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Bruchlandung im Stahlwerk

Gleich mehrere junge Turmfalken landen bei ihren ersten Flugversuchen auf dem Riesaer Feralpi-Gelände. Nun kümmert sich der Tierpark um die Greifvögel.

Ein Tierpark-Mitarbeiter zeigt einen der jungen Turmfalken, die beim ersten Flugversuch auf dem Stahlwerkgelände in Riesa gelandet waren.
Ein Tierpark-Mitarbeiter zeigt einen der jungen Turmfalken, die beim ersten Flugversuch auf dem Stahlwerkgelände in Riesa gelandet waren. © Bildstelle

Riesa. Das war ein denkwürdiger Arbeitseinsatz für FVG-Mitarbeiterin Anke Sommer. Normalerweise ist sie im städtischen Unternehmen unter anderem für die Buchhaltung zuständig. Als am Mittwoch um 7.30 Uhr aber das Telefon klingelt, ist das Riesaer Stahlwerk am anderen Ende der Leitung - und erwartet Hilfe bei einer Tierrettung.

Auf dem Werkgelände war kurz zuvor ein junger Turmfalke bei seinem ersten Flugversuch gelandet. Und das offenbar in einem Materialcontainer, erzählt Anke Sommer am Telefon. "Die Mitarbeiter aus dem Werk hatten zunächst versucht, den Tierschutz zu erreichen." Vergeblich. Dann sei offenbar jemand darauf gekommen, die FVG anzurufen, die den Tierpark Riesa betreibt. Nachdem dort so schnell niemand für die Rettungsaktion verfügbar war, machten sich Sommer und eine Kollegin kurzerhand selbst auf den Weg und holten den etwa vier Wochen alten Falken im Karton ab.

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Mittlerweile ist der Vogel in der Auffangstation auf dem Tierparkgelände untergebracht - und nicht mehr allein: noch am gleichen Tag holte Tierparkleiterin Janina Kraemer den zweiten Falken auf dem Stahlwerkgelände ab. "Die Vögel legen meist zwei bis sechs Eier, es könnten also noch ein paar dazukommen", sagt sie. Gebrütet hatten die Falken wohl auf einem Stahlträger im Werkgelände. Etwas ungewöhnlich, selbst für einen Kulturfolger wie den Turmfalken. Die Tiere nisten gern an hohen Gebäuden, rund um Riesa finden sie auf den Feldern genügend Beute. Selten ist die Art in der Region jedenfalls nicht.

Es komme immer wieder mal vor, dass Spaziergänger junge Greifvögel am Boden finden. Normalerweise besteht dann kein Handlungsbedarf, erklärt Kraemer. Die Alttiere kümmern sich weiter um den Nachwuchs und füttern ihn, auch wenn die Jungtiere schon das Nest verlassen haben. "Der Mensch sollte nur eingreifen, wenn die Vögel erkennbar verletzt sind - oder in unmittelbarer Gefahr schweben." Beispielsweise, wenn sie an einer viel befahrenen Straße hocken - oder eben an einer gefährlichen Ecke im Stahlwerk. Dann sei ein Anruf im Tierpark allerdings der richtige Weg. "Alle Tierarten können wir allerdings nicht aufnehmen." Allein schon wegen der begrenzten Kapazitäten.

In der Auffangstation des Tierparks werden die jungen Falken nun ein paar Tage betreut, ehe es wieder zurück in Freiheit geht.
In der Auffangstation des Tierparks werden die jungen Falken nun ein paar Tage betreut, ehe es wieder zurück in Freiheit geht. © Tierpark Riesa

In der abseits der Besucherpfade im Tierpark befindlichen Auffangstation können die Falken erst einmal zu Kräften kommen und ihre Flugmuskeln trainieren. Von den Tierpark-Mitarbeitern werden sie mit kleingeschnittenen Küken versorgt. Außerdem ist geplant, die Tiere zu beringen, sagt Janina Kraemer.

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Etwa 80 Prozent der Pfleglinge in der Auffangstation sind Eulen und Greifvögel, sagt Janina Kraemer. Meist handelt es sich allerdings um ausgewachsene Tiere. Neben den beiden Falken wird momentan ein Rotmilan in Riesa aufgepäppelt. Ihm musste nach einem Unfall ein Flügel amputiert werden. Ausgewildert werden kann er nicht mehr. Bei den jungen Turmfalken sieht die Sache anders aus. Sie könnten schon in ein bis zwei Wochen in die Freiheit entlassen werden, schätzt Janina Kraemer.

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