merken
PLUS Riesa

Möbelhaus-Einbrecher im Pech

Ein 41-Jähriger steigt in ein Geschäft in Zeithain ein. Er geht leer aus - richtet aber hohen Schaden an.

In einem Zeithainer Möbelhaus ist ein 41-Jähriger auf Beutezug gewesen. Doch das ging aus seiner Sicht schief.
In einem Zeithainer Möbelhaus ist ein 41-Jähriger auf Beutezug gewesen. Doch das ging aus seiner Sicht schief. © Klaus-Dieter Brühl

Zeithain. Im Sommer 2019 geht es Ronny F.* finanziell miserabel. Der Zeithainer ist hoch verschuldet, rund 50.000 Euro sind mittlerweile zusammengekommen. Und im August 2019 stirbt auch noch seine Mutter. "Ich hatte mit den Kosten für die Bestattung zu kämpfen", sagt der 41-Jährige. Zwischen 3.000 bis 4.000 Euro soll die kosten; das ist Geld, das er nicht hat. Also fasst der Zeithainer einen Entschluss: Er will im Gewerbegebiet an der Teninger Straße einbrechen, nicht weit entfernt von seiner damaligen Wohnung in der Nikopoler Straße.

Die Idee, sich auf diese Weise Geld zu beschaffen, kommt nicht aus heiterem Himmel. Ronny F. hat schon in den 90er-Jahren Diebstähle begangen. Eine Zeit lang hatte er sich auf Einbrüche in Gaststätten spezialisiert, ehe ihm ein Gericht in Franken eine Freiheitsstrafe aufbrummte. Seit einigen Jahren hat sich F. nichts mehr zuschulden kommen lassen - bis zu jener Nacht.

Anzeige
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig

Die Berufsakademie (BA) Sachsen in Riesa und Leipzig lädt Studieninteressierte am 13. März 2021 zum digitalen Tag der offenen Tür mit Praxispartnern ein.

4.000 Euro Schaden - und keine Beute

Wirklich geplant sei der Einbruch in das Zeithainer Möbelhaus allerdings nicht gewesen, sagt Ronny F. Er spricht von einem eher spontanen Entschluss. Mit dem Pfosten eines Weidezauns schlägt F. ein Fenster ein, bahnt sich dann mit brachialer Gewalt den Weg bis in die Büroräume des Hauses. Besonders glücklich ist er dabei am Ende nicht: Den Schlüssel zu einem Dienstwagen nimmt er erst an sich, um womöglich den Sprinter zu stehlen und später zu Geld zu machen. Die Sache überlegt er sich dann aber offenbar anders: Der Schlüssel ist am Ende weg, das Auto aber noch da.

Statt des Fahrzeugs nimmt F. einen Wandtresor mit, den er mit einem Maulschlüssel aus der Verankerung löst. Aber die Pechsträhne des Einbrechers hält an: Nach Angaben des geschädigten Unternehmens waren wohl weniger als 50 Euro Bargeld in dem Tresor. Bestätigen kann Ronny F. das nicht. "Ich hab den Tresor später weggeschmissen", behauptet er. "Er hat sich leer angehört."

Ohne Beute zieht der glücklose Einbrecher am Ende ab - und hat dabei vor allem einen beträchtlichen Schaden hinterlassen. Diverse Scheiben, eine Brandschutztür, der Autoschlüssel, der nicht mehr auftaucht - rund 4.000 Euro Schaden sind laut Staatsanwaltschaft am Ende des Diebeszugs zusammengekommen. Die Polizei kommt F. schnell auf die Schliche. Beim Einschlagen der Scheiben hat er sich verletzt, die Kriminalbeamten analysieren die Blutspuren - und landen einen DNA-Treffer bei dem vorbestraften Deutschen. Der war noch ein zweites Mal in das Möbelhaus eingebrochen, wie er vor dem Amtsgericht gesteht. Im zweiten Fall ist noch keine Anklage erhoben worden.

Der Fall sei schon "nicht ganz ohne", sagt Staatsanwalt Dieter Kiecke, schließlich habe Ronny F. auf seiner Diebestour gleich mehrere Hindernisse überwunden. Am Ende sei die Tat "relativ sinnlos" gewesen. Kiecke plädiert dafür, in dem Fall die Kirche im Dorf zu lassen. Zwar stehe F., der mittlerweile im Landkreis Nordsachsen lebt, unter Führungsaufsicht. Die letzte Verurteilung aber stamme aus dem Jahr 2015, sei also einige Zeit her.

Auch Verteidiger Johannes Keizers sagt, das Bemühen seines Mandanten, Fuß zu fassen, sei erkennbar. "Ich hoffe, dass es ihm gelingt." Richter Herbert Zapf verurteilt Ronny F. letztendlich für den Diebstahl zu einer einjährigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem soll F. 60 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. "Ich habe den Eindruck, dass Sie jetzt ohne Straftaten leben können", sagt Herbert Zapf - und schiebt noch eine Mahnung hinterher: "Ich hoffe, dass ich mich da nicht täusche."

*Name geändert

Weitere Nachrichten aus Riesa und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa