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Kritik an Plänen für neue Straßenlampen

An der Storchenbrunnen-Schule sollen die Laternen erneuert werden. Eine Initiative hätte sich dort eine andere Variante gewünscht.

Im Zuge von Bauarbeiten sollen vor der Storchenbrunnen-Schule in Riesa auch die Laternen getauscht werden. Warum nicht gleich umweltfreundlicheres Licht, fragt eine Initiative? So einfach ist das aber offenbar nicht.
Im Zuge von Bauarbeiten sollen vor der Storchenbrunnen-Schule in Riesa auch die Laternen getauscht werden. Warum nicht gleich umweltfreundlicheres Licht, fragt eine Initiative? So einfach ist das aber offenbar nicht. © Foto: Sebastian Schultz

Riesa. Auf dem Papier klingt das hervorragend: Für mehr als eine halbe Million Euro will die Stadt Riesa im Umfeld des Schulgebäudes an der Alleestraße investieren. Erneuert werden soll die Straße vor der Schule, außerdem ein Verbindungsweg Richtung Merzdorfer Straße und der Platz samt Storchenbrunnen. Die Alleestraße bekommt einen Schutzstreifen für Fahrradfahrer, außerdem soll eine Ampel das Queren der Straße erleichtern.

Für Kritik hat im Vorfeld allerdings der geplante Austausch der Straßenbeleuchtung gesorgt: Die soll im betroffenen Abschnitt der Alleestraße gleich mit erneuert werden. Was bei den neu gegründeten Paten der Nacht die Frage aufwarf, ob man nicht gleich auf umweltverträglichere Beleuchtung umsatteln könne. Die Initiative will gegen Lichtverschmutzung und -verschwendung vorgehen – und sieht die Maßnahme als guten Startpunkt, in dessen Zuge sich gleich etwas bewegen ließe.

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Insektenschutz "nicht die entscheidende Komponente"

„Es reicht nicht, dass lediglich auf LED-Beleuchtung umgerüstet wird“, teilt dazu Sven Schöne von der Initiative mit. Neben der guten Ausleuchtung des Bereichs vor der Schule und einem Licht, das Autofahrer nicht blendet, solle das Licht „gezielt ausschließlich auf die Nutzfläche strahlen, ohne dass Grünflächen, Bäume und nahe gelegene Grundstücke beleuchtet werden“. Weiterhin sprach er sich dafür aus, möglichst warmweißes Licht mit maximal 3.000 Kelvin zu verwenden. „Außerdem sollte auch dort darauf geachtet werden, dass ausschließlich ganz gezielt der Weg beleuchtet wird – sogenannte Pilzleuchten erfüllen diesen Zweck zum Beispiel nicht. Sie verschwenden Energie und belasten mit dem überstrahlendem Licht nahe gelegene Naturflächen.“

Seine Vorschläge hatte Schöne auch schon ans Rathaus geschickt, wie es von dort heißt. Es habe in der Vergangenheit auch ausführlichen Schriftverkehr diesbezüglich gegeben. Allerdings müsse man abwägen, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. „Die Insektenfreundlichkeit ist eine sehr wichtige, aber nicht die entscheidende Komponente. Für den Fördermittelgeber ist die Sicherheit im öffentlichen Raum der wichtigste Faktor.“ Das gelte erst recht an einem viel und schnell befahrenen Verkehrsweg wie der Alleestraße. Soll heißen: Hielte sich Riesa nicht an diese Vorgaben, dann ginge damit womöglich auch ein Teil der Förderung verloren – und die macht insgesamt 80 Prozent der Maßnahme aus.

Skepsis wegen neuer Ampelregelung

„Nach allgemeiner Auffassung gilt 4.000 Kelvin durch das Fehlen der UV-Strahlung aber ebenfalls als insektenfreundlich“, so der Stadtsprecher. Warmweiß-Leuchten werde man aber für den Verbindungsweg zwischen Allee- und Merzdorfer Straße sowie am Storchenbrunnen verwenden, insgesamt neun Stück. Und: „Freistrahlende Leuchten, die aus größeren Entfernungen Insekten anlocken, sind im Maßnahmepaket Straßenbeleuchtung Efre nicht enthalten.“

Dagegen lasse sich auch der Vorschlag, den Weg nur per Bewegungsmelder intelligent zu beleuchten, aus rechtlichen Gründen nicht umsetzen, da die Stadt dort im Fall des Falles haften würde. Ohnehin wäre eine nachträgliche Änderung der Pläne schwierig, heißt es aus dem Rathaus. Dann wären nämlich unter Umständen Fördermittel zurückzuzahlen. Aus Sicht von Sven Schöne eine Enttäuschung. Die Efre-Richtlinien honorierten durchaus auch Umweltfreundlichkeit. Es sei am Ende in der Verantwortung der Stadt, abzuwägen und generell auf warmweißes Licht umzurüsten. Da müsse ein Umdenken einsetzen.

In der Stadtratssitzung am Mittwoch stimmte schließlich eine Mehrheit für die Vergabe an die Oschatzer Firma Steinle Bau. Neun Stadträte enthielten sich, darunter die AfD-Fraktion. Die kritisierte allerdings nicht die Straßenlampen, sondern eine andere Form der Beleuchtung: „Wir sind immer noch gegen eine Lichtsignalanlage an dieser Stelle“, so Fraktions-Chef Joachim Wittenbecher. Aus Sicht seiner Fraktion genüge an der Stelle der Fußgängerüberweg, die Ampel verursache dort nur zusätzliche Wartezeit im Stadtverkehr. Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) gab Kontra, eine Fußgängerampel an der Stelle diene dem sicheren Schulweg für die Grundschüler.

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