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Erste neue Station im Hochhaus ist fertig

Der Um- und Ausbau des Klinikums Riesa kostet mehr als 50 Millionen Euro. Unter Covid-Bedingungen gab es dort jetzt was zu feiern.

Freuen sich über eine neue Station im Riesaer Krankenhaus: Frank Ohi, Vorstandschef der Elblandkliniken (in schwarz) und Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Schneiders (links daneben).
Freuen sich über eine neue Station im Riesaer Krankenhaus: Frank Ohi, Vorstandschef der Elblandkliniken (in schwarz) und Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Schneiders (links daneben). © Kristin Richter

Riesa. Unter normalen Bedingungen wäre die Feier sicherlich etwas größer ausgefallen. Aber was ist derzeit schon normal - vor allem im Gesundheitswesen? Und so sind an diesem Montag nur ein gutes Dutzend Mitarbeiter zusammengekommen, alle tragen Mundschutz, es gibt kein großes Händeschütteln und nur Alkoholfreies zum Anstoßen: Nach anderthalb Jahren Bauzeit ist nun die sogenannte IMC-Station fertig geworden.

Das Kürzel steht für "Intermediate Care Station", sie ermöglicht eine Behandlungsstufe, die zwischen Normal- und Intensivstation steht. Patienten, die hier liegen, werden aufwendig überwacht: Stimmen Blutdruck? Sauerstoffsättigung? Herzfrequenz? Jeder Platz ist direkt mit einem neu eingerichteten Überwachungsstützpunkt verbunden. Die Vitalzeichen aller Patienten landen dort auf Monitoren. Sollte es wichtige Änderungen geben, warnt ein Alarmton Ärzte und Pfleger.

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"Ich bin stolz auf die neue IMC-Station", sagt Frank Ohi, der scheidende Elblandkliniken-Vorstandschef. Großzügiger und heller sei die für zwei Millionen Euro umgebaute und ausgestattete Station, die man nicht nur unter Corona-Bedingungen brauche. Und ein Vorbild für die anderen Etagen und Stationen, die nun nach und nach im Hochhaus umgebaut werden - unter laufendem Betrieb. "Wenn wir damit fertig sind, haben wir wieder ein tolles Haus 1 in Riesa", sagt Ohi.

Dort hatte man lange damit geliebäugelt, das Hochhaus aus DDR-Zeiten abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Entsprechende Planungen waren aber nicht aufgegangen und durch das Konzept eines Aus- und Umbaus ersetzt worden. Dazu gehörte auch der Neubau der Notaufnahme hinter dem Hochhaus, die 2019 fertig geworden war, und die Aufstockung des Hauses 5, rechts neben dem Neungeschosser.

Jedes der 14 Betten in der IMC-Station ist mit moderner Überwachungstechnik ausgestattet. Im Bild: Verwaltungsdirektor Peter Zeidler, Oberärztin Dr. Anda Bogatean und Stationsleiterin Schwester Bärbel.
Jedes der 14 Betten in der IMC-Station ist mit moderner Überwachungstechnik ausgestattet. Im Bild: Verwaltungsdirektor Peter Zeidler, Oberärztin Dr. Anda Bogatean und Stationsleiterin Schwester Bärbel. © Kristin Richter

Nun ist also Ebene für Ebene im Haupthaus dran. Die werden jeweils komplett entkernt, so dass drinnen nur noch die grauen Betondecken und -pfeiler aus der Zeit der Erbauung übrig bleiben - während die markante Fassade draußen unangetastet bleibt. Drinnen aber werden neue Wände eingezogen, die Flure verbreitert, kilometerweise Kabel und Kupferrohre verlegt, da kommen Estrich auf den Boden, Fliesen an die Wände, Verkleidungselemente an die Decke.

Die neue IMC in Etage 8 ist nun der erste fertiggestellte Stationsbereich im Hochhaus. Mit 14 Betten sind es zwei mehr als zuvor. Sie verteilen sich auf sechs Zwei-Bett-Zimmer und zwei Ein-Bett-Zimmer mit Infektionsschleuse und angeschlossenem Nassbereich. Vor allem freuen sich Ärzte und Pflegekräfte aber darüber, dass mit der Neueröffnung nun die Wege wieder kürzer werden: Wie vor dem Umbau, liegt die IMC nun direkt neben der Intensivstation, so dass Patienten bei Bedarf schnell hin- und hertransportiert werden können. Während der anderthalbjährigen Umbauzeit war die Station im Neubau neben der Notaufnahme untergekommen.

Die direkte Anbindung von IMC und Intensivstation bringe Vorteile mit sich, etwa bei der einheitlichen Ausstattung und der engeren Abstimmung, sagt Verwaltungsdirektor Peter Zeidler. "Sie führt so zu einer besseren Versorgungsqualität für unsere Patienten."

