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Riesaer Retter vor dem Umzug

12.000 Einsätze absolviert der Rettungsdienst pro Jahr in der Sportstadt. Bald werden sich die Bedingungen deutlich verändern.

Zwei von 70 Mitarbeitern des Riesaer Rettungsdienstes: Robert Malchau (li) und Ronny Balog.
Zwei von 70 Mitarbeitern des Riesaer Rettungsdienstes: Robert Malchau (li) und Ronny Balog. © Sebastian Schultz

Riesa. Leuchtend rotweiß ist der Garagenkomplex, genauso wie das Haus daneben: Noch starten die Riesaer Rettungsfahrzeuge von der Zentrale des DRK-Kreisverbands aus - an der Külzstraße unweit des Krankenhaus-Kreisels. Doch das wird sich bald ändern: Der Landkreis baut für fast fünf Millionen Euro eine neue Rettungswache direkt auf dem Krankenhaus-Areal. Dann werden sich etliche Rettungssanitäter und Notärzte an neue Wege gewöhnen müssen.

Insgesamt 70 Mitarbeiter zählt der Betreiber, die DRK-Rettungsdienst Riesaer Elbland gGmbH. Sie betreibt neben der Wache am Riesaer Krankenhaus auch noch Standorte in Riesa-Gröba, Gröditz und Glaubitz. In Riesa-Mitte selbst sind etwa 20 tätig, 18 weitere in Gröba. Zusammen rücken allein die Mitarbeiter der beiden Riesaer Wachen laut Landratsamt zu rund 12.000 Einsätzen im Jahr aus, im ersten Halbjahr 2021 waren es gut 5.800. Dabei gibt es keine Öffnungszeiten - gearbeitet wird rund um die Uhr in zwei Schichten.

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Bislang ist die Riesaer Rettungswache in der Kreis-Geschäftsstelle des DRK Riesa untergebracht.
Bislang ist die Riesaer Rettungswache in der Kreis-Geschäftsstelle des DRK Riesa untergebracht. © Sebastian Schultz

Unterwegs sind die Frauen und Männer in der orangefarbenen Warnkleidung nicht nur zu Rettungseinsätzen wie Herzinfarkten oder Verkehrsunfällen. Weil sich die Krankenhäuser zunehmend spezialisieren, gibt es häufig Verlegungsfahrten in andere Kliniken - etwa Schlaganfall-Patienten nach Meißen, Herzpatienten nach Leipzig oder Dresden.

Die Wache allerdings ist schon fast ein halbes Jahrhundert am selben Standort: 1972 wurde das Gebäude damals noch für die "Schnelle Medizinische Hilfe" der DDR eröffnet. "Bis dahin waren die Barkas B 1000 im Klosterhof hinter dem Rathaus untergebracht", erinnert sich Falk Glombik, Vorstand des DRK-Kreisverbands Riesa.

Und wie sind die Arbeitsbedingungen heute? "Nicht schlecht", sagt Rettungsdienst-Chef Reiko Pöschl. Immerhin seien heute alle Räume klimatisiert - ein Neubau sei das DRK-eigene Gebäude aber trotzdem nicht. "Auch wenn er immer modernisiert wurde", ergänzt Falk Glombik. Aber eine Notstrom-Versorgung, wie sie der Landkreis für den neuen Standort plant, gibt es hier nicht: "Und ohne Strom geht bei uns nichts mehr", sagt Reiko Pöschl.

Auch Glombik selbst sieht den Bedarf, die Rettungswachen auf aktuellen Stand zu bringen. "Seit der Wende wurden an vielen Stellen neue Feuerwehr-Häuser gebaut. Es wird Zeit, dass auch was bei den Rettungswachen passiert." Tatsächlich plant der Kreis Meißen derzeit nicht nur für Riesa einen Neubau, sondern auch für Thiendorf, Moritzburg, Lommatzsch, Großenhain.

Reiko Pöschl ist Chef des Riesaer DRK-Rettungsdienstes.
Reiko Pöschl ist Chef des Riesaer DRK-Rettungsdienstes. © Sebastian Schultz

Das Exemplar für Riesa soll mehrgeschossig am Hang hinter dem Krankenhaus entstehen. Wichtig: Die Einsatzkräfte müssen extrem schnell von den Aufenthaltsräumen zu den Fahrzeugen kommen. Die Ausrückzeit ist streng vorgegeben. Wie bei Berufsfeuerwehren darf zwischen Alarmierung und Ausrücken maximal eine Minute vergehen. Tatsächlich sollen auch in der neuen Wache Garage und Aufenthalts- und Ruheräume auf eine Ebene kommen, um die Wege kurz zu halten.

