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Gülle fließt aus Agrarbetrieb in Gewässer

In Spansberg öffnet jemand einen Absperrschieber. Die Folgen haben es in sich.

In diesen Graben in Spansberg floss vor wenigen Tagen unkontrolliert Gülle.
In diesen Graben in Spansberg floss vor wenigen Tagen unkontrolliert Gülle. © Sebastian Schultz

Gröditz. Ein System von kleinen Gräben durchzieht die Landschaft zwischen Gröditz und der Gohrischheide. Da gibt es Fischteiche, Felder und Wiesen – und dazwischen die Kleine Röder. Dort, in Spansberg, hat es jetzt bei einem Landwirtschaftsbetrieb einen Zwischenfall gegeben.

"Aus einem großen Güllebehälter ist viel Gülle ausgelaufen", sagt ein Anwohner. "Die Gülle ist in die angrenzenden Flüsse gelangt, auch in die Kleine Röder." Noch im benachbarten Brandenburg hätten sich die Leute gewundert, warum das Wasser so schwarz sei. Ein Vertreter des Umweltamts sei vor Ort gewesen – aber danach habe man nichts mehr gehört. "Warum stand davon nichts in der Zeitung?", fragt der Anwohner.

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Um die Folgen des Zwischenfalls zu minimieren, wurde ein Graben mit Erde verschüttet und die Gülle zum Großteil abgepumpt.
Um die Folgen des Zwischenfalls zu minimieren, wurde ein Graben mit Erde verschüttet und die Gülle zum Großteil abgepumpt. © Sebastian Schultz

Sächsische.de fragt gleich nach dem Anruf des Mannes im Meißner Landratsamt nach, bei dem die Untere Umweltbehörde angesiedelt ist. Dort teilt man mit, dass man etwas Zeit brauche. Die ausführliche Antwort folgt Dienstagabend: Man kenne den Vorfall, er sei dem Umweltamt bereits am 8. März um 9 Uhr bekannt geworden. Da habe der Eigentümer der Anlagen der Behörde mitgeteilt, dass es beim Arbeitsbeginn an jenem Montagmorgen eine böse Überraschung gegeben habe: Man habe festgestellt, dass ein Absperrschieber in der Entnahmeleitung der Güllebehälter teilweise geöffnet gewesen sein. Die Folge: Es lief unkontrolliert Gülle aus.

Das habe Freiflächen, Graslandflächen und einen Meliorationsgraben betroffen, teilt das Landratsamt mit. Allerdings seien sofort Maßnahmen ergriffen worden, bleibende nachteilige Folgen für die Umwelt seien damit nicht zu erwarten. "Kurzzeitig war die Beeinflussung der Gewässergüte des Meliorationsgrabens, des Oberbodens und vor allem Geruchsbeeinträchtigungen hinzunehmen."

Sollte ein Verursacher ermittelt werden, droht ihm die Einleitung eines Strafverfahrens, mindestens jedoch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, so das Landratsamt. Allerdings konnte bislang niemand ermittelt werden, der den Absperrschieber geöffnet hat. Den Schaden hat der Eigentümer der Anlage: Der habe "auf eigene Kosten die Schadensbeseitigung unter Überwachung der Unteren Wasserbehörde durchzuführen", so das Amt.

So einen Vorfall gäbe es eher selten, heißt es. Verhindern ließe sich so etwas mit Sicherheitsmaßnahmen, die einen Zugriff Unbefugter unterbinden. "Wir haben noch am selben Tag den Schieber mit einer Kette und einem Schloss gesichert", sagt ein Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens. Bis dahin sei man davon ausgegangen, dass die Umfriedung des Geländes als Schutz ausreiche. Man habe keine Vermutung, wer den Schieber geöffnet habe. "So was ist bei uns noch nie vorgekommen." Insgesamt sei eine niedrige zweistellige Zahl an Kubikmetern Gülle ausgelaufen. Es handele sich dabei um bereits vergorene Reste, die sonst auf den Feldern ringsum verteilt worden wären.

Zum Glück sei der Schieber nur teilweise geöffnet worden – sonst wären die Auswirkungen auf die Umwelt deutlich schlimmer. Durch die schnelle Reaktion habe man den Schadensbereich eng begrenzen können. "Wir haben nicht festgestellt, dass etwas bis in die Röder gelaufen ist", sagt der Mitarbeiter. Und das Umweltamt sei zu einer Nachkontrolle da gewesen – und habe keinen Schaden mehr feststellen können.

Durch die Regenfälle der vergangenen Tage ist das Wasser bei Spansberg mittlerweile wieder klarer geworden.
Durch die Regenfälle der vergangenen Tage ist das Wasser bei Spansberg mittlerweile wieder klarer geworden. © Sebastian Schultz

Bleibt die Frage des Anwohners: Warum wurde dieser Vorfall von der Behörde nicht öffentlich bekannt gemacht? Als Umweltbehörde sei man verpflichtet, übergeordnete Behörden im Rahmen der jährlichen Berichterstattung zu informieren, außerdem das Statistische Landesamt, heißt es dazu vom Landratsamt. Öffentlich vermelden würde das Umweltamt solche Fälle nur bei Gefahr im Verzug oder einer Bedrohung für Leib und Leben. Beides lag nach Ansicht der Behörde in diesem Fall offenbar nicht vor.

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