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Riesa: Stromnetz soll sturmfest werden

Knicken Hochspannungsmasten um, gehen die Lichter aus. Deshalb wird nun an der Elbe gearbeitet.

Erst abgespannt, dann ausgetauscht: An diesem Hochspannungsmast an der Elbe bei Riesa wird gerade gearbeitet. Hintergrund sind drohende Stürme.
Erst abgespannt, dann ausgetauscht: An diesem Hochspannungsmast an der Elbe bei Riesa wird gerade gearbeitet. Hintergrund sind drohende Stürme. © Klaus Dieter Bruehl

Zeithain. An Sturm Friederike wird sich mancher im Elbland noch erinnern können: 2018 gingen im Elbland bei Tausenden Stromkunden die Lichter aus - in privaten Haushalten ebenso wie bei Unternehmen. An zahlreichen Stellen hatte der Sturm dafür gesorgt, dass Überlandleitungen rissen. Ein Jahr davor hatte ein lokaler Tornado im Nachbarlandkreis Elbe-Elster gleich mehrere Masten einer Hochspannungstrasse umknicken lassen.

Das soll sich nicht wiederholen - und deshalb wird derzeit am Elberadweg zwischen Gohlis und Bobersen gearbeitet. Dort kreuzt die 380.000-Volt-Höchstspannungsleitung Streumen-Eula die Elbe. Dicke Stahltrossen sichern neuerdings den Mast in alle vier Richtungen. Der Kettenbagger vor Ort wirkt geradezu winzig im Vergleich zur Stahlgitterkonstruktion, die in den Himmel ragt.

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Vier stabile Stahlseile sichern jetzt den Mast an der Elbe. Der im Vordergrund überquert den Elberadweg.
Vier stabile Stahlseile sichern jetzt den Mast an der Elbe. Der im Vordergrund überquert den Elberadweg. © Klaus Dieter Bruehl

Die Baustelle am Elberadweg gehört zum Mastersatz- und Mastverstärkungsprogramm des Netzbetreibers 50Hertz: Auf dem Abschnitt zwischen dem Umspannwerk Streumen (Gemeinde Wülknitz) und Eula (bei Borna) werden insgesamt 17 neue Masten errichtet und 100 Masten verstärkt. "Nahe der Elbe werden aktuell die Hochwasserfundamente vorbereitet, um auch hier die Masten austauschen zu können", sagt Unternehmenssprecher Volker Gustedt.

Um neue Fundamente setzen zu können, müssen zunächst allerdings Gruben ausgebaggert werden. Zur Sicherheit werden daher die bestehenden Masten mit Stahlseilen abgespannt, um ihre Standsicherheit zu gewährleisten, bis ein neuer Mast steht. Das zieht sich: Die Arbeiten am gesamten Streckenabschnitt werden noch dieses Jahr andauern. Im Sommer sollen die neuen Masten aufgestellt werden, dann wird auch die Elbe neu mit Stromleitungen überspannt.

Ein Vergleich mit dem Kettenbagger zeigt, wie groß der Hochspannungsmast ist.
Ein Vergleich mit dem Kettenbagger zeigt, wie groß der Hochspannungsmast ist. © Klaus Dieter Bruehl

50Hertz kooperiert dabei mit Spezialisten - etwa dem Unternehmen EQOS aus Biberach (Baden-Württemberg) und Europten aus Wien. Wenn nicht gerade starker Wind weht - dann gibt es aus Sicherheitsgründen eine Baupause - arbeite man eingespielt zusammen. Eintönig wird die Arbeit dennoch nicht. Schließlich sind bei solchen Maßnahmen doch nicht nur Flüsse wie die Elbe zu überqueren, sondern auch Autobahnen, Bahnlinien, andere Stromleitungen. "In diesen Fällen werden teilweise auch provisorische Hilfsmasten gesetzt", erklärt Gustedt.

Üblicherweise aber würden vier Krane die Leiterseile in der Luft halten, bis der neue Mast errichtet ist. Die neuen Masten werden vormontiert in bis zu zehn Einzelelementen zur Baustelle geliefert und dann vor Ort von den Freileitungsmonteuren errichtet. Das geht relativ fix: Für Abbau und Aufbau von Masten brauche man in der Regel zwei Tage.

Das Bauprogramm soll das Hochspannungsnetz sturmfest machen. "Das Programm basiert auf einer bestimmten Anwendungsrichtlinie, die nach dem sogenannten 'Münsterlander Schneechaos' im Jahr 2005 verschärft worden ist", sagt Volker Gustedt. Damals vereisten Freileitungen ungewöhnlich stark, was sie schwerer machte. Gleichzeitig kamen stürmische Winde, was etliche Hochspannungsmasten umknicken ließ. Eine Viertelmillion Menschen war damals von Stromausfällen betroffen.

Hier in der Region erinnert der 50Hertz-Sprecher an die Sturmschäden 2017 bei Schadewitz/Elbe-Elster: Die dort umgeknickten Masten gehörten zur Leitung Preilack-Streumen, die an den aktuellen Bauabschnitt anschließt.

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Dort ist man schon ein Stück weiter: Zwischen Preilack (Brandenburg) und Streumen wurden seit September 2019 insgesamt 120 Gittermasten verstärkt. Zusätzlich wurden an neuralgischen Punkten 25 Masten ausgetauscht. Damit war man 2020 fertig geworden. Insgesamt werden im 50Hertz-Netzgebiet 2.400 Strommasten verstärkt und 425 Masten ausgetauscht. Das gesamte Programm soll 2023/2024 abgeschlossen sein. Kosten insgesamt: ein dreistelliger Millionenbetrag.

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