Zu der einen Minute Ausrückzeit kommen noch maximal zehn Minuten Fahrtzeit zum Einsatzort. "Das erreichen wir derzeit fast überall", sagt Falk Glombik. Allerdings könnte das aus der neuen Wache sportlich werden - denn dann müssen die Fahrzeuge erst quer durchs Krankenhausgelände fahren. "Das geht nicht mit 80, eher im Schritttempo", fürchtet man beim DRK.

So sieht es in einem Ruheraum bei den Riesaer Rettungssanitätern aus.
So sieht es in einem Ruheraum bei den Riesaer Rettungssanitätern aus. © Sebastian Schultz

Beim Rettungsdienst hätte man sich wohl auch über einen anderen Standort gefreut, der für die neue Riesa-Wache im Gespräch war: an der Ecke Rostocker/Nossener Straße, schräg gegenüber von Mc Donalds. Dort vom Stadtrand aus wäre man schnell auf der B 169 gewesen und auch gut nach Weida oder Stauchitz gekommen. Mitten in der Stadt dagegen, so die Erfahrung, beschweren sich schon mal Anwohner über das regelmäßige Tatütata. "Aber das können wir nicht einfach ausmachen", sagt Reiko Pöschl. "Das Sonder- und Wegerecht haben unsere Fahrer nur mit Blaulicht und Sondersignal gleichzeitig." Sonst gibt es Ärger bei einem Unfall.

Wichtig ist den Einsatzkräften, die Laufwege im Neubau sauber zu trennen: "Die Kollegen kommen öfter auch mal kontaminiert zurück, da kann man nicht einfach ins Fernsehzimmer laufen", sagt Falk Glombik. Blut, Erbrochenes, Stuhl - schon beim Umgang mit Schlaganfall-Patienten könne was auf die Einsatzkleidung gehen, von Fällen mit offener Tuberkulose gar nicht zu reden. Und Covid-19 kam dann 2020 noch dazu. "Wichtig sind auf jeden Fall kurze Wege zu den Duschen", sagt Reiko Pöschl.

Wichtig sei heute auch eine ordentliche Trennung der Räume nach Geschlechtern: War der Rettungsdienst zu DDR-Zeiten fast eine reine Männerdomäne, sind Männer und Frauen heute etwa gleichstark vertreten.

Nachwuchs immerhin gebe es genug. "Bei den Bewerbungen für den Rettungsdienst haben wir null Probleme", sagt DRK-Kreischef Falk Glombik. Komplizierter sei es in anderen Geschäftsfeldern, in denen das DRK aktiv ist. Bei Kitas etwa, vor allem in der Pflege. "Da ist es ganz schwer."

Genug zu tun gebe es im Rettungsdienst jedenfalls. Gefühlt sei die Einsatzfrequenz deutlich gestiegen, sagt Reiko Pöschl - eine Statistik führe aber nur das Landratsamt.

Eine Visualisierung der geplanten neuen Rettungswache - am Hang hinter dem Riesaer Krankenhaus.
Eine Visualisierung der geplanten neuen Rettungswache - am Hang hinter dem Riesaer Krankenhaus. © Planungsgruppe Prof. Sommer, Architekt und Co. Gmb

Dort lässt sich diese gefühlte Steigerung nicht mit Zahlen belegen. Der Landkreis stellt aber fest, dass die Corona-Pandemie deutliche Folgen für die kreisweiten Einsatzzahlen hatte: So seien im Frühjahr 2020 die Krankentransporte um etwa ein Drittel eingebrochen - wegen verschobener Arztbesuche und planbarer OPs. Dafür habe es im November/Dezember einen rapiden Anstieg der Rettungs-Einsätze gegeben - wegen vieler Covid-19-Einweisungen und -Verlegungen. "Im Januar/Februar 2021 entfielen diese mit sinkender Inzidenz, was eine deutliche und weit unter dem Durchschnitt liegende Auslastung der Rettungstransportwagen mit sich brachte", teilt das Landratsamt mit.

Vergleiche man aber die Vor-Covid-Jahre 2015 und 2019, seien die jährlichen Einsätze im Rettungsdienst des Landkreises insgesamt sogar gesunken - um 1,2 Prozent. Krankentransporte und Notarzt-Einsätze seien dabei deutlich zurückgegangen, Rettungseinsätze dagegen gestiegen. Den Rückgang bei den Notarzt-Einsätzen erklärt man sich beim Landratsamt unter anderem durch häufigere Verlegungsfahrten - die nicht durch Notärzte, sondern Klinik-Ärzte begleitet werden. Zudem verweist der Kreis auf die demografische Entwicklung: Das Durchschnittsalter der Einwohner steigt.

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Stimmt es eigentlich, dass mancher den Rettungsdienst missbraucht, weil er keine Lust auf das Wartezimmer beim Arzt hat? "Ja, das kommt leider immer wieder vor", sagt Reiko Pöschl. Richtige Stammkunden gebe es da, manchmal wären mehr als 70 Prozent der Einsätze eigentlich gar kein Fall für den Rettungsdienst.

© SZ Grafik

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