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Eltern-Protest am Riesaer Rathausplatz

Mit drei Hüpfburgen wollen die Eltern ihrem Wunsch nach dem Erhalt der Kita Grashüpfer Nachdruck verleihen. Die Stadt verteidigt derweil die geplante Schließung.

Von Stefan Lehmann
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Mit Plakaten und drei Hüpfburgen wollten Eltern am Donnerstag ihrem Wunsch nach dem Erhalt der Poppitzer Kita "Grashüpfer" Nachdruck verleihen.
Mit Plakaten und drei Hüpfburgen wollten Eltern am Donnerstag ihrem Wunsch nach dem Erhalt der Poppitzer Kita "Grashüpfer" Nachdruck verleihen. © Eric Weser

Riesa. Familienfest-Atmosphäre auf dem Rathausplatz in Riesa: Die Elternschaft der hatte dort am Donnerstag drei Hüpfburgen aufgebaut, um für den Erhalt der Kita "Grashüpfer" zu protestieren. Auf Plakaten warfen sie der Stadtverwaltung vor, nicht familienfreundlich zu handeln und wiesen auf die 70-jährige Tradition der Kita hin, ein Trillerpfeifenkonzert sollte die Rathaus-Mitarbeiter "wachrütteln". Die Tagesstätte in Poppitz soll im Herbst 2022 schließen – aus Kostengründen.

Die Stadtverwaltung verteidigte derweil am Donnerstag die geplante Schließung. "Dort werden aktuell 23 Kinder betreut, fünf kommen 2022 in die Schule", erklärt Rathaussprecher Uwe Päsler – und betont noch einmal, dass die übrigen 18 Kinder weiterhin als Gruppe zusammenbleiben können, mitsamt der Erzieherinnen. Nur eben nicht mehr im Poppitzer Gebäude, sondern in der Kita Pfiffikus an der Freitaler Straße.

Der Landkreis Meißen rechnet für Riesa in den kommenden Jahren mit weniger Kindergartenkindern. Schon jetzt werden demnach die verfügbaren Plätze nicht vollständig ausgelastet; die Prognose geht von einem deutlichen Rückgang in den kommenden Jahren aus.

Stadt will durch die Schließung 60.000 Euro sparen

Insgesamt erhofft sich die Stadt von der Kita-Schließung eine Einsparung von 60.000 Euro pro Jahr. Davon wiederum könnten alle Eltern in der Stadt profitieren, die ihre Kinder betreuen lassen – so hatte es der SC Riesa zuvor mehrfach argumentiert. Denn höhere Gesamtkosten würden zwangsläufig in Form von Beiträgen auf die Eltern umgelegt. Das ist ein ebenso heißes Eisen wie die Kita-Schließung: Vor knapp zwei Jahren hatte das Thema für heftige Elternproteste gesorgt.

Allerdings: Wie sich Erhalt oder Schließung der Kita ganz konkret auf die Gebührenkalkulation auswirken, das sei "nicht pauschal darstellbar", heißt es aus dem Rathaus. Es würden viele Faktoren in die Berechnung und damit auch den Elternanteil hineinspielen, heißt es.

Auch ein Vergleich der Gesamtkosten ist aus städtischer Sicht nicht sinnvoll, aufgrund der Vielfalt der Betreuungsmöglichkeiten. In Riesa gibt es mittlerweile zwölf Kitas und Krippen, betrieben von acht verschiedenen Trägern. "So ist die Krippenbetreuung kostenintensiver, weil der Betreuungsschlüssel anders ist als im Kindergarten", erklärt der Rathaussprecher. "Einrichtungen mit hohem Krippenanteil sind also per se 'teurer'. Außerdem leisten mehrere Kitas eine integrative Betreuung, was ebenfalls höheren Aufwand bedeutet. Und nicht zuletzt schwanken die Sachkosten je nach Investitionen und Reparaturen von Jahr zu Jahr und von Einrichtung zu Einrichtung."

Fest steht dagegen: Die reinen monatlichen Sachkosten pro Kind lagen in Poppitz mit etwa 211 Euro recht deutlich über dem Riesaer Kita-Schnitt von 182 Euro im Monat. Das hängt mit der Größe der Kita zusammen. Mit 23 Plätzen ist sie die Kleinste in Riesa – und schon jetzt auch die einzige in einem dörflichen Ortsteil. Die übrigen verfügbaren Betreuungsplätze verteilen sich auf Gröba (283 Plätze), Weida (227) und das Zentrum (659). Aus Sicht derjenigen, die die Poppitzer Kita erhalten wollen, sind die Kosten kein Argument: Bei der Kinderbetreuung dürfe Effizienz nicht das Maß aller Dinge sein, sagen sie. Am Freitag ist nach Aussagen der Eltern ein Gespräch mit Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) zu dem Thema geplant.