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Mit dem Kantholz die Meinung gegeigt

In einer Gröditzer Firma wird ein Streit auf handfeste Art ausgetragen – weil der Schläger deshalb seinen Job verliert, kommt er mit einer Geldstrafe davon.

Kanthölzer sind derzeit ein gefragtes Gut. Man sollte sie allerdings nicht einsetzen, um Streitigkeiten auszutragen.
Kanthölzer sind derzeit ein gefragtes Gut. Man sollte sie allerdings nicht einsetzen, um Streitigkeiten auszutragen. © www.imago-images.de

Gröditz. Wo schwer gearbeitet wird, herrscht oft ein rauer Ton. Dass aber bei einem Streit unter Kollegen eine Holzlatte zum Einsatz kommt, dürfte eher selten sein. Genau das passierte im Dezember vorigen Jahres in einem Hydraulikbetrieb in Gröditz.

Zwei der Beschäftigten arbeiten an einer großen Betonschere, und das geht offenbar nicht so harmonisch ab, wie es hätte sein sollen. Es gibt einen Wortwechsel, der damit endet, dass der Jüngere der beiden, nennen wir ihn Alf, zu besagtem Kantholz greift. Er zieht es dem Älteren, der hier Werner heißen soll, quer über die Brust, so dass davon danach ein großes Hämatom zurückbleibt. „Hätte ich den Kopf nicht weggezogen, wäre ich jetzt tot“, sagt Werner im Zeugenstand.

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Wie genau es zu der Auseinandersetzung kam, können weder der Geschädigte noch der Angeklagte wirklich erklären. Letzterer war im Betrieb als guter Arbeiter bekannt, der jede Tätigkeit sehr genau nahm. Aber eben auch als Choleriker, der seine Kollegen schon mal anfuhr, wenn etwas nicht klappte. Das war womöglich der Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung, die schließlich derart eskalierte. Werner gibt zu, Alf im Zuge eines Wortwechsels als „Mistvieh“ tituliert zu haben. Das versetzte den 43-Jährigen derart in Rage, dass er, was er auch zugibt, sein Temperament nicht mehr im Griff hatte.

Allerdings behauptet Alf vor Gericht, sein Kollege habe ihn nicht nur beleidigt, sondern sei auch tätlich geworden, bevor er selbst zur Holzlatte griff. Es soll ein Schlag mit der Hand gewesen sein, vielleicht auch nur eine Ohrfeige, aber zumindest eine gewaltsame Handlung. Alfs Anwalt wird deshalb später auf Notwehr plädieren.

Der Prokurist schaut zu

Diese Verteidigungsstrategie hat allerdings einen Haken. Während der Auseinandersetzung stand nämlich der Firmen-Prokurist unmittelbar neben den beiden. Und der hat von einer Ohrfeige nichts gesehen. Wohl aber den angeklagten Alf, wie er mit dem Kantholz um die Betonschere herumkam und zuschlug. Die beiden hätten das große Gerät zwischen sich gehabt, Werner habe auf einem Schemel gesessen. Höchst unwahrscheinlich also, dass er seinen Kollegen ohrfeigte, ohne gesehen zu werden.

Für Alf hatte der Vorfall im Anschluss an die Tat arbeitsrechtliche Konsequenzen. Er wurde sofort nach Hause geschickt, wenig später folgte die fristlose Entlassung. Momentan prozessiert er gegen seinen früheren Arbeitgeber, um wenigstens eine fristgemäße Kündigung zu erreichen. Strafrechtlich ist der 43-Jährige bisher nicht auffällig geworden. Zwar soll es in der Firma schon früher mal eine ähnliche, aber harmlosere Auseinandersetzung gegeben haben, aber das lässt sich während der Verhandlung nicht erhärten.

Das Kantholz, mit dem Alf zuschlug, gilt als gefährliches Werkzeug, weshalb der Staatsanwalt auf gefährliche Körperverletzung plädiert. Angesichts des Geständnisses sieht er aber davon ab, Freiheitsentzug zu fordern, sondern beschränkt sich auf eine Geldstrafe von 3.000 Euro.

Die Verteidigung bleibt bei ihrer Notwehr-Version und will einen Freispruch erreichen. Dem kann sich Richterin Ingeborg Schäfer nicht anschließen. Sicher habe der Geschädigte den Angeklagten mit seiner Beleidigung provoziert. Das ändere aber nichts an der gefährlichen Körperverletzung. Die Höhe der Geldstrafe setzt das Gericht aber wesentlich niedriger an: Alf kommt mit 1.350 Euro davon. Sicher spielt dabei die Überlegung eine Rolle, dass der Jobverlust den Delinquenten dazu bringen wird, seine Aggressionen künftig besser zu beherrschen.

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