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Geteiltes Echo auf Muskator-Vision

Mit einem Projekt mit viel Grün will die Stadt Riesa eine Industriebrache verwandeln - wenn es mit dem Fördergeld klappt.

So stellt sich die Riesaer Stadtverwaltung das umgestaltete Muskator-Gelände an der Elbe vor - mit viel Grün, einem durchgehenden Elberadweg und einer Bootsanlegestelle. Hinten ist der Puschkinplatz zu erkennen.
So stellt sich die Riesaer Stadtverwaltung das umgestaltete Muskator-Gelände an der Elbe vor - mit viel Grün, einem durchgehenden Elberadweg und einer Bootsanlegestelle. Hinten ist der Puschkinplatz zu erkennen. © Visualisierung: Stadt Riesa

Riesa. Die kilometerweit sichtbaren Betonröhren der Muskator-Silos verschwinden hinter grünen Fassaden aus rankenden Pflanzen. Gekrönt wird das Ganze mit einer begrünten Dachterrasse, von der Besucher auf eine über der Stadt schwebende Aussichtsplattform treten können: Die Projektskizze, mit der Riesa sich jetzt für ein millionenschweres Förderprogramm empfiehlt, spart nicht mit kühnen Ideen.

Wie groß die Chance ist, dass die Stadt damit beim "Bundesprogramm zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel" erfolgreich ist, will man im Rathaus nicht bewerten. Da aber 90 Prozent Förderung winken, wollte man sich auch eine kleine Chance nicht entgehen lassen - und reichte jetzt kurzfristig eine Projektskizze beim Bundesinnenministerium ein.

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Die Reaktionen darauf fallen in den sozialen Netzwerken durchwachsen aus. Mancher ist rundweg skeptisch: So spreche man schon lange von einem dort durchgehenden Elberadweg, passiert sei bislang nichts - außer dass Bauzäune aufgestellt worden, moniert ein Facebook-Nutzer. Jemand, der sich als Nachbar vorstellt, ist dagegen über die Bauzäune ganz froh - sie würden gegen die Leute helfen, die dort nachts lautstark Party machen. "Außerdem gehört das Grundstück noch gar nicht der Stadt", schreibt er.

Das stimmt: Die betreffenden Flächen gehören noch unterschiedlichen Eigentümern. Mit einem Investor, den das Gelände schon seit Jahren beschäftigt, seien die Fördermittelpläne aber abgestimmt, so Riesas Rathaussprecher.

Auffallend: Immer wieder verweisen Facebook-Nutzer auf Ideen des Stadtrats Gunnar Hoffmann (parteilos), der vergangene Woche erklärt hat, sein Amt als Stadtrat niederzulegen. Auch der Riesaer selbst äußert sich ausführlich auf dem Facebook-Auftritt SZ Riesa: "Grundsätzlich würde ich mich riesig freuen, wenn es die Bewerbung in die Endauswahl schaffen und es die entsprechenden Fördergelder dafür geben würde", schreibt er.

Die Idee, ein Biomasse-Kraftwerk in die Silos einzubauen, finde er "grandios". Auch die Begrünung der Silos sei prima. "Ich freue mich darüber, dass dort eine meiner Anregungen aufgegriffen wurde."

Allerdings ist sich Hoffmann nicht sicher, ob das Projekt mit dem aktuellen Stand ausreiche, um im Wettbewerb mit anderen, besser vorbereiteten Bewerbungen bestehen zu können. Die Projektbewerbung sei "quasi in einer Nacht- und Nebel-Aktion" ausgearbeitet worden, man hätte - trotz der Kürze der Zeit - auch den Stadtrat einbeziehen können.

"Was mir persönlich fehlt und was gegebenenfalls auch den Ausschlag in der Jury-Bewertung geben könnte, ist ein Nutzungskonzept für die übrigen Gebäude", sagt Hoffmann. Tatsächlich lässt die Bewerbung offen, was in die denkmalgeschützten Mühlengebäude einziehen könnte. Eine Wohn-Nutzung sei wegen der baulichen Bedingungen kaum machbar, heißt es aus dem Rathaus.

Hoffmann ist der Meinung, dass eine ernsthafte Bewerbung um eine so große Fördersumme "wesentlich professioneller aussehen" müsse. Ein Ausscheiden sei aber auch nicht das Ende aller Tage: Es gäbe unzählige Fördertöpfe, die es anzuzapfen gelte.

Bei der Stadt hofft man, mit der ersten Projektskizze in eine engere Auswahl zu kommen - erst in einer zweiten Stufe, voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte, gelte es, einen konkret ausgearbeiteten Plan einzureichen.

"Auf uns wirkt das wie ein Schnellschuss", sagt unterdessen AfD-Fraktionschef Joachim Wittenbecher zum Projekt, das am Freitag publik geworden war. Für die Stadträte seiner Fraktion würden sich daraus einige Fragen ergeben. Nächste Woche bespreche man das in einer Fraktionssitzung - um sich anschließend dazu zu positionieren.

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Mehrere Facebook-Nutzer sind aber auch optimistisch: "Einfach mal machen und nicht alles totquatschen", schreibt einer. "Na endlich mal eine Vision für Riesa. Ich drücke die Daumen", ergänzt eine andere.

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