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Fischsterben am Hahnefelder Speicher

In dem Gewässer an der Grenze zwischen den Landkreisen Meißen und Nordsachsen verenden unzählige Fische. Nach der genauen Ursache wird noch gesucht.

Von Stefan Lehmann
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Ein toter Fisch am Ufer des Hahnefelder Speichers. Vor etwa einer Woche war dort die Sauerstoffkonzentration plötzlich zurückgegangen. Warum, wird nun untersucht.
Ein toter Fisch am Ufer des Hahnefelder Speichers. Vor etwa einer Woche war dort die Sauerstoffkonzentration plötzlich zurückgegangen. Warum, wird nun untersucht. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Die Aale hatten sich noch ans Ufer retten können, berichtet der Angler. "Die lagen dort, fast einen Meter lang, und haben nach Luft geschnappt." Der Mann ist immer noch erschrocken nach seinem Besuch am Hahnefelder Speicher vor gut einer Woche. Unzählige tote Fische habe er in der Uferzone des Rückhaltebeckens gefunden. Über einen knapp einen Meter langen Karpfen hätten sich schon Aasfresser hergemacht.

Der Angler spricht von einem "totalen Fischsterben", er habe dann direkt die Wasserschutzpolizei alarmiert. "Es hat am Wasser auch unangenehm gestunken. Irgendwas ist da reingeleitet worden", vermutet er.

Völlig daneben liegt er damit nicht, so viel steht gut eine Woche später bereits fest. "Es besteht die Vermutung der Einleitung oder des Eintritts eines Wasserschadstoffes in das Gewässer", teilt René Häse auf Nachfrage mit. Er ist Geschäftsführer des Anglerverbandes Elbflorenz, der den Hahnefelder Speicher bewirtschaftet. Wie hoch tatsächlich der Schaden ist, darüber könne der Verband bislang noch keine Aussagen treffen. Die Sachlage vor Ort werde durch sie und die Behörden weiter beobachtet, es werde auch noch zur genauen Ursache ermittelt. Mehr könne er nicht mitteilen, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden, so Häse.

Aus dem Landratsamt in Meißen heißt es, die Untere Wasserbehörde sei am 8. November über das Fischsterben informiert worden. "Eine unmittelbare Ortsbesichtigung hat ergeben, dass es zu einem Stoffeintrag gekommen war, in dessen Folge die Sauerstoffkonzentration im Speicher gesunken ist", teilt Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch mit. "Lediglich in einem Zufluss waren noch Restbelastungen aus dem Stoffeintrag sichtbar, erneute Einleitungen wurden nicht festgestellt." Bei der Ursachenermittlung arbeite die Meißner Behörde auch mit der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes Nordsachsen zusammen.

Der Speicher ist Teil mehrerer Schutzgebiete

Völlig tot ist das Gewässer nach Angaben des Landratsamtes nicht - weil es rechtzeitig bemerkt wurde. Bei der Ortsbesichtigung habe man "kein Fischsterben in großem Maßstab" feststellen können. "Allerdings waren zahlreiche notleidende Fische sichtbar." Aus diesem Grund seien dem Anglerverband Maßnahmen vorgeschlagen worden, um die Sauerstoffkonzentration wieder zu erhöhen. Das ist mittlerweile passiert. Die Angler hatten schon in den vergangenen Tagen reagiert und Frischwasser zugeleitet. Ob im Hahnefelder Speicher gefangene Fische derzeit bedenkenlos verzehrt werden können, dazu konnte die Sprecherin des Landratsamts zunächst keine Aussagen treffen.

Nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) liegt der Hahnefelder Speicher gleich in mehreren Schutzgebieten: Er sei Vogelschutz-, wie auch FFH-Gebiet und außerdem noch Teil des Landschaftsschutzgebiets linkselbische Bachtäler. Die Behörden müssten deshalb der Sache nachgehen, erklärt der Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Großenhainer Pflege, Volker Wilhelms. Den aus Anglerkreisen geäußerten Verdacht, es könnte sich um Verunreinigungen durch eine nahe gelegene Biogasanlage handeln, teilt er nicht. Es fehle dafür an einer direkten Einleitung zum Gewässer.