Schwer für Angehörige: Wie in anderen Krankenhäusern auch, gilt im Elblandklinikum Riesa nach wie vor wegen der Corona-Pandemie ein Besuchsverbot.
Schwer für Angehörige: Wie in anderen Krankenhäusern auch, gilt im Elblandklinikum Riesa nach wie vor wegen der Corona-Pandemie ein Besuchsverbot. © Sebastian Schultz

Rechnet man die 18 Betten der Intensivstation dazu, ist Riesa nun mit 32 Betten für die schwierigen Fälle ausgestattet. Freilich können nicht alle sofort in Betrieb gehen: Denn wie überall ist auch in Riesa derzeit unter Covid-Bedingungen das Personal knapp. Aktuell lassen sich damit 20 Betten betreuen. Leiterin Dr. Anda Bogatean hofft, bald 25 und danach dann alle 32 Betten anbieten zu können.

Patienten mit Corona-Verdacht verlegen die Elblandkliniken dabei nach wie vor nach Meißen. Im Gegenzug kommen auch Patienten, die nach überstandener Corona-Infektion noch eine intensivmedizinische Betreuung benötigen, nach Riesa. "Wir versorgen alle anderen Notfälle, auch Post-Covid-Patienten", sagt die Oberärztin. Voraussetzung ist, dass sie nicht mehr infektiös sind. Dabei kommt in der Intensivstation - je nach Schicht - ein Pfleger auf zwei bis zweieinhalb Patienten, in der IMC-Station sind es drei Pflegekräfte für zehn Betten. Bei den Ärzten gehören vier Leute zum festen Team, weil aber wechselnd noch Kollegen aller möglichen Fachrichtungen dazu kommen, sind täglich etwa sieben da.

In Ebene 7 entsteht gerade ein neuer Raum für die Physiotherapie. Den Ausblick auf Riesa kann wohl kein Riesaer Fitnessstudio bieten.
In Ebene 7 entsteht gerade ein neuer Raum für die Physiotherapie. Den Ausblick auf Riesa kann wohl kein Riesaer Fitnessstudio bieten. © Kristin Richter

Bei den Patienten fällt nun auf, dass der sonst eher hohe Altersdurchschnitt im Intensiv-Bereich derzeit etwas geringer ist. "Wir haben in der Altersgruppe von 40 bis 90 Jahren alles vertreten", sagt Dr. Anda Bogatean. Patienten mit überstandener Covid-Infektion, Herzinfarkte, Vergiftungen durch Tabletten-Missbrauch, Tumore.

Für ihre Behandlung gibt es in Riesa nun ein modern ausgestattetes Umfeld. Auf Besuch von Angehörigen allerdings müssen die Patienten nach wie vor verzichten - in allen Häusern der Elblandkliniken gilt wegen der Pandemie nach wie vor ein Besuchsstopp mit wenigen Ausnahmen - etwa bei Sterbenskranken oder bei Entbindungen. Viele Patienten hätten dafür Verständnis, leider nicht alle, sagt Verwaltungsdirektor Peter Zeidler. "Die Alternative sind in dieser Zeit eben Telefonanrufe", sagt der 64-Jährige.

Tatsächlich blieben auch die Mitarbeiter nicht von Covid-Infektionen oder Quarantäne-Maßnahmen verschont - vor allem im November und Dezember habe es größere Ausfälle gegeben, sagt Prof. Dr. Wolfgang Schneiders, der Ärztliche Direktor. "Mittlerweile wird es aber wieder besser."

Erhalten bleiben im Hochhaus der Elblandkliniken nur die Fassade und die Betonkonstruktion. Ansonsten wird beim etagenweisen Umbau alles neu, sagt Verwaltungschef Peter Zeidler.
Erhalten bleiben im Hochhaus der Elblandkliniken nur die Fassade und die Betonkonstruktion. Ansonsten wird beim etagenweisen Umbau alles neu, sagt Verwaltungschef Peter Zeidler. © Kristin Richter

Während die neue IMC im achten Stock nun in den regulären Betrieb gehen kann, wird in den drei darunterliegenden Etagen gleichzeitig gebaut: In der Ebene 7 entsteht wieder Platz für Verwaltung und Physiotherapie, in der Ebene 6 Räume für den ärztlichen Dienst und Bereitschaftszimmer, in der Ebene 5 wird aus der früheren Chirurgie die Urologie. Überall liegen Decken und Böden frei, wird an Leitungen, Wänden, Haustechnik gebaut.

Zahllose Gewerke sind gleichzeitig im Einsatz, vom Gas-Installateur bis zum Möbelbauer - den Plauener Holzwerkstätten. "Ein separater Fahrstuhl und ein eigenes Treppenhaus sorgen dafür, dass die Handwerker möglichst wenig mit dem Krankenhausbetrieb in Kontakt kommen", sagt Peter Zeidler.

Zum Glück habe man die Firmen schon über Jahre gebunden - sonst könnte es jetzt schwierig werden, Handwerker zu finden. Ursprünglich sollte das mehr als 50 Millionen Euro teure Bauprojekt in Riesa bis Ende 2021 fertig werden. Tatsächlich wird es wohl ein Jahr länger dauern. Aber das ist - unter diesen Bedingungen - wohl eine gute Botschaft.

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