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Komplette Baumreihe in der Stadt gefällt

Eigentlich sucht man in Riesa Platz für neue Bäume. An der Bahnhofstraße aber gab es jetzt einen Kahlschlag.

Die Mieter an der Bahnhofstraße schauen jetzt hinunter direkt auf die Fahrbahn: Die Baumreihe vor ihrem Haus musste weg.
Die Mieter an der Bahnhofstraße schauen jetzt hinunter direkt auf die Fahrbahn: Die Baumreihe vor ihrem Haus musste weg. © Sebastian Schultz

Riesa. Wo gerade noch eine Baumreihe im Herbstlaub stand, reihen sich nun mehr als ein Dutzend Baumstümpfe aneinander. Am Dienstag war die Bahnhofstraße unterhalb des markant gestalteten Wohnblocks mit Elbblick komplett gesperrt worden, so dass Mitarbeiter der Firma RDL die Kettensägen anwerfen konnten. Und wer zunächst noch dachte, hier wird vielleicht nur eingekürzt, musste sich im Laufe des Tages eines Besseren belehren lassen: Nun ist die Fläche zwischen Hochhaus und Fahrbahn kahl.

Bei Facebook gibt es verärgerte Kommentare: "Die schönen Bäume", heißt es. Ob die Bäume weg sollten, damit das neugestaltete Hochhaus dahinter besser zur Geltung kommt?

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Darum ging es nicht, heißt es auf Anfrage von sächsische.de bei der Wohnungsgesellschaft WGR. Dem städtischen Großvermieter gehören das Hochhaus, das Grundstück - und damit auch die Bäume. "Als Eigentümer haben wir eine Verkehrssicherungspflicht", sagt Yvonne Ledwa von der WGR. Von Bäumen, die auf WGR-Grundstücken stehen, dürfe keine Gefahr ausgehen. Und deshalb habe man fällen müssen.

So sah die Baumreihe an der Bahnhofstraße im Mai 2019 aus, als das Hochhaus rechts gerade eine neue Fassadenbemalung erhielt - ein Blick aus Richtung Mercure.
So sah die Baumreihe an der Bahnhofstraße im Mai 2019 aus, als das Hochhaus rechts gerade eine neue Fassadenbemalung erhielt - ein Blick aus Richtung Mercure. © Sebastian Schultz
So sieht die Bahnhofstraße aus Richtung Stadt jetzt aus: Gut 15 Bäume wurden am Dienstag gefällt. Der Eigentümer verspricht aber, dass neue Bäume kommen sollen.
So sieht die Bahnhofstraße aus Richtung Stadt jetzt aus: Gut 15 Bäume wurden am Dienstag gefällt. Der Eigentümer verspricht aber, dass neue Bäume kommen sollen. © Sebastian Schultz

Aber waren die Bäume wirklich eine Gefahr? Für den Laien sahen sie zuletzt noch ziemlich grün aus. Allerdings hingen einige bereits  über die Straße - und damit im Verkehrsraum. "Es handelte sich um Eschen-Ahorn-Bäume", sagt Yvonne Ledwa. Die würden von Natur aus keine "saubere Krone" ausbilden - da könne manch Hauptast drei Meter, mancher auch sieben Meter lang werden. Man habe die Sorge gehabt, dass bei Sturm entweder ganze Bäume auf die Straße kippen oder große Äste abbrechen. "Das kann erfahrungsgemäß auch bei begrünten Ästen passieren, nicht nur bei Totholz", sagt die WGR-Mitarbeiterin.

Mit der Baumreihe an der Bahnhofstraße habe man sich schon eine ganze Weile beschäftigt. "Gemeinsam mit der Stadtverwaltung haben wir überlegt, ob wir einzelne Bäume rausschneiden, jeden zweiten oder gleich alle auf einmal", sagt Yvonne Ledwa.

Am Ende sei man zum Schluss gekommen, die ganze Reihe zu fällen - damit keine einzelnen schrägen Bäume stehen bleiben. Das sei wirtschaftlicher. Und auch nur so könne man eine komplette neue Baumzeile pflanzen. Tatsächlich wolle die WGR so schnell als möglich an derselben Stelle 18 neue Bäume in die Erde bringen, in den Lücken der vorhandenen Baumstümpfe. Die werden erst später, wenn sie vermodert sind, rausgefräst.

Dann sollen es aber keine Eschen-Ahorn-Bäume mehr werden, sondern Exemplare der sogenannten Baumhasel. "Die wird mit sechs bis sieben Metern Höhe nicht ganz so hoch, bildet eine herzförmige Krone und kommt auch mit der Trockenheit und dem Verkehr in der Stadt zurecht", sagt Yvonne Ledwa.

Und wann geht es los? Die Bäume seien längst bestellt, heißt es von der WGR. "Sobald sie da sind, werden sie eingepflanzt." Aber offenbar sind die Baumschulen derzeit am Limit: Es sei auf dem Markt gar nicht so leicht, neue Bäume zeitnah zu erhalten. Tatsächlich pflanze man als Großvermieter regelmäßig nach, etwa auf Flächen abgerissener Wohnblöcke. "Dabei wählen wir nicht nur 08/15-Arten aus, sondern auch mal eine Magnolie oder eine Winterkirsche", sagt Yvonne Ledwa. 

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Die Stadt bestätigt auf Anfrage, dass die Fällungen an der Bahnhofstraße ordnungsgemäß beantragt und genehmigt gewesen seien. Weitere großflächige Fällungen seien nicht bekannt.

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