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Polizei beendet Autorennen auf der B 169

Zwei Dodge-Viper-Fahrer wollen es zwischen Zeithain und Riesa ganz genau wissen. Allerdings schauen sie dabei nicht in den Spiegel.

Zwei Sportwagen Dodge Viper trafen jetzt auf der B 169 aufeinander. Nun müssen ihre Fahrer das Taxi nehmen. (Symbolfoto)
Zwei Sportwagen Dodge Viper trafen jetzt auf der B 169 aufeinander. Nun müssen ihre Fahrer das Taxi nehmen. (Symbolfoto) © Wikimedia.org/grendelkhan/CC:BY.SA 3.0

Zeithain/Riesa. Wer schafft die Viertelmeile am Schnellsten? Das ist das Ziel beim Beschleunigungsrennen. Und da gilt es, an der Startlinie alle Aufmerksamkeit nach vorn zu lenken. Und so hielten es offenbar auch die Fahrer der beiden Dodge Viper, die am Sonntagnachmittag nebeneinander an einer roten Ampel auf der B 169 bei Riesa hielten. Sonst hätten sie womöglich bemerkt, dass sich ein Stück weit hinter ihnen ein Polizeiwagen angestellt hätte.

So ließen sie sich am Abzweig Moritz nicht beirren - und zeigten beim Grünwerden, was unter der Motorhaube steckt. "Offenkundig haben sich die beiden Fahrer ein Beschleunigungsrennen geliefert", sagt Andreas Wnuck, Leiter des Polizeireviers Riesa.

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Seine Kollegen hatten am Sonntag gegen 16.30 Uhr zu tun, den beiden US-Sportwagen zu folgen. Um die 180 Stundenkilometer seien die Fahrzeuge unterwegs gewesen, bevor sie gestoppt werden konnten. Immerhin, die Fahrer hielten an, als sie das Blaulicht dahinter bemerkten. Einer kam am Abzweig Bobersen zu stehen, der andere vor der Riesaer Elbbrücke.

Die beiden Dodge Viper - auch unter dem Namen Chrysler oder SRT Viper verkauft - waren lange das leistungsstärkste Modell der Marke Dodge. Gebaut von 1992 bis 2017 hat der Sportwagen um die acht Liter Hubraum, zehn Zylinder und je nach Modell 400 bis 649 PS. Wichtig beim Beschleunigungsrennen: Das letzte gebaute Modell braucht 3,9 Sekunden von Null auf Hundert, Schluss ist dann erst bei Tempo 330.

Ziemlich zügig waren die beiden Sportwagen auch schon vorher dem Start an der Ampel unterwegs: Das war den Polizisten aufgefallen, die sich einen Kilometer zuvor an der B 169 in Höhe Kieswerk postiert hatten, um den Verkehr zu überwachen. So landeten sie einen Volltreffer: Denn auf dem Abschnitt, wo sich die Dodge mit etwa Tempo 180 das Rennen lieferten, gilt Tempo 70. Schließlich macht die zweispurige Bundesstraße dort eine leichte Kurve, in der Linksabbieger Richtung Bobersen ohne Ampel die Fahrbahn kreuzen müssen.

Am Kieswerk Zeithain hatte sich die Polizei am Sonntag postiert, um den Verkehr auf der B 169 zu überwachen.
Am Kieswerk Zeithain hatte sich die Polizei am Sonntag postiert, um den Verkehr auf der B 169 zu überwachen. © Lutz Weidler

Dort endete dann das Rennen mit einer bösen Überraschung für die beiden 45 und 63 Jahre alten Fahrer: Die Deutschen mussten nicht nur gleich ihren Führerschein abgeben, sondern auch ihre Autos stehen lassen. "Der Bereitschaftsstaatsanwalt ordnete die Beschlagnahme von Führerscheinen und Fahrzeugen an", sagt Andreas Wnuck.

Die beiden Sportwagen - gebraucht ist das Modell für Preise von 50.000 bis 200.000 Euro zu haben - sind nun bei einem Abschleppdienst eingelagert. Wann sie wieder abgeholt werden dürfen, entscheidet der Staatsanwalt. Damit verhält es sich ähnlich wie mit dem unlängst beschlagnahmten "Gold-Porsche" in Dresden.

Der Vorfall an sich erinnert allerdings eher an das verbotene Autorennen vom vergangenen Sommer in Dresden, für das derzeit zwei Syrer vor Gericht stehen: Bei dem Vorfall war ein syrisches Kind überfahren und tödlich verletzt worden.

Gegen die beiden Männer von der B 169 wird jetzt ebenfalls wegen verbotenen Kraftfahrzeugrennens ermittelt. Auf diese Straftat drohen bis zu zwei Jahre Haft, bei einer Gefährdung fünf Jahre, bei tödlichem Folgen bis zu zehn Jahre. Mindestens aber dürfte eine erhebliche Geldstrafe herauskommen.

Riesas Revierleiter geht nicht davon aus, dass es sich bei dem Vorfall um ein zuvor abgesprochenes Rennen handelte: Dafür würden sich die Teilnehmer im Regelfall keinen Sonntagnachmittag aussuchen und auch keine stark befahrene Bundesstraße wie die B 169. Bislang seien verbotene Kraftfahrzeugrennen die Ausnahme im Revierbereich Riesa. "Meist kommt es zu dem Fall, wenn Autos vor der Polizei flüchten wollen." Aber die Vorfälle zuletzt aus Dresden und jetzt von der B 169 würden in eine bedenkliche Richtung zeigen, sagt Andreas Wnuck. "Sicht mit Fahrzeugen zu duellieren, ist in der Gesellschaft angekommen."

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