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Festnahme nach Razzien in Wülknitz und Gröditz

In mehreren Bundesländern laufen zeitgleiche Aktionen, mehr als 200 Zöllner sind im Einsatz. Es geht um Schwarzarbeit – und einen Millionenschaden.

Von Christoph Scharf
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Auch in Streumen waren am Donnerstagvormittag zivile Einsatzfahrzeuge und Zollbeamte zu sehen.
Auch in Streumen waren am Donnerstagvormittag zivile Einsatzfahrzeuge und Zollbeamte zu sehen. © SZ

Wülknitz. Im Zusammenhang mit einer groß angelegten Durchsuchungsmaßnahme ist am Donnerstag ein 61-Jähriger in Wülknitz festgenommen worden. Es geht um mögliche Schwarzarbeit: Der Türke steht im Verdacht, mit zwei Landsleuten im Alter von 38 und 46, einer 47-jährigen Bulgarin und drei Deutschen (58, 68 und 69 Jahre) bandenmäßig Sozialbeiträge von Arbeitnehmern vorenthalten oder veruntreut zu haben.

Gegen die sieben Beschuldigten führen die Staatsanwaltschaft Dresden und das Hauptzollamt Dresden ein sogenanntes Komplexverfahren im Bereich des Wirtschaftsstrafrechts. Die Beschuldigten sind Inhaber, Geschäftsführer oder anderweitig Beschäftigte mehrerer im Bauhaupt- und Nebengewerbe tätiger Firmen.

Ihnen wird vorgeworfen, seit Anfang 2016 Arbeitnehmer beschäftigt und diese Beschäftigung in einer Vielzahl von Fällen nicht oder nicht in vollem Umfang an die Sozialversicherung gemeldet zu haben. Dadurch seien die fälligen Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung und die Sozialkassenbeiträge nicht wie vorgeschrieben abgeführt worden. Die Staatsanwaltschaft Dresden geht derzeit von einem Schaden von etwa 2,7 Millionen Euro aus.

Nach Informationen von sächsische.de handelt es sich bei den drei Türken um Ramazan, Salih und Vural K. Zumindest der ältere der drei ist im Ortsteil Streumen bekannt. Alle drei hatten sich zuletzt in der Führung eines Unternehmens abgewechselt, zu dessen Tätigkeiten laut Internet-Angaben der Imbissbetrieb und das Aufstellen von Spielautomaten gehört; auch die Vermietung von Monteurzimmern taucht in dem Zusammenhang auf.

Zeitgleiche Untersuchungen unter Leitung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamtes Dresden fanden am Donnerstag nicht nur in Gröditz, Wülknitz und Riesa statt, sondern auch in Bad Muskau und Elsterwerda. In Nordrhein-Westfalen waren Herne, Mülheim und Krefeld betroffen, in Bayern die Städte München, Aschheim und Rosenheim. Außerdem gab es Durchsuchungen in Berlin. "Insgesamt wurden 30 Durchsuchungsbeschlüsse vollzogen", teilt die Staatsanwaltschaft mit. Darunter waren sowohl Wohn- und Geschäftsräume als auch Arbeitnehmerunterkünfte.

Mehr als 200 Zollbeamte waren an den Einsätzen am Donnerstag beteiligt. Sie stellten etliche Beweismittel sicher - unter anderem Teile der Lohnbuchhaltung.
Mehr als 200 Zollbeamte waren an den Einsätzen am Donnerstag beteiligt. Sie stellten etliche Beweismittel sicher - unter anderem Teile der Lohnbuchhaltung. © Hauptzollamt Dresden (Symbolfoto)

Bei den Razzien seien Beweismitteln gesichert worden – etwa Teile der Lohn- und Finanzbuchhaltung, diverse Aufzeichnungen, Rechnungen sowie elektronische Speichermedien. Darüber hinaus wurden laut Staatsanwaltschaft insgesamt 24.000 Euro Bargeld, ein BMW X5 (Baujahr 2008) im Wert von 9.000 Euro, umfangreicher Goldschmuck sowie sechs illegale Glücksspielautomaten sichergestellt.

Gegen den 61-jährigen Beschuldigten hatte der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Dresden Haftbefehl erlassen. Der Beschuldigte wurde am Morgen festgenommen und soll noch im Laufe des Donnerstags dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

An den Einsätzen waren mehr als 200 Zollbeamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beteiligt. Unterstützt wurden sie durch Einsatzkräfte der Zollfahndung sowie der sächsischen und bayrischen Landespolizei. Die Durchsuchungen in Gröditz und Wülknitz hatten schon am Vormittag für größeres Aufsehen gesorgt, weil jeweils mehr als ein Dutzend Polizeifahrzeuge angerollt waren. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Hauptzollamt dauern an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.