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Drogenanbau im Steinbruch fliegt auf

Fünf junge Männer werden ertappt, wie sie die versteckten Pflanzen gießen. Die Strehlaer haben eine abenteuerliche Erklärung.

Cannabisversteck im Steinbruch: Bei Strehla wurde 2018 diese "Plantage" entdeckt. Gleich mehrere Gruppen kümmerten sich um die Pflanzen - auch fünf junge Männer aus Strehla.
Cannabisversteck im Steinbruch: Bei Strehla wurde 2018 diese "Plantage" entdeckt. Gleich mehrere Gruppen kümmerten sich um die Pflanzen - auch fünf junge Männer aus Strehla. © AG Riesa

Strehla/Riesa. Es war eine dumme Idee, sagt Peter K.*. "Ich weiß gar nicht mehr, was wir uns dabei überhaupt gedacht haben." Der 20-Jährige sitzt gemeinsam mit vier Freunden auf der Anklagebank im Riesaer Amtsgericht; und wenn man seiner Version der Geschichte Glauben schenkt, dann nur durch jugendlichen Leichtsinn.

Im Sommer 2018 waren die fünf jungen Männer, damals alle zwischen 17 und 20 Jahre alt, in einem Steinbruch an der Feldstraße bei Strehla unterwegs. "Wir wollten angeln", sagt K. Ob sie etwas gefangen haben, erzählen die Männer nicht. Wohl aber, dass sie etwas tranken - und dann auf dem Gelände eine Entdeckung machten.

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Verteilt auf mehrere Blumentöpfe wuchsen dort mehr als ein Dutzend Cannabispflanzen. Nun gäbe es sicher viele Möglichkeiten, auf eine solche Entdeckung zu reagieren, vom Wegschauen und Ignorieren bis hin zum Anruf bei der Polizei. Laut Peter K. wählten die fünf Freunde aber einen anderen Ansatz. "Wir haben die Pflanzen gegossen", gesteht er.

In die Fotofalle getappt

Mit welcher Hingabe sich die Gruppe um die kleine Cannabisplantage gekümmert hat, wird vor Gericht nicht ganz deutlich. K.s Aussage lässt den Schluss zu, dass zumindest er mehrmals vor Ort war; seine Freunde hingegen betonen, es sei eine einmalige Sache gewesen, sozusagen aus der Bierlaune heraus. Man habe eben schauen wollen, was passiert, druckst einer herum. Da muss auch der Richter kurz schmunzeln.

Fest steht bloß, dass das Quintett während der Gieß-Aktion nicht völlig unbemerkt geblieben ist. Denn als die Gruppe die Pflänzchen gießt, tappen sie offenbar in eine Fotofalle. Eine Wildkamera lichtet die Strehlaer in flagranti ab - und einige Zeit später lädt die Polizei die Freunde vor. Jetzt sitzen sie wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln vor Gericht.

Wie die typischen Drogenabhängigen oder Kleinkriminellen wirken die fünf Angeklagten nicht. Nur zwei von ihnen hatten überhaupt schon mal mit der Justiz zu tun. Da ging es auch um Betäubungsmittel, einer hat auch einen Einbruch auf dem Kerbholz. "Das ist aber drei Jahre her, das habe ich hinter mir gelassen", beteuert er. Dass seine DNA an Jointresten am Tatort gefunden wurde, erklärt er sich damit, dass er dort war und geschaut hat. Geraucht habe er aber nicht.

Die Beweislage gegen die fünf ist auch eher dünn. Amtsrichter Herbert Zapf hebt hervor, es lasse sich nicht nachweisen, dass die jungen Männer die THC-haltigen Pflanzen geerntet und weiterverarbeitet hätten - oder die Drogen gar verkauft.

Wer immer auch die illegalen Pflanzen ernten wollte, er hätte auch wenig Freude damit gehabt, wie die Auswertung durch die Polizei zutage förderte. "Der Wirkstoffgehalt der Pflanzen lag bei 1,4 Prozent", sagt Herbert Zapf. Das sei ziemlich wenig. Heutzutage liegt der durchschnittliche THC-Gehalt von Pflanzen eher im Bereich von 15 bis 20 Prozent.

Auch andere "Gärtner" kümmerten sich um die Pflanzen

Weil die Sache darüber hinaus auch noch lange her ist, schlägt der Richter vor, das Verfahren gegen die fünf jungen Männer einzustellen. Die Staatsanwältin folgt dem Antrag. Die Angeklagten sowieso. Sie dürften froh sein, dass die Idee aus der Bierlaune nicht mit einer Strafe endet.

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Wer die Pflanzen tatsächlich im Steinbruch versteckt hatte, bleibt wohl im Dunkeln. Die fünf Strehlaer waren jedenfalls nicht die einzigen, die sich um die Pflänzchen kümmerten. "Es gab noch mehr Gärtner, offenbar", sagt Richter Herbert Zapf. Auch die seien beim Gießen in die Fotofalle getappt - waren anhand der Bilder aber offenbar nicht zu identifizieren. Es handle sich aber wohl um "grauhaarige Männer", so Zapf.

*Name geändert.

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