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Minister begutachtet Riesaer Kraftwerk

Was passiert da im Heizkraftwerk Merzdorf? Das und noch mehr hat sich Thomas Schmidt vor Ort erklären lassen.

So funktioniert das Heizkraftwerk Merzdorf: Steffen Krechlak von den Stadtwerken Riesa zeigt Minister Thomas Schmidt die neue Technik, die an der Hamburger Straße installiert wurde.
So funktioniert das Heizkraftwerk Merzdorf: Steffen Krechlak von den Stadtwerken Riesa zeigt Minister Thomas Schmidt die neue Technik, die an der Hamburger Straße installiert wurde. © Sebastian Schultz

Riesa. Dass es in einem Heizkraftwerk heiß ist, war zu erwarten. Aber auch so laut? Steffen Krechlak muss förmlich schreien, damit ihn Thomas Schmidt versteht. Sachsens Minister für Regionalentwicklung hört aufmerksam zu, was ihm der Abteilungsleiter von den Riesaer Stadtwerken zu erzählen hat: Wie die Stadtwerke dafür sorgen, dass mit Abwärme aus dem Stahlwerk die Reifenproduktion bei Goodyear beheizt wird. Und warum das mit der neuen Technik - fünf Millionen Euro hat die Stadt-Tochter zuletzt im Heizkraftwerk Merzdorf investiert - noch viel besser geht.

Anspruchsvoll sei es, sagt Steffen Krechlak, die Produktionszyklen in Stahlwerk und Reifenwerk unter einen Hut zu bekommen: Der Dampf bei Feralpi fällt mal mehr, mal weniger an - die Vulkanisation im früheren Pneumant-Werk braucht aber sehr gleichmäßig Wärme. "Außer zu Ostern und Weihnachten." Puffern muss das die neue Turbine im Heizkraftwerk, die aus Erdgas Wärme und Strom erzeugt. Und der neue Kanalbrenner, der jetzt in Betrieb geht.

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CDU-Politiker Thomas Schmidt, Agraringenieur, später Umweltminister und seit 2019 Chef im neuen Staatsministerium für Regionalentwicklung, hört zu und fragt nach. Stadtwerke-Chef René Röthig weist darauf hin, dass es schon mehrere Umweltpreise für die Kooperation zwischen der Stadt-Tochter und den beiden Industriebetrieben gab. "Und wie ist das mit dem Ölwerk?", fragt Schmidt. Daran kann sich der frühere Technische Leiter einer LPG noch erinnern. "Das Werk haben wir damals beliefert." Da muss der Stadtwerke-Chef passen: Der zum Konzern Cargill gehörende Betrieb bezieht seinen Strom nicht von den Stadtwerken.

"Das Unternehmen ist eine ganze Nummer zu groß für uns", sagt René Röthig. "Cargill kann seinen Strom direkt an der Börse kaufen. Wir können das nur, indem wir uns mit anderen Stadtwerken beim Einkauf zusammenschließen."

Minister Schmidt tröstet: "Bei der aktuellen Entwicklung gewinnen die Stadtwerke an Bedeutung." Beim Thema intelligente Netze, intelligente Zähler könnten regionale Versorger schneller reagieren, als die großen Player. Wichtig sei, dass die Politik sie nicht mit zu starren Regeln gängele.

Genau das wünscht sich auch der Stadtwerke-Chef. Während die europäische Liberalisierung auf dem Energiemarkt alle Unternehmen gleichermaßen betreffe, bestünden für kommunale Unternehmen anders als für die private Konkurrenz Einschränkungen bei der Handlungsfreiheit. Dabei gäbe man doch einen Teil der Gewinne der Gesellschaft zurück - etwa mit dem Riesaer Hallenbad. "Da wünsche ich mir, dass der Freistaat handelt", sagt Röthig.

Drei Herren im Anzug: Stadtwerke-Chef René Röthig, Regionalentwicklungs-Minister Thomas Schmidt (CDU) und Riesas OB Marco Müller (CDU) auf dem Hof der Oberschule Am Merzdorfer Park, die gerade umgebaut wird.
Drei Herren im Anzug: Stadtwerke-Chef René Röthig, Regionalentwicklungs-Minister Thomas Schmidt (CDU) und Riesas OB Marco Müller (CDU) auf dem Hof der Oberschule Am Merzdorfer Park, die gerade umgebaut wird. © Sebastian Schultz

Nach dem Heizkraftwerk bekommt der Politiker die Schulbaustelle am Merzdorfer Park gezeigt. Man wolle die Schule pünktlich zum Ferienbeginn übergeben, sagt ein Bauplaner. Flugs geht es weiter an die Rostocker Straße, wo die Stadtwerke auf dem Areal des früheren Kohlehandels einen Solarpark errichten wollen.

Hier beobachtet die kleine Gruppe interessiert ein unkrautüberwuchertes Gleisbett: Das darf nicht weggebaggert werden, weil sich offenbar Eidechsen im Schotter wohl fühlen. Also bleibt es liegen. Problematisch sei, dass die Naturschutzbehörde über einen längeren Zeitraum die Tiere beobachten wolle - es beim Fördergeld aber auf einen schnellen Einspeisetermin ankomme. Ziel sei es, Ende 2022 ans Netz zu gehen, sagt Röthig.

Sieht nicht so aus, ist aber offenbar ein Refugium für Eidechsen: das kaputte Gleisbett auf dem Areal des einstigen Kohlehandels, das jetzt zum Solarpark umgebaut wird.
Sieht nicht so aus, ist aber offenbar ein Refugium für Eidechsen: das kaputte Gleisbett auf dem Areal des einstigen Kohlehandels, das jetzt zum Solarpark umgebaut wird. © Sebastian Schultz

Auch hier hört Minister Schmidt interessiert zu. Nach Riesa eingeladen hat ihn, knapp drei Wochen vor der OB-Wahl, Amtsinhaber Marco Müller, ebenfalls CDU. Er erntet Lob für die Stadt: Riesa habe Potenzial in Sachsen, mit seinen großen Wirtschaftsbetrieben und der zentralen Lage an einem Bahn-Drehkreuz.

Schmidt selbst ist aber mit dem Auto gekommen. Wie war denn die Anfahrt über die B 169, die auch nach Jahrzehnten der Planung zwischen A 14 und Riesa noch durch die Dörfer verläuft? "Ich bin kein Verkehrsminister", antwortet der Politiker ausweichend und verweist auf den Plan, Chemnitz über Riesa Richtung Berlin ans Fernbahnnetz anzubinden - wovon auch die Stahlstadt profitieren würde. "Ja, beim Thema Straßenentwicklung hängt die Region noch etwas hinterher", sagt Müller. Er sei aber zuversichtlich, dass sich dieses Jahr noch etwas bewege.

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