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Oschatzer Waagen wiegen weltweit

Ein rundes Jubiläum hatte wegen Corona ausfallen müssen. Doch Riesas Nachbarstadt wollte sich damit nicht zufriedengeben.

Ein Rätsel bleibt: Warum das Oschatzer Waagen-Denkmal gerade an dieser Stelle steht, wissen auch Dana Bach vom Museum und Jörg Ulmitz von der Oschatzer Waagen GmbH
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Ein Rätsel bleibt: Warum das Oschatzer Waagen-Denkmal gerade an dieser Stelle steht, wissen auch Dana Bach vom Museum und Jörg Ulmitz von der Oschatzer Waagen GmbH nicht. © Axel Kaminski

Von Axel Kaminski

Oschatz. Es gibt viele mögliche Titel, um die sich eine Stadt bewerben oder die sie sich selbst geben kann: Sportstadt, Barockstadt, Lutherstadt, Heidestadt … „Oschatz ist etwas Besonderes. Wir sind Stadt des Waagenbaus“, sagt Dana Bach, Leiterin des Stadt- und Waagenmuseums am Mittwoch bei der Übergabe des renovierten Gedenksteines für die Waagenfabrikation in Oschatz.

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Im April 1845 hatte Ernst Friedrich Pfitzer seine Zeugschmiede, in der Waagen hergestellt wurden, gegründet. Es blieb nicht der einzige Betrieb dieser Art in Oschatz.

Dana Bach hatte im vergangenen Jahr, zum 175. Jubiläum der Waagenbautradition, einen thematischen Stadtrundgang vorbereitet, der wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. Zum 176. Gründungstag der ersten Oschatzer Waagenfirma sollte wenigstens der 1988 errichtete Gedenkstein wieder ein Schmuckstück sein.

„Ich freue mich sehr darüber, dass die Oschatzer Waagen GmbH sofort zugesagt hat und für uns ein super Partner war“, betonte Dana Bach. Der Gedenkstein, der an die Form einer Zeigerkopfwaage angelehnt ist, erinnert nicht nur an eine Tradition. Er ist auch Zeichen dafür, dass in Oschatz immer noch Waagen gebaut werden. Allerdings nicht mehr mit Zeigern und Skalen, wie Jörg Ulmitz, einer der beiden Gesellschafter und Geschäftsführer der Oschatzer Waagen GmbH, erläutert.

Bier, Zement, Katzenstreu

Heute würden Biegestäbe eine wichtige Rolle beim Bestimmen von Massen spielen. Allerdings seien solche Zeigerkopfwaagen noch an einigen Stellen in Betrieb. Die einzig verbliebene Oschatzer Firma dieser Branche habe sich auf Bau von Waagen für Schüttgüter konzentriert. Federzug- und Fahrzeugwaagen würden hingegen nicht mehr zur Produktionspalette gehören.

Dennoch seien die Betätigungsfelder breit. Egal, ob Urkrostitzer oder Paulaner – weltweit würden zum Abwiegen des Malzes Waagen aus Oschatz genutzt. Gewogen und verpackt würden von Oschatzer Erzeugnissen unter anderem auch Zement, Holzkohle oder Katzenstreu. Dazu würden auch Lösungen gehören, um die bei einigen Schüttgütern entstehenden explosiven Staub-Luft-Gemische zu vermeiden.

20 Jahre gut gewogen

Der Waagenhersteller beschäftigt nach Angaben von Jörg Ulmitz aktuell 16 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende. „Sie sind keine Waagenbaulehrlinge mehr, sondern Mechatroniker“, erläutert er. Denn auch in dieser Branche spiele neben der Mechanik mittlerweile die Elektronik eine wichtige Rolle.

Neben dem Bau von Waagen biete man der Kundschaft alle Leistungen, die im Lebenszyklus solch einer Anlage anfallen, von der Montage über die Eichung bis zur Wartung. Besonders schön sei es dann, wenn sich – wie kürzlich geschehen – ein Kunde melde, dessen Oschatzer Waage 20 Jahre lang zur Zufriedenheit funktioniert habe, nun aber ersetzt werden müsse. Natürlich wieder durch ein Fabrikat aus Oschatz.

Nicht mehr nachvollziehbar ist, warum der Gedenkstein für den Waagenbau zur Oschatzer 750-Jahr-Feier ausgerechnet an dem Standort errichtet worden ist, wo er nun in frischem Glanz erstrahlt. Einen Bezug zu einer der einst zahlreichen Firmen dieser Branche gibt es nicht.

Dana Bach findet die Kreuzung an der Oberschule dennoch sehr praktisch. Wer vom Bahnhof ins Stadtzentrum laufe, komme nicht daran vorbei und bekomme quasi als Anregung den Besuch im Stadt- und Waagenmuseum empfohlen, das in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar sei. Die Museumsleiterin hofft, dass die Gäste der Stadt und auch die Einheimischen diesem Tipp bald wieder Folge leisten können. Vor dem nächsten Jubiläum des Waagenbaus kann das Museum selbst erst einmal feiern. Die Waagensammlung ist seit 1982 Bestandteil des Museums, wird also 2022 auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken können.

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