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"Nicht von Werbeflyern blenden lassen"

In Riesa lockten fahrende Händler mit Angeboten für Pelze und Gold. Dahinter steckt vermutlich eine Betrugsmasche. Aber wie erkennt man seriöse Angebote?

Die Stadt Riesa warnt vor dubiosen Pelzhändlern, die es eigentlich vorrangig auf Gold abgesehen haben. Auch die Polizei war mit dem Fall befasst.
Die Stadt Riesa warnt vor dubiosen Pelzhändlern, die es eigentlich vorrangig auf Gold abgesehen haben. Auch die Polizei war mit dem Fall befasst. © Eric Weser; Lutz Weidler / Montage: SZ

Riesa. Auf den ersten Blick sieht es lukrativ aus: Eine vierstellige Geldsumme verspricht die Werbeanzeige für den Ankauf von Pelzmänteln aller Art. Unter dem Angebot steht eine Handynummer, der Sitz des Unternehmers: die Goethestraße in Riesa.

Vor solchen Angeboten hat jetzt die Riesaer Stadtverwaltung ausdrücklich gewarnt - und dabei auch die Vermutung geäußert, dass kriminelle Machenschaften dahinter stecken. "Die Mitarbeiterinnen unserer Verwaltung haben großformatige Annoncen in Zeitungen gesehen", erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. Weil man sich zum Gewerberecht auf dem Laufenden halte und mit anderen Städten austausche, seien solche Sachen bereits bekannt, zudem seien weitere Hinweise von Riesaern ans Rathaus herangetragen worden. 

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Das eigentliche Ziel der Händler sei es, an Goldschmuck der gutgläubigen Kunden heranzukommen, so die Warnung aus dem Rathaus. Das Ordnungsamt unterband die Masche zunächst aus formalen Gründen: Der Goldankauf als reisendes Gewerbe ist nicht erlaubt, das Amt untersagte den Betrieb – und der Bürgerpolizist, der mit dabei war, nahm die Personalien auf. Die Zusammenarbeit zwischen Amt und Polizei habe in diesem Fall sehr gut geklappt, lobt Riesas Revierleiter Andreas Wnuck. 

Fälle in Görlitz und Hoyerswerda

Inwiefern konkrete Straftaten nachweisbar waren und weshalb die Pelzankäufer  schon polizeibekannt waren, konnte Revierleiter Andreas Wnuck am  Mittwoch noch nicht detailliert ausführen. Der Fall liege mittlerweile bereits einige Wochen zurück, der damit befasste Beamte sei gerade nicht im Dienst. Stadtsprecher Uwe Päsler verweist aber auf Erfahrungen aus anderen Kommunen. "Es hat wohl anderenorts Fälle gegeben, dass Personen für ihr Gold deutlich unter Wert bezahlt worden sind. Und dann war's weg ..."

Völlig abwegig wäre das nicht, bestätigt Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale in Sachsen. "Uns sind ähnliche Fälle aus Görlitz und Hoyerswerda bekannt." Die Anbieter machten sich den seriösen Eindruck zunutze, den eine Annonce oder ein gedruckter Flyer erwecken kann. Das sei das Einfallstor – bei Pelzankauf genau wie bei Firmen, die etwa Teppich- oder Fassadenreinigung anbieten. Während letztere für Minderleistungen Wucherpreise verlangen, versuchten erstere meistens, Goldschmuck und Pelze abzugreifen und ohne Bezahlung zu verschwinden. Beide setzen laut Claudia Neumerkel auf den Faktor Überrumpelung. Die Geschädigten seien häufig Senioren. 

Neumerkel stellt in dem Zusammenhang klar: "Uns sind keine seriösen Firmen bekannt, die mit Annoncen und Flyern agieren. So lukrativ auch die Werbeflyer sind, man sollte sich nicht blenden lassen." Wer eine Firma oder einen Händler suche, sollte ortsansässige Betriebe kontaktieren, sagt sie. "Ein Indiz können die Gelben Seiten sein. Wer dort steht, betreibt wahrscheinlich kein auf Kurzfristigkeit angelegtes Abzock-Geschäft." Generell sei es nicht ratsam, fremde Leute in die Wohnung zu lassen – oder falsche Scheu an den Tag zu legen. "Wenn Ihnen etwas nicht koscher vorkommt, oder sie sich überrumpelt fühlen: Rufen Sie die Polizei!"

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