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Jugendhaus-Umbau wird wohl teurer

Die Dacharbeiten am Gebäude fallen aufwendiger aus, als zunächst angenommen. Die Riesaer AfD fordert erneut einen Baustopp.

Die Bauarbeiten am Offenen Jugendhaus werden sich wohl noch bis zum Frühjahr 2021 ziehen.
Die Bauarbeiten am Offenen Jugendhaus werden sich wohl noch bis zum Frühjahr 2021 ziehen. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Sanierung des Offenen Jugendhauses in Riesa wird offenbar noch einmal teurer als gedacht. Wie die Stadtverwaltung jetzt nach SZ-Informationen im nichtöffentlichen Teil des Bauausschusses erklärte, fällt der Arbeitsaufwand insbesondere am Dach des Gebäudes höher aus als ursprünglich angenommen. 

Für die AfD-Fraktion im Riesaer Stadtrat ist diese Nachricht Grund genug, eine alte Forderung zu wiederholen. Die Partei steht dem Vorhaben seit jeher sehr skeptisch gegenüber, wollte im April den Baustart auf unbestimmte Zeit verschieben und sprach sich im Juli in einem Schreiben an den Oberbürgermeister für einen Baustopp aus. Diese Forderung wolle man nun erneuern, heißt es. 

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"Wir brauchen einen Baustopp zwecks Koordinierung", sagt der Landtagsabgeordnete für Riesa, Carsten Hütter (ebenfalls AfD). Er habe schon bei einer Begehung im Juli Bedenken geäußert, was den Zustand des Hauses anbelangt, insbesondere die Feuchtigkeit des Kellers und den Zustand des Daches betreffend. "Ich bin nicht vom Bau", sagt Hütter. Aber er habe damals von außen zwei Stellen gesehen, die verdächtig nach einem Wasserschaden aussahen. Er sei überzeugt, dass der beauftragte Bausachverständige diese Mängel hätte erkennen müssen. 

Auch aus anderen Fraktionen gibt es Kritik an der offenbar unerwarteten Erhöhung der Baukosten, die sich da anbahnt. Gunnar Hoffmann (Gemeinsam für Riesa) verweist darauf, er habe im Bauausschuss schon die veranschlagten Kosten hinterfragt, als die Arbeiten vergeben wurden. Er hoffe, dass die Verwaltung in Zukunft die Bedenken der Fraktionen genauer in den Blick nehme. Jetzt aber noch einmal den Bau zu verzögern, hält Hoffmann nicht für sinnvoll. "Ein Baustopp wäre wahrscheinlich noch mal teurer." Eine neue Variante würde weitere Planungskosten bedeuten. 

Linke-Stadträtin bleibt gelassen

In der Linke-Fraktion soll das Thema am Montag besprochen werden, sagt Stadträtin Sonja György. Sie bleibt betont gelassen, was die Baukosten anbelangt. Die AfD-Forderung hält sie für überzogen, anders als Carsten Hütter rechnet sie nicht mit einer Kostenexplosion. Sie wirft der AfD vor, in erster Linie gegen Outlaw als Träger des Jugendhauses vorgehen zu wollen. Ein Argument, das die Ratsfraktion zuletzt zurückgewiesen hatte. Auch diesmal betont Carsten Hütter: "Wir sind nach wie vor dafür, dass die Jugend einen Treffpunkt bekommt." Aber wenn die Kosten in die Höhe schnellen, dann müsse man zumindest diskutieren, wie es weitergeht. 

Was aber, wenn ohnehin schon das Gros der Fördermittel ausgegeben ist und ein Abriss und Neubau schon finanziell Unsinn wäre? Dafür sei der Baustopp gedacht, sagt Hütter. Dann könne man prüfen, ob die Alternative Neubau noch günstiger wäre, als die Sanierung. Je länger man allerdings warte, desto eher komme man an den Punkt, an dem alles zu spät ist. "Zumal im Winter wohl auch Bausicherungsmaßnahmen nötig wären, um weitere Schäden zu vermeiden." Man wolle die Fakten auf dem Tisch haben –  und möglichst öffentlich. "Es ist ein Problem, dass solche Themen im Bauausschuss nichtöffentlich behandelt werden, das ist Politik am Bürger vorbei." 

Fertigstellung auf Frühjahr verschoben

Wie viel teurer die jetzt nötigen Maßnahmen am Dach des Hauses werden, können auch die Stadträte nicht abschätzen. Die AfD äußert die Befürchtung, dass man am Ende im siebenstelligen Bereich landen könnte. Andere Mitglieder des Bauausschusses nennen keine Zahlen, sprechen aber besorgt von einem "Fass ohne Boden". 

Für Klarheit könnte womöglich die Riesaer Stadtverwaltung sorgen. Die allerdings schweigt bislang zu dem Thema. Eine SZ-Anfrage von Mitte Oktober blieb bisher unbeantwortet, ebenso eine Nachfrage vom Montag. Im Baubericht an die Stadträte hieß es zuletzt, dass in dieser Woche die Dachdeckerarbeiten am Ziegeldach beginnen könnten. Die Ziegeldecke über dem Erdgeschoss sei teilweise bereits eingebaut. Außerdem gibt das Bauamt in dem Bericht einen neuen Fertigstellungszeitraum an: Im Frühjahr 2021 könnten die Arbeiten beendet sein, heißt es da. Das sei auch mit dem Fördermittelgeber abgestimmt. 

Die Fördermittel dürften auch ein weiterer Grund sein, warum eine Rolle rückwärts aus städtischer Sicht problematisch ist: Von den ursprünglich berechneten 770.000 Euro, die in das Gebäude und die Außenanlagen investiert werden sollen, sind 400.000 Euro Fördermittel.

Ursprünglich hatte der Betreiber des Offenen Jugendhauses, die Gesellschaft Outlaw, angeboten, das Gebäude zu kaufen und selbst zu sanieren. Das allerdings wollte damals der Stadtrat nicht. Anfangs war noch von einer Fertigstellung bis Oktober 2020 ausgegangen worden, das wäre pünktlich zum 30-jährigen Bestehen des Hauses gewesen. 

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