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Riesa: Fahrradteile werden knapp

Die Radläden dürfen nur noch eingeschränkt öffnen. Und während immer mehr Leute aufs Rad steigen, droht ein weiteres Problem.

Die Fahrradwerkstätten wie hier beim Riesaer Ronald Weser dürfen auch unter den aktuellen Regeln auf bleiben. Beim Verkauf gelten aber wieder Einschränkungen.
Die Fahrradwerkstätten wie hier beim Riesaer Ronald Weser dürfen auch unter den aktuellen Regeln auf bleiben. Beim Verkauf gelten aber wieder Einschränkungen. © Sebastian Schultz

Riesa. Ein Blick auf den Elberadweg zeigt: Seit ein Lockdown den anderen ablöst, liegt Radfahren im Trend. Gleichzeitig treffen die aktuellen Schließungs-Regeln aber die Radläden: Die Werkstätten dürfen zwar weiter offen bleiben, beim Verkauf ist aktuell aber nur noch Click & Collect möglich. "Erst bei einem Inzidenzwert von unter 165 gilt wieder Click & Meet, also Einkaufen mit vorheriger Terminabsprache", heißt es von der Riesaer Filiale des Radhändlers Fahrradkette an der Klötzerstraße. "Solange ist nur Online-Bestellen und Abholung erlaubt."

Gleichzeitig werden aber, das bestätigen mehrere Händler, die Ersatzteile knapp. „Einen Mangel gibt es bei fast allen Ersatzteilen. Das betrifft alle Hersteller. Aber noch sind wir gut sortiert, weil wir schon letztes Jahr im Sommer alles für Reparaturen bestellt haben“, sagt Ronald Weser vom gleichnamigen Fahrrad-Center auf der Riesaer Hauptstraße.

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Eine Ursache für die Knappheit ist der Fahrrad-Boom von 2020. Auch E-Bikes waren im Vorjahr gefragt wie nie. Doch das bequeme Radeln hat auch einen kleinen Nachteil, wenn man vom relativ hohen Preis der E-Bikes mal absieht. „Aufgrund des Antriebes ist der Verschleiß bei den Ketten und den Bremsen höher als bei normalen Fahrrädern“, erklärt der erfahrene Mountainbiker.

Weniger Flugzeuge, langsamere Transporte

Während viele Radsportler ihre Renner schon im Winter zur Durchsicht gebracht haben und längst wieder auf den Straßen unterwegs sind, ist das Radel von Otto Normalverbraucher in der ersten Aprilhälfte bei Ekelwetter meist in der Garage oder im Keller geblieben. Wer dann feststellt, dass beispielsweise die Kette so verrostet ist, dass eine neue her muss, kann nun also Schwierigkeiten bekommen.

„Wir haben beispielsweise erst jetzt Lieferungen bekommen, die eigentlich schon am Jahresende 2020 da sein sollten“, berichtet Weser. Ein Grund sind auch Transportprobleme, denn die gefragten Teile von Shimano – dem inzwischen 100 Jahre alten Traditionsunternehmen mit Sitz in Sakai - kommen aus Japan. Viel Luftfracht, die früher in Passagiermaschinen untergebracht wurde, muss nun in Containern auf Schiffen nach Europa gebracht werden. Hier haben sich die Kosten erhöht und das Aluminium für die Rahmen der Räder ist auch teurer geworden.

„Auch unsere Werkstatt, die ja geöffnet ist, kann nicht brummen, weil Teile fehlen“, ärgert sich Ronald Weser. „Wenn der Fahrradmarkt weiter so wächst wie 2020, kann das keiner so schnell auffüllen.“ Wer nun denkt, im Internet ist es mit den Ersatzteilen einfacher, der irrt. Bei einem kurzen Blick auf die Homepage von „Rose Bikes“, einem deutschen Fahrradhersteller und Versandhändler aus Bocholt, zeigt sich auch das Ersatzteilproblem.

Wer beispielsweise einen Continental-Rennradreifen „Grand Prix 5000“ ordern möchte, muss sich bei der Größe 700x23c mindestens fünf Wochen gedulden. Auf der Homepage von „Rose Bikes“ heißt es dazu unter anderem: „Wir warten deutlich länger auf Rahmen und Parts, teilweise werden unsere erwarteten Lieferungen komplett storniert.“ Und weiter: „In Zeiten von Corona haben immer mehr Menschen das Fahrrad für sich entdeckt. Die gesamte Branche kann den Bedarf nur verzögert decken.“

Auf der Homepage von „bike“, einem Mountainbike-Magazin, findet sich zu den Problemen ebenfalls ein ausführlicher Beitrag mit der Überschrift: „Wir brauchen Nachschub!“ Und Ronald Weser bedrückt seit Monaten natürlich auch noch ein anderes Problem. „Uns fehlt die Kundschaft, die normalerweise durch Riesa schlendert und in unseren Laden hereinschaut“, sagt der Geschäftsinhaber des Zweirad-Center, das am 7. Juli seinen 31. Geburtstag feiert und seit 1998 auf der Hauptstraße ansässig ist. Damit dürfte er auch für viele andere Geschäfte in Riesa, dem Landkreis Meißen und ganz Sachsen sprechen.

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