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Weiter Skepsis gegenüber Riesas Grundschulplänen

Das Schulhaus in Weida soll saniert werden, womöglich durch die WGR. Nicht jeder ist von der Variante überzeugt.

Von Stefan Lehmann
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Der Stadtrat stimmte im Dezember mehrheitlich für die Schulsanierung in Weida. Einige Stadträte sind nach wie vor skeptisch, ob das Vorhaben wirklich in naher Zukunft angeschoben werden kann.
Der Stadtrat stimmte im Dezember mehrheitlich für die Schulsanierung in Weida. Einige Stadträte sind nach wie vor skeptisch, ob das Vorhaben wirklich in naher Zukunft angeschoben werden kann. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. In diesem Punkt waren sich Riesas Stadträte im Dezember weitgehend einig: Als Vertreter von Feuerwehr und Grundschule die Sitzung besuchten, betonten Stadtpolitiker verschiedenster Fraktionen einhellig, nicht beide Vorhaben gegeneinander ausspielen zu wollen. Am Ende fiel mehrheitlich der Entschluss für eine Variante, die beides ermöglichen soll - indem die Wohnungsgesellschaft WGR die Schulsanierung in Weida schultert. Zumindest solle diese Variante geprüft werden, so der Auftrag des Stadtrates.

Zwischen den Jahren hat es in dieser Hinsicht noch keine Gespräche gegeben, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. Das solle aber schnellstmöglich erfolgen. Außerdem soll es in diesen Tagen Kontakt zum Sächsischen Kultusministerium (SMK) geben, um über das Thema zu sprechen.

Unter den Stadträten ist aber längst nicht jeder überzeugt davon, dass die nun angestrebte Variante auch Erfolg bringen wird. Kritik regt sich vor allem in der Linkspartei und bei Gemeinsam für Riesa. Und die ist grundsätzlicher Natur. Schon in den vergangenen Monaten hatte Riesas früherer Kämmerer Markus Mütsch Zweifel daran geäußert, ob Riesa seine jetzt drei städtischen Schulstandorte wirklich braucht. Zumal in naher Zukunft im Stadtteil Jahnishausen eine weitere freie Schule öffnen soll.

Stadt rechnet nur noch mit 6 Klassen

Tatsächlich geht man auch in der Riesaer Stadtverwaltung zukünftig von geringeren Schülerzahlen aus. Zwar habe das Kultusministerium in seiner Prognose zuletzt noch sieben Grundschulklassen für Riesa festgelegt - die freien Schulen ausgenommen. Das Schulamt in Riesa plant derzeit aber noch etwas zurückhaltender, wie Amtsleiterin Kathleen Kießling zuletzt im Stadtrat erklärte. Momentan rechnet man im Rathaus damit, ab 2024 nur noch sechs Klassen zu haben. Zuletzt sind laut Stadtsprecher Uwe Päsler an den städtischen Grundschulen 174 Erstklässler in neun erste Klassen eingeschult worden.

Während Markus Mütsch die defensivere Berechnung für sinnvoll hält, glaubt er nicht, dass es unter diesen Voraussetzungen Geld geben wird. Sowohl die 1. Grundschule am Rathausplatz, als auch die an der Alleestraße ließen sich 2,5-zügig betreiben. Die zweizügig geplante Schule in Weida sei also mit Blick auf die Zahlen zu groß konzipiert. Er könne sich schwer vorstellen, dass die Rechtsaufsicht da zustimmt. "Unabhängig davon ist es einfach Verschwendung von Steuermitteln, am Bedarf vorbeizubauen."

Die Stadt hält in dieser Frage dagegen: An der 1. Grundschule hieße die auf dem Papier bestehende 2,5-Zügigkeit nämlich, dass die Hortgebäude mitgenutzt werden müssten, erklärt Uwe Päsler. "Folglich könnte der Hortbetrieb nur mit räumlichen Einschränkungen stattfinden." Auch die Turnhalle und die Außenanlagen seien nur für Zweizügigkeit konzipiert. In der Vergangenheit hatte die Stadt außerdem immer betont, den Standort in Weida erhalten zu wollen, um in jedem Stadtteil eine städtische Schule zu haben.

Linke will Standort an der Breitscheidstraße reaktivieren

Das Motto der "kurzen Wege für kurze Beine" zitiert auch die Linke-Fraktionschefin Uta Knebel gern. Die Grundschule in Weida will sie auch. Nur sei nicht ausgemacht, dass es für den Standort auch Fördermittel gibt - zumal die Wohnungsgesellschaft parallel an der Trinitatisschule aktiv werden will. Nach wie vor favorisiert die Linke deshalb einen "Häusertausch", bei dem die Trinitatisschule auf das Gelände der 1. Grundschule umziehen würde, diese wiederum an die Breitscheidstraße. Die WGR hätte dann nur noch eine Schulsanierung zu stemmen, argumentiert die Linke.

Diese Tauschvariante hatte die Stadtverwaltung allerdings schon 2020 als problematisch angesehen, weil die 1. Grundschule in den vergangenen Jahren mit Fördergeld saniert worden war. Der Einzug einer freien Schule war in dem Plan nicht vorgesehen. Zumal deren Schulleitung und Trägerverein in der Vergangenheit deutlich gemacht hatten, gern an der Schillerstraße bleiben zu wollen.

Zumindest als Interimslösung während der Bauarbeiten würde die Linke die Breitscheidschule gern reaktivieren. "Die Schüler haben jahrelang in einer maroden Schule gelernt", sagt Uta Knebel dazu. "Warum lassen wir sie während der Sanierungszeit nicht eine Schule benutzen, die den Begriff wert ist?" Auch in diesem Fall käme der Breitscheidschule eine Bedeutung zu - als möglicher Interimsstandort.