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DNA-Spur nach Laubeneinbruch umstritten

Ermittler finden am Tatort an einem Fensterrahmen eine Spur, die von einem jungen Riesaer stammt. Doch reicht sie für eine Verurteilung?

Ein 27-Jähriger soll in Riesaer Gartenlauben eingestiegen sein. Er selber sagt vor Gericht, sich Lauben lediglich aus Interesse angesehen zu haben.
Ein 27-Jähriger soll in Riesaer Gartenlauben eingestiegen sein. Er selber sagt vor Gericht, sich Lauben lediglich aus Interesse angesehen zu haben. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Geschichte, mit der der Angeklagte seine Anwesenheit auf einem Riesaer Laubengrundstück begründet, wirkt nicht sehr glaubwürdig. Er habe sich im vergangenen Herbst in der Sparte an der Schweriner Straße umgesehen, weil er sich einen Garten zulegen wollte, sagt Leon P. (Name geändert). Es könne sein, dass er dabei auch jenen Fensterrahmen berührte, an dem nach einem Einbruch seine DNA gefunden wurde. Im Januar dieses Jahres – also ein Vierteljahr später – waren in der Gartensparte mehrere Einbrüche verübt worden. Der oder die Täter zerschlugen die Scheiben von vier Lauben und durchsuchten diese. Sie stahlen unter anderem Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände sowie Küchenausstattungen. Der Sachschaden lag mit rund 1.400 Euro dabei weit höher als der auf 400 Euro bezifferte Stehlschaden.

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Leon P. streitet rundweg ab, dass er an den Einbrüchen beteiligt war. Der 27-Jährige legt sogar eine Bescheinigung vor, dass er zur ungefähren Tatzeit auf Arbeit war. Das besage ja nun nicht viel, hält Richter Herbert Zapf entgegen. Schließlich könne er sich nach Arbeitsschluss auf den Weg gemacht haben. Wenn man stundenlang Reifen auf eine Lkw-Ladefläche gewuchtet hat, erwidert der Angeklagte, sei wohl niemand mehr in der Lage, auf Einbruchstour zu gehen. Der Richter könne ja mal eine solche Schicht mitmachen, fügt Leon P. dreist hinzu. Dann werde er schon sehen, wozu er noch in der Lage sei.

Die Selbstsicherheit des Angeklagten mag daher rühren, dass es keine Zeugen für die Einbruchsserie gibt. Die Laubenbesitzer bemerkten die Sache erst am nächsten Morgen, und außer der DNA-Spur an Fensterrahmen eines Gartenhäuschens gibt es keine weiteren Beweise. Nun verhält es sich im wahren Leben nicht wie in den abendlichen Krimiserien. DNA-Spuren können in einem Prozess zwar ausschlaggebend sein, müssen es aber nicht. Es handelt sich lediglich um ein Indiz, das im Zweifel auch auf andere Weise an den Tatort gelangt sein könnte. Außerdem werden oft sogenannten Mischspuren, also Spuren, die verschiedene DNA beinhalten, gefunden, und das macht eine Identifizierung schwierig.

Natürlich ist zu bezweifeln, dass eine DNA-Spur am Außenrahmen eines Laubenfensters drei Monate Herbst- und Winterwetter übersteht. Und das Gericht könnte den Spartenvorstand befragen, ob er Leon P. wirklich über die Grundstücke geführt hat. Es fragt sich allerdings, ob die Beweislage dadurch klarer würde. In solchen Fällen urteilen Richter meist nach dem Grundsatz „In dubio pro reo“. Er besagt, dass ein Angeklagter im Strafprozess nicht verurteilt werden darf, wenn dem Gericht Zweifel an seiner Schuld verbleiben. Auch die Tatsache, dass Leon P. wegen ganz ähnlicher Delikte schon mehrfach vor dem Kadi stand, spielt in diesem Fall keine Rolle. Er wird vom Vorwurf des Diebstahls und der Sachbeschädigung freigesprochen.

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