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Lockdown treibt Leute in die Kleingärten

Die Nachfrage nach Parzellen im Riesaer Reiter steigt. Dutzende Gärten wurden in der Sparte neu vergeben.

Alexandra Steiner ist die Vereinsvorsitzende in der Sparte Reiter am Stadtpark. Dort konnte sie im vergangenen Jahr mehr als 50 neue Gartenfreunde begrüßen.
Alexandra Steiner ist die Vereinsvorsitzende in der Sparte Reiter am Stadtpark. Dort konnte sie im vergangenen Jahr mehr als 50 neue Gartenfreunde begrüßen. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Wenigstens eine positive Folge haben die Lockdowns während der Corona-Pandemie: „Wir haben 2020 die Hälfte mehr Anfragen nach einem Kleingarten gehabt als in einem normalen Jahr“, sagt Alexandra Steiner, die Vorsitzende des Kleingartenvereins Reiter in Riesa. 55 neue Mitglieder konnte die 39-Jährige begrüßen. „Auch in dieser Woche haben wir zwei neue Pachtverträge gemacht." Zur Wahrheit gehört aber auch: "Altersbedingt hatten wir 45 Austritte.“

Aber es gibt auch Dinge, die die Mutter von zwei Kindern schmerzen. „Ich habe diesen Winter bei den Todesanzeigen immer wieder Namen von unseren Vereinsmitgliedern lesen müssen. Das hat mich schon sehr traurig gemacht.“ Und auch der Plan, die leerstehenden Kleingärten auf der Elbseite zu beseitigen, musste durch die Corona-Auflagen erst einmal gestoppt werden.

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Aktuell ist dabei Weg neun an der Reihe. Nach und nach wird dann Wiese aus rund 200 der 861 Parzellen mit einer durchschnittlichen Größe von 250 Quadratmetern.

Motto: Nur nicht aufgeben - ein Aushang an Riesas größter Gartensparte.
Motto: Nur nicht aufgeben - ein Aushang an Riesas größter Gartensparte. © Klaus Dieter Bruehl

Das schöne Wetter der vergangenen Tage hat bereits einige Kleingärtner dazu veranlasst, in ihren Gärten die ersten Arbeiten durchzuführen. So auch Alexandra Steiner selbst, die durch die strengen Februar-Frosttage aber auch Verluste registrieren muss. „Mein Rosmarin-Strauch ist weitgehend abgestorben“, sagt die Vereinsvorsitzende und geht mit der Gartenschere an die Schadenbeseitigung. „Aber die Petersilie kommt schon wieder!“

Denn wie viele andere Kleingärtner ist Familie Steiner – also neben Alexandra auch Ehemann Mirko und die Kinder Tim und Tanja – im Sommer Selbstversorger. So wachsen Tomaten, Salat, Möhren, Radieschen, Melonen oder Kürbisse in den beiden nebeneinanderliegenden Gärten, die die Familie auf Weg 14 selbst gepachtet hat. Das muss auch so sein, denn auf mindestens einem Drittel der Kleingartenfläche sollten die Pächter Gemüse und Obstbäume anbauen. Zudem ist Vereinsunterstützung angesagt, denn die Mitglieder sind zu sechs Stunden Arbeitseinsätzen pro Jahr verpflichtet – beispielsweise, um die Wege sauber zu halten.

Doch es gibt auch Regeln, die geändert worden sind. So zum Beispiel die Entfernung, aus der jemand einen Kleingarten im Riesaer Reiter pachten kann. „Wir haben uns im Frühjahr 2020 mit der Stadt darauf verständigt, dass beispielsweise auch Interessenten aus Dresden bei uns Mitglied werden können“, freut sich Alexandra Steiner. Und wie erfährt man das in der Landeshauptstadt? „Wir haben auf Facebook eine Seite vom Reiter mit meiner Handynummer. Und vieles läuft auch über die Mund-zu-Mund-Propaganda.“

Erste Frühlingsboten zeigen sich längst in der Riesaer Gartensparte.
Erste Frühlingsboten zeigen sich längst in der Riesaer Gartensparte. © Klaus Dieter Bruehl

Viele der neuen Interessenten sind im Alter von 30 bis 40 Jahren und haben damit noch eine langjährige Perspektive bei der Nutzung ihrer Gartengrundstücke. Die Optimisten unter den Pächtern haben schon jetzt die ersten Ostereier an die Büsche gehängt oder ihren mobilen Pool wieder aufgebaut – ohne Wasser drin natürlich, denn noch ist nicht sicher, ob der Winter nochmal zurückkehrt. Und der Wasserhahn ist eh noch zu im gesamten Reiter.

Die ersten warmen Tage nach dem jüngsten Wintereinbruch haben auch im Reiter Folgen für die Natur.
Die ersten warmen Tage nach dem jüngsten Wintereinbruch haben auch im Reiter Folgen für die Natur. © Klaus Dieter Bruehl

„Jeder unserer Wege entscheidet selbst, wann das Wasser wieder angestellt wird. Wir auf Weg 14 planen derzeit, das zu Ostern zu machen.“ Wer ein persönliches Anliegen hat, kann auch jetzt zu den Sprechstunden der Vereinsvorsitzenden kommen. Die finden im Winter allerdings nur einmal im Monat statt. Die nächste ist am 13. März von 9 bis 11 Uhr im Büro des Kleingartenvereins. Das wurde während Corona übrigens nicht von Einbrechern heimgesucht. Liegt vielleicht auch daran, dass nach dem letzten Einbruch im Oktober 2019 Panzerglas in die Fenster eingebaut wurde. „Toi, toi, toi“, lacht Alexandra Steiner, die seit August 2018 die Vorsitzende des 580 Mitglieder großen Vereins ist.

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Offen ist derzeit noch, ob und wie die Feier zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, die im Juni 2020 stattfinden sollte, nachgeholt werden kann. Das Konzept vom Vorjahr soll wenn möglich übernommen werden - ein Tanzabend mit Feuerwerk und den Auftritten einiger Künstler. Letztlich hängt alles davon ab, welche Regelungen in Sachen Corona-Pandemie dann gerade gelten.

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