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"Ich trete an, um die Wahl zu gewinnen"

Marco Müller (CDU) will als OB wiedergewählt werden. Ein Interview über Baumaßnahmen, Einwohnerzahlen und Visionen für Riesa.

Amtsinhaber Marco Müller (CDU) hat sich für das OB-Kandidaten-Interview die Baustelle an der Dresdner Straße ausgesucht: Dort investiert der städtische Vermieter WGR gerade sechs Millionen Euro in die Modernisierung eines Wohnblocks.
Amtsinhaber Marco Müller (CDU) hat sich für das OB-Kandidaten-Interview die Baustelle an der Dresdner Straße ausgesucht: Dort investiert der städtische Vermieter WGR gerade sechs Millionen Euro in die Modernisierung eines Wohnblocks. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Herr Müller, warum wollten Sie sich hier an der WGR-Baustelle Dresdner Straße zum Interview treffen?

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Zum einen sieht man hier, dass sich in Riesa viel bewegt und wir modernen Wohnraum schaffen! Das gilt für private Eigentümer genauso wie für unsere großen Vermieter. Darüber freue ich mich. Zum anderen bin ich hier in einem Neubaublock auf der Erfurter Straße aufgewachsen- mich verbindet also auch persönlich viel mit unserem Stadtteil Weida.

Nun ist die Baustelle als Symbol aber ein zweischneidiges Schwert: Es wird zwar ein Block komplett modernisiert – dafür werden aber auch drei Nachbarblöcke abgerissen. Als Sie 2014 zum OB gewählt wurden, hatte Riesa 32.000 Einwohner; heute sind es weniger als 30.000. Wie soll das weitergehen?

Wir wollen diesen Rückgang stoppen - und umkehren! Ein Wachstum erreichen wir nur dann, wenn junge Familien herziehen und junge Menschen hierbleiben. Dafür müssen wir die Bedingungen schaffen, das ist das Ziel!

Was meinen Sie damit konkret?

Aus meiner Sicht sind Bildungsangebote ganz wichtig: Beim Umbau der Schullandschaft haben wir eine ganze Menge erreicht. Wir haben tolle Kitas, endlich sehr gute Bedingungen an fast allen Schulen, das Berufliche Gymnasium, die Berufsakademie - und viele attraktive Arbeitgeber in allen Bereichen. Man kann alles erreichen in unserer Stadt - und bald ist Riesa sogar Hochschulstadt. Das müssen wir noch besser nach außen kommunizieren. Und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, bleiben die jungen Leute – und dann kommen auch andere dazu. In Corona-Zeiten haben wir gesehen, dass sehr viele Menschen von zu Hause arbeiten können. Denen müssen wir vermitteln, dass es sehr attraktiv ist, in Riesa zu wohnen. Und natürlich möchte ich allen Riesaern, die schon da sind, eine attraktive Stadt bieten.

Bildung ist aber nicht alles. Womit wollen Sie beispielsweise Dresdnern Riesa als Wohnort schmackhaft machen?

Wir haben ein großes Sport- und Kulturangebot. Die Vereine leisten eine tolle Arbeit. Wir haben die Sachsenarena, die von Comedy über Show bis Sport ein sehr breites Spektrum abbildet. Und wir schaffen attraktive Anziehungspunkte für die Jugendlichen. So haben wir gerade erst das Offene Jugendhaus saniert und den Jugendladen am Puschkinplatz etabliert, wo die Jugendlichen sich selbst verwirklichen können. Ich denke, für eine Stadt unserer Größe haben wir wahnsinnig viel zu bieten - nehmen Sie nur unsere Schwimmhalle oder das Freibad. Alles das sind keine Selbstverständlichkeiten. Darauf können wir auch mal stolz sein. Wer sich Wohnraum oder ein Eigenheim im Speckgürtel von Dresden nicht mehr leisten kann, kann durchaus nachdenken, in infrastrukturell gut ausgestattete Städte wie Riesa zu ziehen.

Die Oberschule Am Merzdorfer Park ist eine der größten Baustellen Riesas der vergangenen Jahre. Zu Beginn der Sommerferien soll das Millionenprojekt fertig sein.
Die Oberschule Am Merzdorfer Park ist eine der größten Baustellen Riesas der vergangenen Jahre. Zu Beginn der Sommerferien soll das Millionenprojekt fertig sein. © Sebastian Schultz

Vor der letzten OB-Wahl 2014 nannten Sie als einen Schwerpunkt Ihrer Arbeit als OB die Wirtschaftsförderung. Hat das Frucht getragen?

