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"Es ist Viel geworden - Vieles aber nicht"

Für eine Wortmeldung in der SZ erntet Kurt Hähnichen einigen Widerspruch. Die Kritiker machten es sich aber zu leicht, sagt er.

"Es ist doch VIeles geworden in Riesa": Vor allem dieses Zitat aus der SZ vom 18. Februar hat Kurt Hähnichen einigen Widerspruch eingebracht.
"Es ist doch VIeles geworden in Riesa": Vor allem dieses Zitat aus der SZ vom 18. Februar hat Kurt Hähnichen einigen Widerspruch eingebracht. © Screenshot:SZ

Riesa. Kurt Hähnichen hat offenbar einen Nerv getroffen. Im Gespräch mit der SZ hatte das Gründungsmitglied des Vereinigten Riesaer Wirtschaftsforums erklärt, man könne in Riesa durchaus auch stolz auf das Erreichte sein – und das an einigen aus seiner Sicht positiven Entwicklungen in der Stadt festgemacht. Es sei doch Vieles geworden in der Stadt, so Hähnichen.

Klaus Scholze aus Riesa hat dazu eine andere Meinung: "Ja, Vieles ist geworden, aber Vieles ist auch nicht geworden, oder nur halbherzig umgesetzt worden", schreibt er an die SZ. Es sei gut, dass es das Wirtschaftsforum gibt, "aber genauso wichtig oder noch wichtiger sind die Ritterschlagempfänger Colve und Steinchen. Ohne diese Herren gäbe es keine Stadtautobahn, aber eine Russenruine mitten in der Stadt, oder keine Schlossbrücke über den Hafen, aber Verkehrschaos in Riesa."

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Die genannten Positivbeispiele beeindrucken Klaus Scholze eher wenig. "Dass im Stahlwerk Umweltgesetze eingehalten werden müssen, ist doch eine heutige Selbstverständlichkeit in der EU, wir sind doch nicht in einer Bananenrepublik." Und der Hafen sei wegen des zunehmenden Lkw-Verkehrs sicher keine so große Erfolgsgeschichte. "Hier sollte doch konsequent auf die Schiene umgesattelt werden, die Gleise sind doch da."

Braucht Riesa mehr "positiven Aktionismus"?

Richtige "Macher" suche er heute vergeblich: "Seit Jahren herrscht im Bauamt der Stadt wenig Kreativität, werden Dinge veranlasst, wo man nur den Kopf schüttelt, da schaut an jeder Ecke nur das Vorschriftenwerk heraus – manchmal ist auch positiver Aktionismus notwendig, nicht nur Angst." Scholze zählt eine Reihe von Themen auf, bei denen er sich konsequenteres Handeln erhoffen würde, darunter die Verkehrssituation durch Lkw-Verkehr in Gröba generell, der Hafenwächter, der wegen Wildwuchs keinen Blick aufs Wasser zulasse, oder die geplanten Solaranlagen im Stadtgebiet, die aus seiner Sicht im Rio-Gewerbegebiet besser aufgehoben wären, wo sie keine wertvollen Flächen wegnehmen.

Mit der Kritik ist Scholze nicht allein. Riesas FDP-Chef Sven Borner empfiehlt den Blick auf die nüchternen Zahlen: "Bevölkerungsentwicklung, Beschäftigungsquote, Gewerbesteuereinnahmen", schreibt der Stadtrat auf Facebook und fragt: "Ist damit tatsächlich alles gut in Riesa?" Gerade die von den Corona-Folgen Betroffenen könnten sich "für solche selbstzufriedene Nabelschau wenig kaufen". Andere Kommentare und Zuschriften gehen in eine ähnliche Richtung. Leser Christian Schaffer sieht das ähnlich. Es fehle an Arbeitsplätzen und einer guten Infrastruktur - und an Perspektiven für junge Leute.

Stadtrat Gunnar Hoffmann (Gemeinsam für Riesa) stimmt teils zu: "Klar ist viel geworden. Dafür ein großes Lob und Dankeschön an die Privatwirtschaft!" Er wünsche sich aber, dass die Stadt noch bessere Rahmenbedingungen für junge Menschen schafft.

Hähnichen: Auch über das Gute sprechen

Kurt Hähnichen sagt, er habe in seinem Umfeld eher positive Reaktionen auf die Aussagen erhalten. Und es sei mitnichten so, dass sich Riesa auf dem Ist-Zustand ausruhe. "Ich denke da an das Citymanagement, für das gerade Bewerbungsgespräche laufen, an die Eigenheimstandorte und die Schulsanierungen, die laufen oder geplant sind."

Dass es weiter "Ecken und Kanten" gibt, an denen man sich stoßen könne, diese Ansicht teilt auch Hähnichen. Vieles gehe aber nicht von heute auf morgen. Manchmal fehle da der realistische Blick. "Ich kann über Vieles sprechen. Aber ich muss auch die Leute mitnehmen, um die Pläne umzusetzen." Schönfärberei will er sich nicht vorwerfen lassen, auch nicht den Vorwurf, die Corona-Probleme kleinzureden. "Wir sollten uns nicht zu schade sein, über etwas Gutes zu reden. Das Freuen sollte uns trotz Corona nicht abhanden kommen." (SZ/stl)

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