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Krebskranker verzweifelt an Impf-Termin

Ein Riesaer Senior will sich gegen Corona impfen lassen. Doch niemand fühlt sich für ihn zuständig.

Mittlerweile gibt es deutlich mehr Impftermine in den sächsischen Impfzentren. Ein krebskranker Riesaer macht sich deshalb Hoffnung - wird aber sein Attest nirgendwo los.
Mittlerweile gibt es deutlich mehr Impftermine in den sächsischen Impfzentren. Ein krebskranker Riesaer macht sich deshalb Hoffnung - wird aber sein Attest nirgendwo los. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild

Riesa. Einige wenige Zeilen in der SZ machen Horst Dame (Name geändert) aufmerksam. "Krebspatienten können nun eher geimpft werden", heißt es in einem Beitrag im Riesaer Lokalteil am 13. Februar 2021. Die Unterzeile betrifft den 69-Jährigen - bei ihm wurde Prostatakrebs diagnostiziert. Und er ist noch deutlich zu jung, um wie die Generation der Über-80-Jährigen in die Prioritätengruppe 1 zu fallen.

Nun - so der SZ-Bericht - können Krebspatienten aber eher gegen Corona geimpft werden, unabhängig vom Alter. Das hatte das Bundesgesundheitsministerium festgelegt. Voraussetzung sei eine "behandlungsbedürftige Krebserkrankung", wie die Deutsche Krebsgesellschaft mitgeteilt hatte. Um den Anspruch durchzusetzen, müsse man ein ärztliches Attestes oder die Bescheinigung des behandelnden Krankenhauses vorlegen.

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Gelesen, gemacht - dachte sich Horst Dame und begab sich zügig zu seiner Hausärztin. Offenbar zu recht: Die Medizinerin stellte dem Riesaer eine Bescheinigung aus, dass er unter Paragraf 4 Absatz 2 der Corona-Impf-Verordnung falle. "Damit gehöre ich zur Prioritätengruppe 3", sagt der Riesaer.

Damit machte sich der Senior schon Hoffnung auf den ersehnten Impf-Termin. Nur: Niemand will sein Attest sehen. "Ich bin damit beim Impfzentrum in Riesa abgewiesen worden", sagt Horst Dame. Dann wurde ihm empfohlen, im Meißner Gesundheitsamt anzurufen - doch auch dort habe man ihm nicht weiterhelfen können. Es kam lediglich der Tipp, bei der Impf-Hotline anzurufen. Doch auch dort habe man mit dem Attest nichts anfangen können. "Keiner weiß, wo ich meine Bescheinigung abgeben kann", sagt der Krebskranke.

Eine kurze Antwort nach drei Tagen

Das Problem dabei: Es geht nicht nur um das Entgegennehmen und Abheften dieser Bescheinigungen - sondern angesichts der Verfügbarkeit von Impfstoffen und Impfterminen um eine Priorisierung. Welcher Krebskranke hat die Impfung am nötigsten? Welcher kann vielleicht noch warten? So eine Entscheidung will man beim Deutschen Roten Kreuz nicht treffen. Dort sei man eher für die Logistik der Impfzentren zuständig, heißt es.

Offenbar steht Horst Dame mit seinem Problem aber nicht allein - es gäbe in Sachsen Hunderte Anfragen, so ein Experte. Das Sozialministerium in Dresden befasse sich bereits damit - und plane, eine Härtefallkommission für solche Fälle einzurichten.

Die SZ fragt bereits am 22. Februar beim Ministerium nach: Wird es für Leute wie Horst Dame wirklich eine Härtefallkommission geben? Wann ist damit zu rechnen? Wer trifft dann die Entscheidung? Wie viele ähnliche Fälle gibt es? Wie sollten sich Betroffene verhalten? Wann haben Angehörige der Risikogruppe 3 eine Chance, mit der Corona-Schutzimpfung dranzukommen?

Drei Tage lang bleibt die Anfrage unbeantwortet. Am Donnerstag kommt dann, auf nochmalige Nachfrage, immerhin eine kurze Antwort: "Die Einzelfallkommission befindet sich derzeit im Aufbau", heißt es. Details werde man zeitnah mitteilen.

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Vielleicht wird es in zwei Wochen besser: Mitte März wird Horst Dame 70. Damit zählt er dann als Krebskranker nicht mehr zur Prioritätengruppe 3, sondern rutscht eine Kategorie nach oben, in die Prioritätengruppe 2. Und vielleicht ist ja bis dahin klar, wer in Sachsen für diese Bescheinigung nach einer Bundes-Verordnung zuständig ist.

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