Nach vielen Jahren ist es uns zum Beispiel nun gelungen, das Gewerbegebiet Glogauer Straße zu erschließen – das nun auch schon wieder gut ausgelastet ist.

Aber das waren doch Umzüge von Firmen innerhalb von Riesa …

Wenn Firmen sich positiv in unserer Stadt entwickeln, heißt es doch, dass die Rahmenbedingungen stimmen! Wenn Firmen sich vergrößern, ist das ein gutes Zeichen. Dass die Wirtschaft gut funktioniert hat, sieht man auch am Gewerbesteueraufkommen. Das hat sich in den letzten sieben Jahren sehr gut entwickelt – abgesehen von corona-bedingten Schwankungen. Riesa ist ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort.

Wichtig für einen Wirtschaftsstandort ist immer auch die Frage der Erreichbarkeit. Bei der B 169 endet die ausgebaute Strecke seit vielen Jahren bei Seerhausen …

Ja, der weitere Ausbau ist nach wie vor unabdingbar. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir bis Ende des Jahres einen Schritt vorankommen und dass endlich Baurecht hergestellt wird. Die Anbindung an die Autobahn ist für die Menschen in so einer wirtschaftsstarken Region wie Riesa absolut unbefriedigend. Das Beispiel zeigt auch, dass Genehmigungsprozesse in Deutschland schlicht und ergreifend zu lange dauern. Ich mache mich auf Landes- und Bundesebene dafür stark, dass wir diese Prozesse abkürzen und beschleunigen können. Es ist abzuwägen, ob Individualinteressen auch mal hinter den Interessen von Menschen einer ganzen Region zurückstehen müssen.

Hin und wieder hört man, dass im Rathaus weniger gestaltet, als nur verwaltet werde. Wo sind denn Ihre Visionen für Riesa?

Das kann man so nicht stehen lassen - gemeinsam mit allen Mitarbeitern haben wir viel gestaltet. Bei aller Kritik sollte man anerkennen, was wir in den vergangenen Jahren an Projekten umgesetzt haben - wir konnten mehr als 100 Millionen Euro in die Entwicklung unserer Stadt investieren! Wir haben die Oberschule Am Merzdorfer Park saniert, die 1. Grundschule am Rathaus ist gemacht, die 2. Grundschule wird nächstes Jahr fertig. Riesa wird bald Hochschulstadt sein - ich möchte weiter für den Campus Riesa mit all seinen Bildungs- und Ausbildungsangeboten eintreten. Das sind Grundlagen, dass man in einer Stadt ordentlich leben kann - und dass sie attraktiv für helle Köpfe aus ganz Sachsen ist. Eine Entwicklungschance mit visionären Ansätzen sehe ich in der Gestaltung des Muskatorgeländes. Hier wollen wir Maßstäbe bei der Umgestaltung einer Industriebrache in ein grünes und schickes Quartier mitten in der Stadt setzen.

Das einstige Mischfutterwerk Muskator prägt Riesas Silhouette an der Elbe. Die Stadt will es zu einem grünen Quartier umbauen - und hat dafür nun erst einmal 400.000 Euro Fördergeld erhalten.
Das einstige Mischfutterwerk Muskator prägt Riesas Silhouette an der Elbe. Die Stadt will es zu einem grünen Quartier umbauen - und hat dafür nun erst einmal 400.000 Euro Fördergeld erhalten. © Sebastian Schultz

Da kam kürzlich der Bescheid, dass Riesa 400.000 Euro Fördergelder bewilligt werden. Dabei war von einem Projekt von acht Millionen Euro und einer Hoffnung auf 90 Prozent Fördergelder die Rede. Nun gibt es ein Zwanzigstel davon. Was kann man damit anfangen?

Man muss erstmal sagen, dass wir zu den zehn Prozent der Kommunen gehörten, die überhaupt Erfolg mit dem Programm hatten! Das zeigt, dass die Projektskizze, die wir in Berlin eingereicht haben, absolut überzeugt hat. Wir hatten zwar gehofft, dass es ein bisschen mehr Geld wird. Aber: Die Summe ermöglicht uns einen ersten Schritt für das Projekt Muskator.

Wie kann der praktisch aussehen?

