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Mit Darmkrebs-Diagnose nach Riesa

Eine Gröditzerin wundert sich, warum ihr Mann plötzlich nicht mehr aufisst. Ihre Sorge ist berechtigt.

Professor Oliver Stöltzing vom Riesaer Elblandklinikum zeigt seinem Darmkrebs-Patienten Frank Geißler* eine Aufnahme seines Unterleibs.
Professor Oliver Stöltzing vom Riesaer Elblandklinikum zeigt seinem Darmkrebs-Patienten Frank Geißler* eine Aufnahme seines Unterleibs. © Sebastian Schultz

Gröditz/Riesa. Kartoffeln schmecken schon wieder. Spargel auch. "Ab und zu sogar ein zartes Stück Fleisch", sagt Frank Geißler*. Der 69-Jährige hat sich gerade im Riesaer Elblandklinikum ins Untersuchungszimmer gesetzt - und seine Frau mitgebracht. Der ist es auch zu verdanken, dass es dem Gröditzer schon wieder besser geht. Denn ohne sie hätte Frank Geißler wohl nicht so schnell bemerkt, dass da in seinem Darm ein Tumor heranwächst. "Weh getan hat gar nichts. Aber meine Frau hat bemerkt, dass mein Teller nicht mehr leer wurde", sagt der frühere Stahlwerker.

Auf ihren Rat hin ging er zu seiner Ärztin - gerade rechtzeitig. Bei einer Darmspiegelung in Elsterwerda wurde schnell klar, warum der Gröditzer mit dem Essen Schwierigkeiten hatte. "Sie sagte mir, dass ich so schnell wie möglich ins Krankenhaus Riesa soll."

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Die Diagnose fiel ernst aus: Darmkrebs. "Der Tumor war schon so groß, dass das Endoskop gar nicht mehr vorbeikam", sagt Chefarzt Professor Dr. Oliver Stöltzing. In seiner Fachabteilung landete der neue Patient.

Beim Darmkrebs sei nicht das Ziel, den Patienten so schnell wie möglich operiert nach Hause zu schicken. Wichtig sei dagegen schon vor der OP eine gute Vorbereitung - eine spezielle Ernährung, eine Gesprächstherapie mit einer auf Krebs spezialisierten Psychologin, Atemtraining. Die Diagnose erlaube es schon, sich bei Bedarf auch mehrere Wochen vor der OP Zeit zu nehmen. "Das Konzept wenden jetzt schon viele größere Kliniken an", sagt Stöltzing.

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Ziel sei es, den Patient so fit zu machen, dass er die OP gut übersteht. Deshalb werden zuvor die Blutwerte untersucht, nach einem möglichen Gewichtsverlust und Ernährungsgewohnheiten gefragt. "Bei manchen Darmkrebs-Patienten reichen ein, zwei Wochen vor der OP, bei manchen sind vier Wochen nötig - weil sie zu abgemagert sind", sagt der Chefarzt.

Bei Frank Geißler konnte es etwas schneller gehen: Am 22. April war seine Darmspiegelung, schon acht Tage später lag er in Riesa auf dem Operationstisch, um einem Darmverschluss zuvorzukommen.

Eine Darmspülung zuvor ist nicht mehr zwingend nötig. "Das bringt nur die Darmflora und den Flüssigkeitshaushalt durcheinander", sagt der Riesaer Chefarzt. Der Patient erhalte allerdings ein spezielles Antibiotikum, um die Bakterien im Darm zu reduzieren, die sonst die Wundheilung stören.

Das Riesaer Krankenhaus lässt sich derzeit als Darmkrebszentrum zertifizieren.
Das Riesaer Krankenhaus lässt sich derzeit als Darmkrebszentrum zertifizieren. © Sebastian Schultz

Auch der einstige Stahlwerker lernt seit seiner Diagnose viel über Medizin dazu. "Ich wurde hier immer gut betreut und aufgeklärt", sagt der Patient, der fast 50 Jahre lang im Gröditzer Stahlwerk gearbeitet hat. "Immer wieder kamen Mitarbeiter zu mir, um mir zu erklären, wie es weitergeht."

