machen. "Ich finde, das hat sich gebessert, man hat dafür schon einen Blick mittlerweile."

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Nur die Sache mit den stillen Örtchen funktionierten ihrer Ansicht nach in Meißen und Großenhain besser als in Riesa. Vandalismus jedenfalls könne doch nicht das Argument sein, an dieser Stelle durchgängig auf eine öffentliche Toilette zu verzichten. "Wenn es dort zu Beschädigungen gekommen ist, kann man ja vielleicht mit einer Kamera für Sicherheit sorgen?" fragt sie. Das allerdings ist so einfach nicht, erklärt der Rathaussprecher: Die meisten der Schäden habe es im Inneren des Häuschens gegeben, etwa in den Toilettenabteilen. Dort sei eine Videoaufzeichnung natürlich nicht möglich. Auch Pläne für einen Neubau gebe es - Stand jetzt - nicht.

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