Das müssen wir mit dem Stadtrat besprechen. Ich persönlich würde mit dem Abriss des alten Heizhauses beginnen, die Fläche begrünen und eine Terrasse für die Riesaer schaffen – mit einem fantastischen Elbblick! Zu dieser neuen Elbterrasse, die auch einen Senkgarten erhält, flaniert man auf einer begrünten breiten Straße. Außerdem werden wir den Elberadweg durch das Gelände führen und aufwerten, auch dafür haben wir schon Fördergeld bewilligt bekommen. Für mich war von Anfang an klar, dass wir bei einem so großen Areal nur Schritt für Schritt vorankommen. Da braucht man Ausdauer und Beharrlichkeit. Ich ärgere mich nicht, dass wir keine Millionen bekommen haben – ich freue mich riesig, dass wir 400.000 Euro erkämpfen konnten!

Was denken Sie: Wann könnte die Vision Muskator komplett verwirklicht sein?

Da reden wir von sieben, acht oder vielleicht zehn Jahren. Es sind ja auch noch Eigentümerfragen zu klären. Aber wir haben uns jetzt eine Tür geöffnet. Das Förderprogramm wird ja neu aufgelegt. Ich bin zuversichtlich, dass wir dabei erneut Erfolg haben können.

Zurück von den Visionen zu den Herausforderungen vor der Haustür: Noch immer gibt es in Riesa mehrere Straßen, die seit Jahrzehnten auf ihren Ausbau warten. Woran liegt das?

Man muss sich vor Augen führen, dass in den letzten sieben Jahren geschätzt 100 Millionen Euro in die Stadt geflossen sind. Zu jedem Euro, den wir eingesetzt haben, haben wir mehr als einen Euro Fördermittel erkämpft. Auch wenn wir als Stadt gut dastehen, sind wir weiter auf Fördermittel angewiesen. Wir haben viel erreicht – aber es geht nicht alles auf einmal. Ich verstehe aber, dass die Leute unzufrieden sind. Für die Ganziger Straße haben wir einen Förderantrag gestellt, auf dessen Bescheidung wir warten. Die Förderbedingungen werden sich weiter verschlechtern - wir brauchen also andere Lösungen. Ich möchte gern einfachere Ausbauvarianten für die Anwohner prüfen, um voranzukommen. Einen Versuch wollen wir in Poppitz starten - die Anwohner leiden derzeit ganz besonders aufgrund der Umleitungsstrecke.

Zwei wollen es wissen: Amtsinhaber Marco Müller (CDU/li.) will am 4. Juli 2021 wiedergewählt werden, sein parteiloser Herausforderer Gunnar Hoffmann möchte ihn ablösen - hier bei einer gemeinsamen Baumpflanzaktion zu Beginn des Wahlkampfs.
Zwei wollen es wissen: Amtsinhaber Marco Müller (CDU/li.) will am 4. Juli 2021 wiedergewählt werden, sein parteiloser Herausforderer Gunnar Hoffmann möchte ihn ablösen - hier bei einer gemeinsamen Baumpflanzaktion zu Beginn des Wahlkampfs. © Sebastian Schultz

Bei der OB-Wahl werden Sie von Gunnar Hoffmann herausgefordert. Wie bewerten Sie Ihren Gegenkandidaten?

Ich nehme jeden Herausforderer absolut ernst - es ist ein offenes Rennen! Persönlich hätte ich mir noch ein, zwei andere Kandidaten gewünscht. Ich möchte die Wähler überzeugen, dass ich für unsere Stadt weiterarbeiten darf. Ich habe vor sieben Jahren das Vertrauen der Bürger erhalten – und alles versucht, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Ich hoffe, dass die Riesaer die Ergebnisse meiner Arbeit würdigen und dass ich die Projekte, die ich darüber hinaus angeschoben habe, weiter begleiten kann.

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57,1 Prozent der Wählerstimmen haben Sie 2014 erreicht, ihre damalige Herausforderin Uta Knebel (Linke) 42,9 Prozent. Was ist Ihr Tipp für das Wahlergebnis am 4. Juli 2021?

Ich trete an, um die Wahl zu gewinnen – und spekuliere nicht. Ich hoffe, dass es ein klares Ergebnis gibt. Fakt ist: Es wird keinen zweiten Wahlgang geben. Am 5. Juli sind wir alle schlauer.

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