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Grube-Zustand löst Bestürzung aus

Seit einem Jahr wächst die traditionsreiche Oberliga-Spielstätte am Riesaer Bahnhof zu. Ein Bericht sorgt für Dutzende Kommentare.

Im Sommer 2018 wurde im Grube-Stadion noch trainiert - und Besucher durften zum letzten Mal Eintrittskarten kaufen. Im Vordergrund der Ausgang des Spielertunnels.
Im Sommer 2018 wurde im Grube-Stadion noch trainiert - und Besucher durften zum letzten Mal Eintrittskarten kaufen. Im Vordergrund der Ausgang des Spielertunnels. © Sebastian Schultz

Riesa. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden im Grube-Stadion die letzten Eintrittskarten verkauft: Im Sommer 2018 öffnete die BSG Stahl noch einmal das Kassenhäuschen, um Karten für ein Testspiel gegen Dynamo Dresden zu verkaufen. Das Spiel selbst fand zwar in der Feralpi-Arena in Merzdorf statt. Aber viele Interessierte nutzten noch einmal die Gelegenheit, ins traditionsreiche "Stadion der Stahlwerker" oberhalb des Bahnhofs zu schauen.

Nun, zweieinhalb Jahre später, wächst das Spielfeld im Ernst-Grube-Stadion zu, weil hier seit einem Jahr nicht einmal mehr Trainingsbetrieb stattfindet. Ein Bericht darüber hatte diese Woche für Bestürzung gesorgt. "Schlimm", "schade", "traurig" - diese Formulierungen wiederholen sich immer wieder. Dutzende Kommentare haben sich innerhalb von zwei Tagen auf dem Facebook-Auftritt von SZ Riesa gesammelt und zeigen, wie viel emotionale Bedeutung das einstige Oberligastadion noch immer für die Riesaer hat.

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"Eine Schande, wie mit Traditionen umgegangen wird", schreibt etwa Facebook-Nutzer Bernd Meinel. Im Grube sei früher Fußball-Geschichte geschrieben worden. Auch wenn sich die Zeiten geändert hätten, gäbe es Erklärungsbedarf, wie so ein Stadion 30 Jahre nach der Wende ungenutzt verkommen könne. Mehrere Kommentatoren schreiben, das sei einer "Sportstadt" nicht würdig.

Andere erinnern sich, wie sie dort selbst vor Jahrzehnten spielten - oder Laufrunden unter Leichtathletik-Trainer Horst Böhnisch absolvieren durften. "Traurig zu sehen, was draus geworden ist. Könnte eine Bürgerinitiative den Innenraum nicht wieder in Schuss bringen für die Allgemeinheit", fragt etwa Facebook-Nutzerin Carina Grabs.

Das ist tatsächlich die spannende Frage: Was soll aus der maroden Anlage werden? Ein Kommentator fragt, warum die Stadt das Stadion nicht an den Fußballverein BSG Stahl Riesa übergibt, der die Anlage zuletzt genutzt hat. "Finanziell nicht machbar", kommt schnell eine Antwort auf Facebook - die so falsch nicht liegen dürfte. Tatsächlich hatte der Verein bereits im März 2019 in einem Brief an die Stadtverwaltung förmlich auf eine Nutzung des Ernst-Grube-Stadions verzichtet - sofern der Lok-Sportplatz zum Nachwuchs-Trainingszentrum für die BSG aus- und umgebaut wird.

Aus Sicht der Stadt - so sagt es das aktuelle Sportstätten-Entwicklungs-Konzept - gibt es mittlerweile ohnehin "zu viele Großfelder für die Sportart Fußball". Zudem gäbe es bei einigen Feldern erheblichen Sanierungsbedarf - während der Lok-Sportplatz in gutem Zustand, aber zuletzt zu wenig genutzt worden sei. Mittlerweile kann dort auch der Nachwuchs von SG Canitz und BSG trainieren, so dass das Grube seit einem Jahr nicht mehr für den Fußball benötigt wird. Damit hofft die Stadt, jährlich rund 50.000 Euro zu sparen - die zuvor für Hausmeister, Reinigung und weitere Bewirtschaftung anfielen. Im ersten Jahr ohne Nutzung war das noch nicht gelungen: Von Januar bis Oktober 2020 waren noch 25.000 Euro Unterhaltskosten angefallen, wie Stadtsprecher Uwe Päsler auf Anfrage bestätigt hatte.

Wie Besucher beim letzten Kartenverkauf im Sommer 2018 und danach noch einmal im Rahmen einer Mondscheinführung bemerkten, ist die ganze Anlage unzweifelhaft sanierungsbedürftig. In einer Vorlage für die Stadträte hatte die Verwaltung den baulichen Zustand als "mangelhaft" bezeichnet. Sanitäre und elektrische Anlagen seien auf dem Stand des Baujahrs des Sozialgebäudes ("tiefste DDR-Zeit"), im Keller seien die Mauern feucht, die Dächer verschlissen, Besuchertoiletten stillgelegt. Zuletzt hätte auch die Rasenfläche Probleme gemacht, heißt es: Man hätte sie einebnen müssen, um sie normgerecht zu gestalten und eine Unfallgefahr zu vermeiden.

Angesichts der Riesaer Kassenlage scheint es nachvollziehbar, dass die Stadt keine Priorität auf das Gelände setzt. Offenbar steht Riesa damit nicht alleine. "Eines von vielen Beispielen für all jene erinnerungsreichen Traditionsstätten im Osten, bei denen man irgendwann feststellte, dass sich damit nicht das große Geld verdienen lässt", schreibt Facebook-Nutzer Olaf Trant. "Dann verkommt es eben!"

So sieht es aus, wenn ein Sportplatz ein Jahr lang nicht genutzt wird: Ein aktueller Blick ins Riesaer Grube-Stadion.
So sieht es aus, wenn ein Sportplatz ein Jahr lang nicht genutzt wird: Ein aktueller Blick ins Riesaer Grube-Stadion. © Klaus-Dieter Brühl

Von sächsische.de angefragte Kommunalpolitiker hatten vorgeschlagen, das Stadion zugunsten eines Wohnstandorts abzureißen (so der CDU-Fraktionsvorsitzende), für einen späteren Wiederaufstieg der BSG zu erhalten (so die Linken-Chefin) oder daraus ein Freizeit-Gelände zu machen (so der AfD-Landtagsabgeordnete).

So wie es ist, könne es jedenfalls nicht bleiben, sagt SPD-Stadtrat Andreas Näther. Auch er hält mit entsprechenden Schallschutz-Maßnahmen einen Wohnstandort zumindest für denkbar - die Bahnhofsnähe sei immerhin für Pendler ein Vorteil. Aber auch Gewerbe wäre an dieser Stelle denkbar, auch einen Park könnte man prüfen. "Ein derart großes Stadion werden wir in Riesa jedenfalls nicht mehr brauchen, das steht fest", sagt Näther.

Kurzfristig wäre es zweckmäßig, das Spielfeld in eine Blühwiese zu verwandeln, damit das Gelände nicht weiter verwildert. Eventuell ließen sich auch Fußwege durch das Gelände öffnen, schlägt der SPD-Stadtrat vor.

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Ähnliche Vorschläge kommen auch von Facebook-Nutzern - da heißt es etwa ein "Großspielplatz für Kinder" oder ein "Park mit Aktivitäten für Jung und Alt", da die Lage dafür ideal sei. Einer schlägt vor, Schafe drauf zu stellen - so habe die Wiese wenigstens einen Nutzen.

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