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Ein Roboter für Riesa

100-Kilo-Teile buckelt niemand gern. Bei Rime übernimmt das jetzt die Maschine. Arbeitnehmer brauchen sich aber keine Sorgen machen - sagt der Chef.

So sieht er aus, der neue Roboter: Rime-Betriebsleiter Sebastian Krybus (r.) zeigt Riesas OB Marco Müller die Neuanschaffung des Metallbau-Spezialisten.
So sieht er aus, der neue Roboter: Rime-Betriebsleiter Sebastian Krybus (r.) zeigt Riesas OB Marco Müller die Neuanschaffung des Metallbau-Spezialisten. © Sebastian Schultz

Riesa. Langsam, beinahe zärtlich senkt sich der Arm nach unten. Behutsam setzt eine Platte mit vier roten Klötzen dran auf einem Stapel Stahlplatten auf. Und dann schwebt das oberste Stahlteil, gut 100 Kilogramm schwer, schon im Bogen davon. Gehalten wird es von vier Magneten, die sie erst an der nächsten Station wieder loslassen: einem Tisch, der plötzlich in Bewegung gerät und die Stahlplatte durch eine zuklappende Bewegung auf die andere Seite wendet.

"Normalerweise läuft das alles viel schneller ab", sagt Sebastian Krybus. Der Rime-Betriebsleiter präsentiert stolz seine Neuanschaffung - ein Drei-Achs-Fräszentrum mit Roboter, alles in allem eine halbe Million Euro teuer. "Die Kollegen müssen nur noch die Rohteile hinlegen und später die fertigen Exemplare wegräumen."

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Das Gerät von der holländischen Schwesterfirma Teqram lief nach der Inbetriebnahme so gut an, dass man schon fürchtete, zum Vorführtermin keine Stahlplatten aus der ersten Produktionsserie mehr übrig zu haben. Doch, wie das bei einem Vorführtermin nun mal so ist, gab es noch einen kleinen Defekt: Sodass der Monteur aus Holland noch mal ran muss. Derweil steuern zwei Maschinenbaustudenten die neue Technik. Sie sollen sich ohnehin mit den Abläufen an der Maschine genau vertraut machen.

120 Mitarbeiter beschäftigt Rime derzeit. Der Platz auf dem Firmenareal am Stahlwerk wird nach mehreren Erweiterungen mittlerweile knapp.
120 Mitarbeiter beschäftigt Rime derzeit. Der Platz auf dem Firmenareal am Stahlwerk wird nach mehreren Erweiterungen mittlerweile knapp. © Sebastian Schultz

"Hier sind Kenntnisse aus zwei Welten gefragt", sagt Krybus. "Man braucht jemanden, der sich mit Fräsen auskennt - und mit IT." Und so gibt es die Möglichkeit, CNC-Fräser mit Interesse an Computern fortzubilden - oder IT-Experten Kenntnisse von Metallbearbeitung nahezubringen. So oder so sind Experten gefragt, um die Maschine am Laufen zu halten. "Der Roboter löst bei uns nicht den Menschen ab, keine Sorge", sagt der Betriebsleiter.

Wenn die Testphase vorbei ist, wird allerdings nur noch ein einzelner Bediener nötig sein - der den Ablauf überwachen muss. Denn der Rest läuft vollautomatisch: Der Roboterarm greift den Rohling und legt ihn in das Fräszentrum ein. Dort läuft ein eingestelltes Programm ab - da werden Kanten gefräst, Löcher in den Stahl gebohrt, Gewinde hergestellt. Direkt danach nimmt der Roboterarm das Werkstück raus und legt es auf den Reinigungstisch daneben - wo es ebenfalls vollautomatisch von Spänen gereinigt wird. Und in der Mitte der Anlage überwacht ein elektronisches Auge ununterbrochen, wo sich das Teil gerade befindet.

"Das ist die Technik der Zukunft", lobt OB Marco Müller (CDU), der sich die Anlage vorführen lässt. Rime gehöre zu den erfolgreichen Unternehmen in Riesa. "Der Spatenstich für die letzte Erweiterung ist noch gar nicht so lange her", erinnert er sich. Tatsächlich ist die jüngste Halle auf dem früheren Stahlwerksgelände erst drei Jahre alt, eine andere kam vor sechs Jahren dazu. Jetzt wird langsam der Platz eng - zumal Rime auch schon 1.500 Quadratmeter in der früheren Freyler-Halle nutzt, die das Unternehmen gekauft hatte.

Mit einer Fernsteuerung lässt sich die neue Anlage von einer holländischen Schwesterfirma auch aus sicherem Abstand bedienen.
Mit einer Fernsteuerung lässt sich die neue Anlage von einer holländischen Schwesterfirma auch aus sicherem Abstand bedienen. © Sebastian Schultz

Und was sagen die Auftragsbücher bei Rime? "Wir sind zufrieden", entgegnet Sebastian Krybus. Nachdem der Markt 2020 wohl auch wegen Corona recht ruhig geblieben sei, sei das Jahr 2021 sehr stark losgegangen. "Wir merken eine erhöhte Nachfrage in allen Bereichen." Die Metallteile, die die Tochter des holländischen Unternehmens Tollenaar Industries fertigt, finden sich im Alltag im Unterbau von Lastwagen wieder, im Innenleben von Windkrafträdern, als Verkleidung an diversen Maschinen. Die Stahlplatte, die da gerade noch am neuen Roboterarm schwebt, komplettiert später eine Arbeitsmaschine.

85 Prozent der Produkte bleiben später in Deutschland, die anderen 15 Prozent macht der europäische Markt aus. Die aktuell 120 Mitarbeiter dagegen kommen aus der Region. "Darunter sind auch zwölf Lehrlinge und Studenten", sagt Sebastian Krybus. Man habe auch schon die drei Lehrlinge für das neue Lehrjahr sicher. "Wir bilden nur so viele Leute aus, wie wir übernehmen können - und mussten dafür viele Bewerber ablehnen", sagt der Betriebsleiter. Wie das? Sucht manch Arbeitgeber in Riesa doch händeringend Lehrlinge? "Vielleicht liegt das daran, dass wir uns sehr gut entwickelt haben und viele neue Technologien bei uns im Unternehmen einführen", sagt Krybus. Das niedrige Durchschnittsalter der Belegschaft - es liegt bei knapp unter 40 - spreche für sich.

Hier sind IT-Kenntnisse gefragt: das Bedienfeld des Fräszentrums.
Hier sind IT-Kenntnisse gefragt: das Bedienfeld des Fräszentrums. © Sebastian Schultz

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Mit seinen 39 Jahren entspricht der Betriebsleiter genau dem Altersschnitt. Eine Sorge treibt ihn allerdings um: Die Verfügbarkeit von Material auf dem Markt lasse derzeit zu wünschen übrig. "Das betrifft eigentlich alle Metalle, vor allem aber Aluminium." Und die Preise seien förmlich explodiert. Aber mit diesem Problem schlagen sich seit Corona viele Branchen herum - nicht nur Metallspezialisten wie Rime.

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