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In Riesa gehen die Lichter aus

Eine bundesweite Aktion soll auf Lichtverschmutzung aufmerksam machen. Auch das Rathaus beteiligt sich.

Am Rathausplatz in Riesa soll zur Earth Night am 7. September das Licht ausgehen - und nicht nur da.
Am Rathausplatz in Riesa soll zur Earth Night am 7. September das Licht ausgehen - und nicht nur da. © Eric Weser

Riesa. Wenn er nachts in Riesa unterwegs ist, dann muss Sven Schöne öfter mal mit dem Kopf schütteln. Viele Geschäfte entlang der Hauptstraße seien selbst weit nach 22 Uhr noch hell erleuchtet, im Gewerbegebiet strahle die Leuchtreklame – und teils leuchten Straßenlaternen an Wegen, die schon tagsüber kaum benutzt werden, erzählt sagt der Riesaer.

Schöne hat ein gewisses Auge dafür, schließlich ist er Gründungsmitglied bei den Paten der Nacht für den Landkreis Meißen. Die Initiative will auf Lichtverschwendung aufmerksam machen – und ruft dafür einen Aktionstag aus. Oder, besser: eine Aktionsnacht. Bei der Earth Night am kommenden Dienstag, 7. September, sollen ab 22 Uhr die Lichter ausgehen – und bis 6 Uhr auch ausgeschaltet bleiben. Wenigstens eine dunkle Nacht, das ist das Ziel.

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Natürlich klappt das nicht überall, sagt Sven Schöne bei einem Treffen am Gewerbegebiet Glogauer Straße. Das sei ein gutes Beispiel. „Dass die Tankstelle und Burger King noch Licht anhaben, ist in Ordnung – die bedienen ja auch nachts noch Kunden.“ Aber Werbelogos und Parkplatzbeleuchtung? Da habe er kein Verständnis. „Die Werbung sieht ja auch kaum einer. Wer fährt denn so spät noch durch Riesa?“ Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hatte Sven Schöne Kommunen und Unternehmen in ganz Sachsen angeschrieben. Als eine der ersten meldete sich Oschatz – und erklärte, mitzumachen.

Und Riesa? Von dort gab es zuallererst eine Reaktion aus dem Tierpark, der die Aktion befürwortete. Allerdings geht dort sowieso irgendwann das Licht aus – auch ohne Earth Night. Anders dagegen bei der Betreibergesellschaft FVG Riesa. Nachdem die Paten der Nacht angefragt hatten, ob sich die städtische Gesellschaft beteiligen will, habe man sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung überlegt, was möglich ist, sagt FVG-Sprecherin Simone Panitz. Ergebnis: Die Möglichkeiten hielten sich in einem überschaubaren Rahmen.

Neben dem Tierpark sei auch das Haus am Poppitzer Platz ausgeschaltet, von Notbeleuchtung abgesehen. „Die Stadthalle Stern wird nur bei Veranstaltungen illuminiert und an der Sachsenarena gehen die Lichter zu vorgerückter Stunde auch aus.“ Eigentlich ein gutes Zeichen, bedeute es doch, dass die Gesellschaft das Thema schon auf dem Schirm hat. Trotzdem wolle man ein unterstützendes Zeichen senden, so die Sprecherin: Am 7. September sollen deshalb die Außenbeleuchtung der Sachsenarena abgeschaltet werden.

Rathaus und Kirche bleiben dunkel

Auch im Riesaer Rathaus hat man sich schon dazu entschlossen: „Wir, als Stadtverwaltung, werden die Beleuchtung des Rathauses beziehungsweise des Rathausturmes einschließlich Rathausplatz abstellen“, erklärt Stadtsprecherin Manuela Leupold. „Die Beleuchtung der Trinitatiskirche ist ab 22 Uhr ebenfalls abgeschaltet.“

Auch die Stadtwerke beteiligten sich, indem sie die Außenwerbung am Firmensitz abschalten.

Zwischenzeitlich hatte die Stadt auch mitgeteilt, weiter Abschalt-Möglichkeiten zu prüfen – etwa an Parkplätzen. „Teilweise gibt es in bestimmten Bereichen im Stadtgebiet bereits Nachtabschaltungen“, so Manuela Leupold. Eine Nachfrage am Freitag ergab aber, dass man es in der Stadt wohl vorerst beim Rathaus belassen will.

Andere Kommunen sind da sogar noch eifriger, weiß Sven Schöne. Immerhin fünf Kommunen hatten bis Freitag angekündigt, die Straßenbeleuchtung sogar komplett abschalten zu wollen. Unzufrieden ist er mit den bisherigen Ankündigungen aus seiner Heimatstadt aber auch nicht: Es sei doch super, dass die Beteiligung so umfangreich ist, lobt Schöne. Der Nacht-Pate kennt auch Gemeinden, die aus dem Aktionstag, den es erst zum zweiten Mal gibt, ein größeres Ereignis machen. „In Herzberg bietet dann die Sternwarte Sternenführungen auf den Wasserturm an.“

Aufruf an Händler und Privatleute

In Riesa hofft Sven Schöne noch darauf, auch den einen oder anderen Händler zum Abschalten bewegen zu können. Kontakt zum Innenstadtmanagement hatte er dafür schon mal. „Letztlich ist die Earth Night auch zum Probieren da.“ Dann könne man feststellen, was alles leuchtet – und was davon wirklich nötig ist. Und, auch das sagt Schöne: Letztlich sei die Aktion auch ein Mittel für manches Unternehmen, Imagepflege zu betreiben. „Das Zeichen zählt“, sagt Sven Schöne. Auch wenn er sich wünscht, dass bei manchem das Lichtabschalten zur Gewohnheit wird.

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Mitmachen können übrigens nicht bloß Unternehmer und Einzelhändler – darauf weist die Riesaer Stadtsprecherin hin: „An der Earth Night können auch Privatleute teilnehmen. Beispielsweise, indem sie die Außenbeleuchtung von ihren Häusern ausschalten oder Jalousien vor den Fenstern herunterlassen.“

Weitere Information zur Earth Night gibt es hier.

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