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Kontroverse um Riesas 3. Grundschule

Die Stadträte stellen die Weichen für eine Sanierung des Schulgebäudes in Weida. Nicht jeder ist mit der Entscheidung zufrieden.

Von Stefan Lehmann
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Das Gebäude der 3. Grundschule in Weida ist stark sanierungsbedürftig.
Das Gebäude der 3. Grundschule in Weida ist stark sanierungsbedürftig. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Manche Fenster lassen sich schon nicht mehr öffnen, die Toiletten sehen noch aus wie zu DDR-Zeiten und in den Klassenzimmern sind teils noch die Sicherungskästen offen an der Wand angebracht: Geht es nach Schulleiterin Silvia Bretschneider, wäre die 3. Grundschule in Weida schon vor Jahren saniert worden. Schon 2007 sei erstmals in der Zeitung zu lesen gewesen, dass die 3. Grundschule in ein neues Gebäude ziehen soll.

Doch aus dem erhofften Schulzentrum, das 2016 kommen sollte, wurde nichts. "Wir sind unverändert an der gleichen Stelle", sagt Bretschneider. Die Sanierung des 1968 errichteten Schulhauses dulde keinen weiteren Aufschub.

Es ist eine richtungsweisende Stadtratssitzung, das ist schon am Besucherandrang erkennbar. Nicht nur Vertreter aus der Schule, auch mehr als 20 Feuerwehrleute haben im Zuschauerbereich in der Stadthalle Stern Platz genommen. Im Vorfeld hatte die Stadt verlauten lassen, Grundschule und Feuerwehr ließen sich nur nacheinander im Haushalt einordnen. Entsprechend groß war die Sorge, eins der wichtigen Vorhaben könne noch weiter aufgeschoben werden. "Beide Projekte sind sehr wichtig für die Stadt Riesa", sagt Silvia Bretschneider.

Riesas Politiker sehen das ähnlich. Schon im Vorfeld hatten mehrere Fraktionsvorsitzende deutlich gemacht, möglichst beides auf den Weg zu bringen. CDU und Unternehmen Riesa hatten deshalb kurz vor der Sitzung einen Antrag eingebracht, wonach das vorhandene Schulgebäude saniert, die Außenanlagen und die Turnhalle aber neu gebaut werden sollen. Außerdem soll geprüft werden, ob die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) die Maßnahmen stemmen und die Schule gegebenenfalls an die Stadt zurückvermieten kann.

Fraktionschef kritisiert "Abstimmungszirkus"

Einen zweiten Antrag hatten Linksfraktion und Gemeinsam für Riesa eingebracht. Wie Andreas Näther (SPD) am nächsten Tag bestätigt, unterscheidet der sich nur in Nuancen vom CDU-Vorschlag. Was dann folgt, bezeichnet der Chef der Fraktion Gemeinsam für Riesa später als "Abstimmungszirkus": Abschnittsweise werden die beiden Beschlussvorlagen gegeneinander abgestimmt, am Ende macht dank der Stimmen der AfD der Antrag von CDU und Unternehmen Riesa das Rennen.

Mehr als über das Ergebnis ärgert sich Andreas Näther am Ende über dieses für Außenstehende undurchsichtige Verfahren. "Das Bild, das dadurch nach außen entstand, ist nicht gut gewesen." Näther nimmt seine Fraktion da nicht aus und räumt auch ein, dass auch verletzte Eitelkeiten eine Rolle bei der seltsamen Abstimmung gespielt haben könnten. Sein Fraktionskollege Markus Mütsch spricht davon, das zeige zunehmend die Spaltung im Stadtrat.

Am liebsten hätten Linke und Gemeinsam für Riesa das Thema vertagt. Es seien noch Fragen offen, etwa zur Unterbringung der Schüler während der Bauzeit. Eine Containerlösung wäre teuer, laut Linke-Chefin Uta Knebel favorisiere man die Schule am Storchenbrunnen als Interims-Quartier. Als weiteres Interimsquartier könne man die Breitscheidschule reaktivieren, argumentiert die Linke.

Zwölf Millionen Euro für Schule und Sporthalle

Ehe in Weida tatsächlich gebaut wird, dürfte ohnehin noch viel Zeit vergehen: Der Ratsbeschluss ist zunächst nur die Festlegung auf eine Variante. Die sieht statt der Drei- eine Zweizügigkeit der Schule vor. Bestehende Klassenräume würden gemäß der Variante zusammengelegt, um die aktuellen Normen zu erfüllen. Doch das ist Zukunftsmusik, so lange die Finanzierung nicht gesichert ist. Das Ingenieurbüro, das die einzelnen Varianten verglichen hatte, rechnet mit Kosten in Höhe von rund 12 Millionen Euro für Schulsanierung und Turnhallenneubau. Ob und wie sich das Sanierungsvorhaben in den nächsten Haushalt einordnen wird, das ist noch offen.

Aus Sicht von Schulleiterin Silvia Bretschneider muss sich schon allein deshalb etwas tun, um das Image der Schule zu verbessern. "Wir können als Lehrer sehr gut arbeiten und agieren. Wir haben viel Grün, eine tolle Laufbahn." Aber: Angesichts der offensichtlichen Mängel am Gebäude gebe es eben auch Fragen von Eltern. Wer die Wahl hat, schickt sein Kind nun einmal lieber in eine moderne, schicke Schule.

Korrektur: Ursprünglich hieß es im Text, die Schüler aus der Storchenbrunnen-Schule an der Alleestraße seien derzeit an der Breitscheidstraße untergebracht. Das stimmt so nicht. Die Grundschüler lernten zuletzt in Containern auf dem Schulgelände in Weida, während die Breitscheidschule erst noch an die Alleestraße umziehen wird. Wir bitten für den Fehler um Entschuldigung.