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Ist der Riesa-Wolf wirklich wieder weg?

Vor laufender Kamera flüchtet ein Tier ins Stahlwerk. Nun gibt es Sichtungen an verschiedenen Stellen.

Dieses Foto stammt von einem Riesaer, der am Dienstag am Reußener Berg offenbar dem Wolf begegnet ist – direkt am Stadtrand.
Dieses Foto stammt von einem Riesaer, der am Dienstag am Reußener Berg offenbar dem Wolf begegnet ist – direkt am Stadtrand. © privat

Riesa. Wahrscheinlich will der Wolf bloß seine Ruhe haben. Am Montag hat er Riesa in Aufregung gesetzt – da flüchtete er in Sichtweite des Bahnhofs vor einem Auto auf das Riesaer Stahlwerks-Gelände. Ein 40-Sekunden-Video davon ist offenbar die erste bestätigte Sichtung eines Wolfs im Riesaer Stadtgebiet seit dem 19. Jahrhundert.

Aber wo ist das Tier nun hin? Auf dem Betriebsgelände von Feralpi Stahl ist es seit Montagmittag nicht mehr gesehen worden. "Es gibt auch keine Hinweise, die darauf hindeuten, dass sich der Wolf noch auf dem Gelände aufhält", teilt die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) am Dienstag mit. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Videos am Montag hatten die Behörde und der zuständige Jagdpächter den Mitarbeitern im Stahlwerk Empfehlungen zum Umgang mit dem Tier gegeben. Motto: Dem Tier nicht nachstellen und es vor allem nicht in die Enge drängen.

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Offenkundig hat der Wolf die Dunkelheit dafür genutzt, wieder aus dem umzäunten Stahlwerks-Gelände zu entkommen, wo er sich am Montag auf seiner Flucht zwischen zwei Gitterstäben hindurchgequetscht hatte. Am Dienstag soll das Tier mehrfach im Bereich des Reußener Bergs gesehen worden sein: Die teils bewaldete Erhebung mit einer großen Kiesgrube liegt zweieinhalb Kilometer Luftlinie entfernt vom Stahlwerk, direkt am nördlichen Riesaer Stadtrand Richtung Strehla.

Einem Augenzeugen gelang in den Mittagsstunden ein recht deutliches Foto; seiner Aussage nach sei der Wolf dort aber auch schon morgens um acht gesehen worden sein. Seinen Beobachtungen zufolge hinkt das Tier hinten. "Womöglich hat es sich bei einem Zusammentreffen mit Wildschweinen verletzt, davon gibt es dort viele", sagt der Riesaer.

Er habe auch die zuständige Fachstelle Wolf in Deutschenbora kontaktiert – für die sei das aber kein Grund gewesen, vor Ort zu kommen. Es hieß: Der Wolf sei ein Wildtier – und komme mit der Situation klar oder eben nicht.

Die Behörde ging am Dienstagmittag jedenfalls davon aus, dass der Wolf aus Riesa weitergezogen ist. Demnach sei am Morgen ein Wolf südlich von Riesa gesichtet worden, also nicht am Reußener Berg. "Die Experten der Fachstelle Wolf nehmen an, dass es sich dabei um dasselbe Tier handelt", sagt Karin Bernhardt vom LfULG.

Da es auf der linken Elbseite kein bestätigtes Rudel gibt, wird vermutet, dass es ein durchziehendes Tier ist. "Jungwölfe nabeln sich von ihrem elterlichen Rudel ab und legen dabei oft mehrere hundert Kilometer zurück, um eine Partnerin oder einen Partner zu finden", so Karin Bernhardt.

Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gab es im Wolfsjahr 2019/20 in der Dahlener Heide (westlich von Riesa) ein Rudel mit vier Welpen, in der Gohrischheide (nordöstlich von Riesa) waren zuletzt 2018/19 vier Welpen bei einem Wolfsrudel nachgewiesen worden.

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Die Berichterstattung über das Wolfsvideo aus Riesa hat zu etlichen Dutzend Kommentaren in den sozialen Netzwerken geführt. Darin ist von weiteren Sichtungen die Rede – etwa an der Rostocker Straße in Riesa. Vor allem aber bezieht der Amateurfilmer Kritik dafür, dass er den Wolf mit dem Auto womöglich absichtlich in die Enge gedrängt habe. Der CDU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Meißen, Sebastian Fischer, stellte per Facebook-Kommentar ein "untypisches Verhalten" des Wolfes fest und fordert eine "Entnahme" – sprich Einfangen oder Tötung des Tiers. Dafür erntet er allerdings heftige Kritik, auch mit Verweis auf das Jagdgesetz.

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