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Anklage nach tödlichem Stapler-Unfall

Ein 33-Jähriger soll einen Kollegen auf dem Gelände des Riesaer Stahlwerks mit einem Gabelstapler überrollt haben. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Auf dem Areal des Riesaer Stahlwerks war 2020 ein junger Mitarbeiter von einem Gabelstapler überfahren und tödlich verletzt worden. Bald steht der Fahrer vor Gericht.
Auf dem Areal des Riesaer Stahlwerks war 2020 ein junger Mitarbeiter von einem Gabelstapler überfahren und tödlich verletzt worden. Bald steht der Fahrer vor Gericht. © Sebastian Schultz (Archiv)

Riesa/Dresden. 15 Monate nach einem tödlichen Arbeitsunfall im Stahlwerk Riesa erhebt die Staatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen einen 33-Jährigen. Dem Mitarbeiter des Unternehmens wird vorgeworfen, am 11. März 2020 einen 20-jährigen Kollegen mit dem Gabelstapler überfahren zu haben. Nun steht das Delikt der fahrlässigen Tötung im Raum.

An jenem Märzmorgen soll er gegen 5.45 Uhr mit der Gabel voraus auf dem Gelände des Stahlwerkes in Riesa-Gröba gefahren sein. Dabei habe er den Geschädigten so von hinten angefahren, dass dieser stürzte und vom Gabelstapler überrollt wurde. Das Opfer wurde umfassend intensiv-medizinisch versorgt - erlag aber trotzdem einen Tag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Dem Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft nun vor, seinen Fahrweg nicht sorgfältig genug geprüft zu haben. Demnach habe sich der Geschädigte zulässig auf dem Betriebsgelände bewegt. Das Unternehmen hatte seinerzeit gegenüber sächsische.de ausgesagt, dass der verunglückte Industriemechaniker auf dem Werksgelände gerade zu Fuß auf dem Weg zum Arbeitsplatz war.

"Wir haben bei diesem tragischen Arbeitsunfall nicht nur einen anerkannten und geschätzten Kollegen verloren, sondern vor allem einen sympathischen, engagierten jungen Mann", hatte die Werkleitung nach dem Unfall erklärt. Man sei in Gedanken bei den Angehörigen.

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und befindet sich auch nicht in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Riesa, bei dem die Klage eingereicht wurde, entscheidet nun über deren Zulassung und einen Termin zur Hauptverhandlung.

Der Riesaer Vorfall war von der Kripo Meißen und der für das Thema Arbeitsschutz zuständigen Landesdirektion untersucht worden. Laut einer Statistik der Behörde haben sich in den vergangenen Jahren in Sachsen zwischen sieben (2013) und 18 (2008 und 2010) tödliche Arbeitsunfällen pro Jahr ereignet. Der aktuellste vorliegende Jahresbericht bezieht sich auf das Jahr 2019. Damals kamen bei insgesamt 15 Arbeitsunfällen im Freistaat Beschäftigte zu Tode. Sie verteilten sich auf die Branchen Baugewerbe (5), Verarbeitendes Gewerbe/Bergbau (5), Energie/Wasser/Handel/Dienstleistungen (2), Land- und Forstwirtschaft/Fischerei (2) und Verwaltung/Gesundheitswesen/Kultur (1).

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Hauptursache für die tödlichen Unfälle waren im Jahr 2019 Abstürze und herabfallende Gegenstände, gefolgt von bewegten Maschinenteilen und Kollisionen mit Fahrzeugen. Ein einziger tödlicher Unfall hatte seinerzeit mit dem Thema Strom zu tun. (SZ/csf)

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