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Riesa: Drogenversand per Post geht schief

Weil er nicht übers Paket-Porto Bescheid weiß, bringt ein Drogendealer seinen Kunden auf die Anklagebank.

Der Angeklagte im Saal des Riesaer Amtsgerichts.
Der Angeklagte im Saal des Riesaer Amtsgerichts. © Sebastian Schultz

Riesa. Dümmer geht's nimmer. Ein Drogendealer verschickt Crystal Meth per Post an einen Kunden. Natürlich steht auf dem Päckchen ein fingierter Absender. Aber eben die echte Adresse einer Physiotherapie. Weil der Täter die Postsendung nicht ausreichend frankiert hat, wird sie zurückgeschickt – an die nichts ahnende Physiotherapeutin. Die geht damit natürlich zur Polizei. Der potenzielle Kunde aber landet auf der Anklagebank des Riesaer Amtsgerichts.

Zunächst sieht es gar nicht gut für Philipp U. aus. In besagtem Päckchen waren nämlich sage und schreibe zehn Gramm Crystal, und das gilt schon als strafverschärfende "nicht geringe Menge". Bei sparsamem Einsatz reichen die Kristalle für 100 Drogentrips, und da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass mit dem Stoff gehandelt werden sollte. So lautet auch der Vorwurf in der Anklageschrift.

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Philipp U. bestreitet das. Er gibt zwar unumwunden zu, das Zeug beim Dealer bestellt zu haben. Aber es sei nur für den Eigenbedarf gedacht gewesen. Er habe mit 14, 15 Jahren angefangen, Drogen zu nehmen, erklärt der heute 32-Jährige. Mit der Zeit seien höhere Dosen eher die Regel gewesen. Tatsächlich hat der gelernte Maurer schon mehrmals wegen Drogendelikten oder Straftaten unter Drogeneinfluss mit der Justiz Bekanntschaft machen müssen. Er saß deswegen auch bereits im Gefängnis. Und ja, auch das Dealen gehörte in der Vergangenheit zu den Tatvorwürfen. Immerhin schien der Glaubitzer nach zwei Freiheitsstrafen und zwei Drogentherapien Boden unter den Füßen zu bekommen. Er wurde von einer Zeitarbeitsfirma eingestellt und ging seit 2018 einer regelmäßigen Tätigkeit als Anlagenfahrer nach.

Alle Drogentests fielen negativ aus

Warum er – obwohl bereits clean – das Crystal Meth dennoch bestellt habe, will Richterin Ingeborg Schäfer wissen. Das sei einer zeitweilig schwierigen psychischen Situation geschuldet, erklärt Philipp U. Man muss dazu wissen, dass der Delinquent zu dieser Zeit unter Bewährung stand und regelmäßige Drogentests absolvierte. Kein Einziger davon fiel positiv aus. Auch eine Hausdurchsuchung durch die Polizei und die Überprüfung von U.s Mobiltelefon erbrachten rein gar nichts. Die Bewährungshelferin stellt dem Angeklagten ebenfalls ein einigermaßen positives Zeugnis aus. Er habe nahezu alle Termine bei ihr wahrgenommen und sei auch regelmäßig zur Drogentherapie gegangen. Dort allerdings sei er ziemlich verschlossen gewesen, sodass kaum abgeschätzt werden könne, ob die Therapie erfolgreich war. Sie selbst, so die Bewährungshelferin, habe aber nie Anzeichen von einem eventuellen Drogenrausch bemerkt.

Dass Philipp U. vorhatte, mit Drogen zu handeln, ist zwar möglich, lässt sich aber aus der dünnen Beweislage nicht wirklich ableiten. Eigentlich kann man ihn nicht einmal wegen Drogenbesitzes verurteilen, denn er hat das Crystal Meth ja nie erhalten. "Es ist wohl ein Glücksfall, dass das Drogenpäckchen ihn nicht erreicht hat", sagt Staatsanwalt Peter Lässig. "Bei seiner schlimmen Vergangenheit wäre er sicher wieder in die Sucht abgerutscht."

Theoretisch könnte das Schöffengericht den Glaubitzer dennoch ins Gefängnis schicken. Er stand noch unter Bewährung, und die bestellte Drogenmenge war erheblich. Angesichts der günstigen Sozialprognose sehen die Richter aber davon ab. Der 32-Jährige wird zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Auch der portounkundige Drogendealer ist erwischt und vom Dresdner Landgericht verurteilt worden.

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