Das hört Professor Stöltzing gern. Denn das Elblandklinikum Riesa lässt sich gerade als Darmkrebszentrum zertifizieren. Ein Ziel dabei ist es, einen möglichst eingespielten Ablauf zwischen allen Beteiligten zu schaffen. "Beim Thema Darmkrebs sind ganz viele Spezialisten beteiligt." Die eigenen Mitarbeiter seien hoch motiviert, wichtig sei aber auch eine gute Kooperation mit externen Praxen, der Strahlentherapie, dem Sozialdienst. Da geht es um die spätere Reha oder spezielle Pflegedienste, die auch mit künstlichen Darmausgängen zurechtkommen; da fallen die Ernährungsberatung und die Endoskopie zur Nachsorge rein. "Wir haben zusammen mit der Dresdner Uniklinik auch eine große interdisziplinäre Tumor-Konferenz", sagt Stöltzing.

Seit drei Jahren arbeite man in Riesa auf die Zertifizierung als Darmkrebszentrum hin, im Herbst falle die endgültige Entscheidung.

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Patient Geißler übersteht seine OP sehr gut. Keine Schmerzen, keine Beschwerden nach dem Erwachen aus der Narkose. "Ich wollte schon aufstehen, da habe ich erst gemerkt, dass da Schläuche an mir dranhängen", sagt der Rentner. In mehr als 70 Prozent der Fälle laufe eine Darmkrebs-Operation minimal-invasiv, also mit sehr kleinen Schnitten, sagt Oliver Stöltzing. "Und da sind die Notfallpatienten schon eingeschlossen. Bei den geplanten OPs sind es mehr als 90 Prozent." In solchen Fällen hätten die Patienten - so wie Frank Geißler - weniger Schmerzen und würden schneller wieder mobil.

Der lobt jedenfalls alle Beteiligten, auch die Schwestern und das Reinigungspersonal. "Ich kann mich nicht beschweren, alle waren freundlich." Auch wenn das Essen natürlich nicht ganz wie zu Hause schmeckte. Joghurt gab es da, Wasser, Tee. Sehr viel Tee. "Ich will jetzt nicht gerade sagen, dass ich gleich wieder ins Krankenhaus will", sagt der Gröditzer. "Aber wenn - dann möchte ich wieder nach Riesa."

Nun geht es für ihn weiter mit einer ambulanten Chemotherapie bei einem Riesaer Spezialisten. Um die Termine dafür musste sich der Gröditzer nicht kümmern - das organisiert die Darmkrebs-Koordinatorin im Krankenhaus. Dem Patienten soll es recht sein. "Ich hatte mein ganzes Leben lang wenig mit Ärzten und Krankenhäusern zu tun."

Die Fingerspitze zeigt auf das Problem: Im Darm eines Gröditzers hatte sich ein Tumor gebildet, der zeitnah operiert werden musste.
Die Fingerspitze zeigt auf das Problem: Im Darm eines Gröditzers hatte sich ein Tumor gebildet, der zeitnah operiert werden musste. © Sebastian Schultz

Aber wie entsteht Darmkrebs überhaupt? "Da spielen viele Komponenten eine Rolle", sagt Chefarzt Stöltzing. Wenig überraschend: Alkohol und Rauchen sind nicht gesund, wichtig sei dagegen eine ballaststoffreiche Ernährung. Und das Thema Vererbung kommt dazu. "Das überprüfen wir bei jedem einzelnen Patienten", sagt der 52-Jährige.

Am besten sei es, sich ab einem Alter von 50 aktiv beim Hausarzt nach einer Darmkrebsvorsorge zu erkundigen. Die Krankheit mache sich nicht durch Schmerzen bemerkbar. Und bei einer Darmspiegelung könne man auch Polypen erkennen und entfernen lassen - aus denen dann gar nicht erst Krebs entsteht. Der typische Darmkrebs-Patient sei, wie Frank Geißler, Ende 60. Aber manchmal treffe es auch schon 50-Jährige.

Die Behandlung des Gröditzers fiel mitten in die Corona-Pandemie. Mit den Einschränkungen sei man an den Elblandkliniken aber gut zurechtgekommen, sagt Oliver Stöltzing. "Wir hatten das Glück, dass Corona-Patienten in Meißen konzentriert wurden, sodass wir in Riesa die Tumorpatienten uneingeschränkt behandeln konnten." Allerdings müsse man feststellen, dass die festgestellten Tumore derzeit weiter vorangeschritten seien als üblich. "Womöglich wurden wegen der Pandemie weniger Krebsvorsorge-Untersuchungen besucht." Warnzeichen für Darmkrebs seien jedenfalls Appetitlosigkeit, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust.

"Mir geht es sehr gut", sagt Geißler. "Seitdem ich wieder richtig essen kann." Sogar ein kleines Steak geht schon wieder - solange es nicht zu scharf gebraten ist. "Und nicht zu fettig", ergänzt seine Frau.

*Name von der Redaktion geändert.

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