merken
PLUS Riesa

Geplatzte Drogengeschäfte

Zwei Großenhainer wollen in den Cannabishandel einsteigen – werden aber durch Polizei-Informanten ausgebremst und landen vor Gericht.

Diese Frauen rauchen bei einer Demo für legalen Cannabis-Konsum einen Joint. Kürzlich waren in Großenhain bei einer Hausdurchsuchung 500 Gramm Cannabis aufgetaucht - Anlass für einen Prozess am Riesaer Amtsgericht.
Diese Frauen rauchen bei einer Demo für legalen Cannabis-Konsum einen Joint. Kürzlich waren in Großenhain bei einer Hausdurchsuchung 500 Gramm Cannabis aufgetaucht - Anlass für einen Prozess am Riesaer Amtsgericht. © Archivbild: Paul Zinken/dpa

Riesa/Großenhain. Die Corona-Beschränkungen machen auch vor dem Gerichtssaal nicht Halt. Zwar dürfen Besucher öffentliche Verhandlungen nach wie vor verfolgen, aber die Zahl der Sitzplätze wurde stark reduziert. Im Riesaer Amtsgericht gibt es zwischendurch Lüftungspausen, und auch die angestammte Sitzordnung ändert sich gelegentlich. Ist zum Beispiel das Schöffengericht zugange, könnten am Richtertisch die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden. Dann gibt es einen munteren Sitzplatz-Verschiebebahnhof an den Tischen von Anklage und Verteidigung. Jeder Platz ist überdies mit Plexiglasscheiben von den anderen abgetrennt, was die Verständlichkeit der Redebeiträge ziemlich einschränkt.

Auch die Verhandlungsdauer wird in Corona-Zeiten nicht über Gebühr ausgedehnt. Da kommt es dem Gericht ganz gelegen, wenn der Verteidiger eine „Verständigung im Strafverfahren“ anstrebt. Das entspricht zwar nicht ganz dem „Deal“ aus amerikanischen Gerichts-Serien, aber es liegt die gleiche Intention zugrunde: Durch eine Vorab-Einigung über das zu erwartende Strafmaß werden die Ressourcen der Justiz geschont.

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Für den Angeklagten wiederum hat es den Vorteil, dass sein Geständnis strafmildernd wirkt. So soll es eigentlich auch bei der Verhandlung eines Drogendelikts laufen, bei der zwei Großenhainer auf der Anklagebank sitzen. Ihnen wird vorgeworfen, größere Mengen Cannabis beschafft zu haben, um dann in der Röderstadt und ihren ländlichen Ortsteilen damit einen Handel aufzuziehen.

Bei einem von ihnen, Maik T., wurden bei einer Hausdurchsuchung fast 500 Gramm Stoff gefunden. Der 38-Jährige ist bisher noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Er hat deshalb gute Chancen, trotz der großen Cannabismenge, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Eigentlich ein klassischer Fall für Verfahrensabkürzung durch eine Verständigung zwischen den Beteiligten.

Aber da ist noch der Mitangeklagte Matthias A., der sich keineswegs geständig zeigt. Die Polizei hatte bei der Durchsuchung seiner Wohnung nur eine geringe Menge an synthetischen Drogen und eine Feinwaage gefunden. Deshalb will der Anwalt des 42-Jährigen eine Verfahrenseinstellung erreichen. Aber er hat die Rechnung ohne den jungen, ehrgeizigen Staatsanwalt gemacht, der das kategorisch ablehnt. Deshalb muss das Gericht nun doch die zeitaufwendige Zeugenanhörung durchziehen.

Dass der geplante Drogenhandel überhaupt aufflog, war einem Informanten der Polizei zu verdanken. Der hatte ausgesagt, die beiden Großenhainer wollten größere Mengen an Rauschgift besorgen und sich den Markt dann untereinander aufteilen. Die Anklage gegen Matthias A. fußt allein auf dieser vagen Information und einer Whatsapp-Nachricht, die man mit etwas gutem Willen als Absprache zwischen zwei Dealern auslegen kann. Mehr Belastendes können die drei als Zeugen geladenen Polizeibeamten beim besten Willen nicht vorbringen. Dennoch beantragt die Anklagevertretung eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Dem Schöffengericht aber ist die Beweislage zu dünn. Es verurteilt Matthias A. nur wegen des illegalen Drogenbesitzes. Er kommt mit einer Geldstrafe von 1.750 Euro davon. Vom Vorwurf des Drogenhandels wird er freigesprochen. Sein geständiger Kompagnon bekommt die erhoffte Bewährungsstrafe – ein Jahr und zehn Monate. Und das, obwohl bei ihm neben dem Cannabis auch noch verbotene Stichwaffen gefunden wurden. Aber sein Geständnis und die bis dato saubere Weste wiegen in diesem Falle schwerer.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa