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Großenhain lernt von Riesa

Die Oberschule Am Merzdorfer Park soll die modernste Sachsens werden. Die Nachbarn von der Röder haben daran ein besonderes Interesse.

Steffen Uschner vom Riesaer Bauamt führt Kollegen aus Großenhain über die Baustelle der Oberschule Am Merzdorfer Park. Die wollen dort was lernen.
Steffen Uschner vom Riesaer Bauamt führt Kollegen aus Großenhain über die Baustelle der Oberschule Am Merzdorfer Park. Die wollen dort was lernen. © Sebastian Schultz

Riesa. Im Riesaer Rathaus ist man merklich stolz auf seine Schule. "Das ist die größte und wichtigste Baustelle der ganzen Stadt", sagt OB Marco Müller (CDU). Um ihn hat sich längst ein weiter Kreis aus Zuhörern gebildet. Großenhains Baubürgermeister Tilo Hönicke (CDU) ist am Freitagnachmittag zu Gast in der Nachbarstadt, eine ganze Reihe Kollegen aus dem Bauamt im Schlepptau. 

Sie haben ein besonderes Interesse am Riesaer 16-Millionen-Euro-Projekt: Die Großenhainer Kupferbergschule ist vom selben DDR-Bautyp aus den 60er Jahren. "Wir wollen vor allem lernen, wie ihr Riesaer das mit den ganzen Fördergeld-Modalitäten hinbekommt", sagt Hönicke. Und schaut sich bei einem Rundgang auch gern an, was die Besonderheiten des Gebäudes sind, das erst im Sommer 2021 wieder planmäßig von Schülern und Lehrern bezogen werden soll.

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Und da gibt es einige, wie Schulleiter Jürgen Gläsel und Steffen Uschner vom Stadtbauamt gern zeigen. Das neue Farbkonzept etwa, das jeder Etage eine eigene Grundfarbe zuweist - Grün unten, Orange im ersten Stock, Blau ganz oben. "Damit sich auch die Schüler mit Förderbedarf künftig gut zurechtfinden", sagt Gläsel. Denn deren Zahl nehme zu. So sei man künftig auch für autistische Kinder besser ausgestattet, von denen es schon jetzt - am Ausweichstandort Am Storchenbrunnen - welche an der Schule gibt. 

Die sollen möglichst normal am Unterricht teilnehmen. "Aber wenn sie etwas in ihrer Routine stört, muss man sich besonders um sie kümmern", sagt der Schulleiter. Da könne es schon mal vorkommen, dass jemand anfängt, mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen - nur weil er die Nachricht bekommen hat, heute zwei Stunden früher Schulschluss zu haben.

Und für solche speziellen Fälle - auch welche mit Asperger-Syndrom - gibt es künftig einen besonderen Klassenraum mit einer Zwischenwand im hinteren Viertel, die links und rechts offen bleibt und in der Mitte mit einem einseitig durchsichtigen Fenster ausgestattet wird. "Wenn der betroffene Schüler unruhig wird, kann er von da hinten den Unterricht weiter verfolgen, ohne das Gefühl zu haben, von seinen Mitschülern beobachtet zu werden", sagt Gläsel.

Die Oberschule Am Merzdorfer Park in Riesa ist der selbe Bautyp wie die Kupferbergschule in Großenhain. Riesas OB Marco Müller (M.) stellt das Projekt Großenhains Baubürgermeister Tilo Hönicke (beide CDU) vor.
Die Oberschule Am Merzdorfer Park in Riesa ist der selbe Bautyp wie die Kupferbergschule in Großenhain. Riesas OB Marco Müller (M.) stellt das Projekt Großenhains Baubürgermeister Tilo Hönicke (beide CDU) vor. © Sebastian Schultz
Der neue Bürgergarten liegt schon jenseits des Schulgeländes. Hier kommt aber der Schulgarten hin, bei dem Schüler säen, Anwohner ernten sollen.
Der neue Bürgergarten liegt schon jenseits des Schulgeländes. Hier kommt aber der Schulgarten hin, bei dem Schüler säen, Anwohner ernten sollen. © Sebastian Schultz
Die Wand hinten im Klassenzimmer ist für autistische Kinder gedacht, die dahinter unbeobachtet sitzen können. Eine einseitig durchsichtige Scheibe fehlt noch.
Die Wand hinten im Klassenzimmer ist für autistische Kinder gedacht, die dahinter unbeobachtet sitzen können. Eine einseitig durchsichtige Scheibe fehlt noch. © Sebastian Schultz
Die neue Turnhalle wird per Fußbodenheizung geheizt. Deren Leitungen werden noch mit insgesamt 90 Kubikmeter Estrich bedeckt.
Die neue Turnhalle wird per Fußbodenheizung geheizt. Deren Leitungen werden noch mit insgesamt 90 Kubikmeter Estrich bedeckt. © Sebastian Schultz
Die alte Turnhalle wird der neue Speiseraum. Mit den hohen Fenstern ist sie auch als Aula attraktiv - und soll auch von Anwohnern genutzt werden können.
Die alte Turnhalle wird der neue Speiseraum. Mit den hohen Fenstern ist sie auch als Aula attraktiv - und soll auch von Anwohnern genutzt werden können. © Sebastian Schultz

Außerdem werden die Klassenzimmer künftig größer, aus drei früheren Räumen werden zwei neue. "Nähe schafft Aggression, da hilft mehr Platz", so der Schulleiter. Das klappt auch deshalb, weil die ganzen Fachkabinette in den neuen Anbau umziehen, bei dem gerade der Innenausbau läuft. "Das sieht schon gut aus", lobt Tilo Hönicke auf der Baustelle, nachdem er sich anhören durfte, wie viel Aufwand die verschiedenen Förderprogramme machen, von denen man allerdings abhängig sei.

Zwischen aufgestapelten Kartons mit Fliesen, freiliegenden Kabelbündeln und werkelnden Handwerkern erkennt man gut, wie es voran geht. "Hier werden wir auch Sitzkissen und Stehtische für die Schüler bereitstellen", sagt Gläsel und führt schon weiter in die alte Turnhalle, die künftig zur Mensa wird.

Auffallend sind die bodenhohen Fenster, die den Saal förmlich mit Licht fluten. Dort wurde extra eine breite Tür nach außen eingebaut - der Raum soll künftig auch für die Nachbarschaft nutzbar sein. Für Besuche bei der Schul-Theatergruppe beispielsweise, für Bürgerversammlungen oder als Treff für den Garagenverein. "Wir wollen uns noch mehr öffnen zum Stadtteil", sagt der Schulleiter. Goldene Hochzeiten oder 50. Geburtstage allerdings wird man dort eher nicht feiern können - das gäbe die Toilettensituation nicht her. Und vielleicht sind solche Feste auch eher bei den örtlichen Gastronomen gut aufgehoben.

Weitere Kontakte zu den Nachbarn soll es im Schulgarten geben: Der entsteht nicht auf dem umzäunten Schulgelände, sondern ist über eine separate Tür im benachbarten Bürgergarten zu erreichen. Die Idee: Schüler säen, Nachbarn ernten. "In der Erntesaison sind die Schüler sowieso meist nicht in der Schule", erklärt der Schulleiter. "Und im Gegenzug könnten die Senioren den Schülern Tipps für Anbaumöglichkeiten geben."

Über den neuen Sportplatz - so was gab es bislang am Standort überhaupt noch nicht - geht es weiter in die ebenfalls neu gebaute Turnhalle. Dort liegen auf 900 Quadratmetern die roten Leitungen der Fußbodenheizung frei, der Estrich kommt erst in den nächsten Tagen. Der Neubau soll nicht nur den Schülern gute Bedingungen bieten, sondern auch Sportvereinen. "Wir haben schon jede Menge Anfragen", sagt Jürgen Gläsel, von Fußballern, Handballern, Aerobic-Sportlern. "Wir werden gar nicht allen zusagen können." Riesa verfüge zwar über viele Sporthallen, aber der Bedarf sei auch sehr groß. "Selbst Privatleute fragen mittlerweile an, ob sie Hallen mieten dürfen." Eine faltbare Trennwand ermöglicht jedenfalls, die neue Halle zu halbieren - um zwei Felder gleichzeitig nutzen zu können.

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