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Heisenbergs Schulleitung verjüngt sich

Seit diesem Schuljahr ist Christian Honecker Stellvertreter von Chefin Sylvia Mebus. Die erste Feuerprobe hat er schon vorher bestanden.

Christian Honecker ist neuerdings stellvertretender Schulleiter am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa.
Christian Honecker ist neuerdings stellvertretender Schulleiter am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa. © Sebastian Schultz

Riesa. So schnell kann's gehen: Sein Referendariat ist noch keine vier Jahre her, als Christian Honecker im Juli dieses Jahres auf einmal faktisch eine ganze Schule leitet. Die eigentliche Schulleiterin ist in dieser Zeit zur Kur. Eigentlich soll ihr Stellvertreter Christian Honecker anleiten, damit der nach den Sommerferien seine Nachfolge antritt. Es kommt anders. "Am 11. Juli ist er aber auch krank geworden, Knall auf Fall", erzählt  der 29-Jährige. 

In Absprache mit dem Landesamt für Schule und Bildung übernimmt Honecker kommissarisch schon ein paar Wochen früher als geplant die Vertretung, nimmt an der Gesamtlehrerkonferenz teil, hält die Abiturrede. "Zum Glück hatte ich viele erfahrene Kollegen um mich, die helfen konnten", sagt Honecker heute. Auch das Amt in Dresden habe ihn gut beraten. "Aber das war schon heftig", sagt Honecker und schmunzelt. Mittlerweile hat er sein Büro gegenüber von Schulleiterin Sylvia Mebus auch offiziell bezogen. 

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Dresdner Ehepaar lehrt an Riesaer Schule

Die Chefin des Heisenberg-Gymnasiums geht im kommenden Jahr selbst in den Ruhestand - und ist sichtbar froh, dass sich ihr neuer Stellvertreter bisher gut geschlagen hat. "Ich möchte gern, dass die Schule weitergeführt wird und in guten Händen ist", betont sie. Sie hatte sich selbst dafür stark gemacht, dass Honecker nach dem Referendariat 2016 an ihrer Schule bleiben kann. Und sie hatte ihn auch gefragt, ob er sich den Stellvertreter-Posten zutrauen würde. 

"Ich mag es, mich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen", sagt der 29-Jährige. Trotzdem musste er erst einmal überlegen. "Meine Frau unterrichtet auch hier an der Schule, wir sind 2018 Eltern geworden." Das Paar lebt in Dresden, da habe schon die Frage im Raum gestanden, ob die neue Aufgabe zeitlich zu schaffen sei. "Wir haben dann gemeinsam beschlossen, wir kriegen das hin." 

Es liegt vor allem an den Schülern, dass er in Riesa Lehrer bleiben wollte, sagt Christian Honecker. Der Unterschied etwa zu Dresden sei groß. "Ich kann natürlich nur für unsere Schule sprechen. Aber die Schüler hier sind sehr lieb und zugänglich, es gibt wenig Probleme. Auch die Arbeit mit den Eltern ist unproblematisch." Das erleichtere die Arbeit ungemein. 

Aus 26 Stunden Unterricht wurden 15

Geboren wurde Honecker in Oldenburg, die Familie zog nach Dresden, als er zwei Jahre alt war. Die Entscheidung für den Lehrerberuf fiel bei ihm in der Schule. "Ich hatte eine tolle Latein-Lehrerin", erzählt er. Die Begeisterung für das Fach führte dazu, dass er selbst Latein und Informatik auf Lehramt studierte. Ein glücklicher Zufall. Mittlerweile würden gerade Informatiklehrer händeringend gesucht. 

Mit der neuen Aufgabe in der Schulleitung muss der Unterricht allerdings etwas kürzer treten. Statt 26 gebe er jetzt nur noch 15 Stunden in der Woche. Die frei gewordene Zeit verbringt er jetzt mit den organisatorischen Aufgaben, die der neue Job so mit sich bringt: Vertretungs- und Stundenpläne bauen, zum Beispiel. Oder die Kommunikation mit der Stadtverwaltung und dem Lasub. 

Zuletzt kam außerdem die Umsetzung der Corona-Auflagen dazu. Und natürlich die Konzepte, an die Grundschüler heranzukommen. Ein Thema, das zuletzt an Brisanz gewonnen hatte, nachdem die Zukunft der Gymnasien in Riesa auch von Lokalpolitikern thematisiert wurde. Schulleiterin Sylvia Mebus erzählt, sie sei schon mit dem Gerücht konfrontiert worden, dass das Gymnasium bald schließen werde. "Da bekommt man dann zu hören: Du hast ja nicht mal mehr einen Stellvertreter. Dabei stimmt das nicht mal." 

Sylvia Mebus leitet die Schule, im kommenden Jahr geht sie in den Ruhestand. Sie sagt, mit Christian Honecker habe sie einen Stellvertreter gefunden, der freundlich und zupackend ist. "Das ist klimamitbestimmend."
Sylvia Mebus leitet die Schule, im kommenden Jahr geht sie in den Ruhestand. Sie sagt, mit Christian Honecker habe sie einen Stellvertreter gefunden, der freundlich und zupackend ist. "Das ist klimamitbestimmend." © Sebastian Schultz

Schulleitermangel ist an vielen Schulen ein Problem

Tatsächlich gibt es in Sachsen derzeit an vielen Schulen Probleme, die Schulleitung nachzubesetzen. Erst Anfang September hatte der MDR auf Zahlen verwiesen, wonach Ende 2019 etwa sechs Prozent der Schulen sozusagen kopflos dastanden. Besonders betroffen seien Grundschulen - wie zuletzt in Riesa die 1. Grundschule. Die wird seit Kurzem kommissarisch von der Leiterin der 3. Grundschule mit geleitet. Auch die Oberschule am Merzdorfer Park suchte lange Zeit einen neuen Leiter, ehe Jürgen Gläsel 2016 die Aufgabe übernahm

Kein Wunder also, dass Sylvia Mebus sich darüber freut, zunächst einmal einen Stellvertreter gefunden zu haben. "Mir war es wichtig, dass das jemand ist, der gern hier ist, der geachtet wird, freundlich und zupackend ist." Die Stelle sei wahnsinnig wichtig fürs Schulklima. Nicht zuletzt, weil die Stundenpläne auch ein heikles Thema im Kollegium sein können. Da sei es wichtig, die Kollegen mitzunehmen - und auch mal deeskalierend zu wirken.

 "Konfrontation ist nicht meine Art", sagt Christian Honecker dazu. Die Freude am Stundenpläne-basteln, das sei etwas, das er aus der Informatik mitgenommen habe. "Das spornt einen an." Und wenn ein Kollege unzufrieden ist, dann lasse er auch mal mit sich reden, versichert er. 

Auf die Frage, ob er sich dann im kommenden Schuljahr als Nachfolger von Sylvia Mebus bewerben wird, antwortet Christian Honecker nur mit einem amüsierten Lachen. Das Thema spielt zurzeit offenbar keine Rolle - vielleicht auch gut so: Neben der Familie bleibe wegen des Pendelns momentan wenig Zeit fürs Tischtennisspielen, eins seiner Hobbys. 

Ein anderes will er wieder aufleben lassen: "Früher habe ich auch Klavier gespielt, ich will mir demnächst eins anschaffen." Und wenn sich am Heisenberg-Gymnasium nicht sofort ein neuer Schulleiter findet, dann steht zumindest eins fest: Die Feuerprobe hat der Vertreter schon hinter sich. 

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