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Riesa: Geplante Dorfschule nimmt Formen an

Reichlich Eltern haben für das alternative Projekt schon Interesse gezeigt - es fehlen nur noch die Lehrer.

Nadine Hauswald gehört zu den Initiatoren der geplanten Dorfschule in Jahnishausen. Sie ist Mutter von zwei Kindern - von denen das große 2022 dort eingeschult werden könnte.
Nadine Hauswald gehört zu den Initiatoren der geplanten Dorfschule in Jahnishausen. Sie ist Mutter von zwei Kindern - von denen das große 2022 dort eingeschult werden könnte. © Sebastian Schultz

Riesa. Im Klassenzimmer hängen schon die ersten Wandzeitungen - wenn man so will. Die geplante freie Schule im Dorf Jahnishausen war im September schon einmal geöffnet, zum Tag des offenen Denkmals. Da kamen die Ausbaupläne der Architektin an der Wand, eine historische Gebäudeansicht, eine Visualisierung des Unterrichtskonzepts. "Im ersten Bauabschnitt wollen wir nur dieses eine Klassenzimmer bezugsfertig machen, dazu noch ein kleines Lehrerzimmer", sagt Nadine Hauswald. Die junge Mutter gehört zum Gründungsteam des Schulprojektes im Riesaer Ortsteil, das schon im nächsten Schuljahr - im Herbst 2022 - an den Start gehen soll.

Mit maximal 14 Kindern soll die Auenwaldschule, der Name steht schon fest, starten. "Wir haben für die Plätze auch schon Interessenten", sagt die 34-Jährige. Vor allem künftige Erst- und Zweitklässler sind darunter, auch einzelne Dritt- und Viertklässler. Denn in Jahnishausen sollen die Kinder jahrgangsübergreifend unterrichtet werden - so wie früher auf dem Dorf, aber nach einem alternativen Konzept. Ohne Schulnoten etwa.

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War schon mal Schule, dann Seniorenclub - und soll nun wieder Schule werden: der denkmalgeschützte Bau in Jahnishausen.
War schon mal Schule, dann Seniorenclub - und soll nun wieder Schule werden: der denkmalgeschützte Bau in Jahnishausen. © Sebastian Schultz

Das stoße in größerem Umkreis auf Interesse: Die Familien, die sich für die geplante Schule begeistern, kommen aus Riesa, Großenhain, Mügeln.

Bis es losgeht, ist aber noch einiges umzubauen. So soll auf der Rückseite der historischen Dorfschule ein Eingang mit Rampe für Rollstuhlfahrer entstehen. Auf der Vorderseite sei das mit Rücksicht auf den Denkmalschutz nicht möglich. Und ohnehin wäre dort zu wenig Platz für die Eltern-Autos, die bei dem größeren Einzugsbereich zweifellos zu erwarten sind: Sie sollen auf der Seerhausener Straße parken, also auf der Rückseite des Areals - von wo dann ein Weg über den künftigen Schulhof zum Gebäude führt.

Einen Zaun rund um das Areal soll es dann auch geben, man sei schon mit der JVA Zeithain für die Anfertigung eines Holzzaunes im Gespräch. Auch die alten Türen würden von Gefangenen aufgearbeitet. Aber auch die Kinder sollen mitgestalten können: "Jedes Kind darf eine Latte am Zaun in einer eigenen Farbe anstreichen können", sagt Nadine Hauswald. Das dürfte bunt werden. Aber wann sind dann alle Latten angemalt? "Wir wollen dann jedes Jahr vier Kinder zusätzlich aufnehmen", sagt die Jahnishausenerin. Die absolute Obergrenze seien 56 Kinder. Das entspräche dann zwei vollen Lehrerstellen, zu denen noch unterstützende Kräfte wie Bufdis, andere Ehrenamtler oder Praktikanten hinzukämen.

Die Pläne der Architektin sind ziemlich konkret: In der rechten Hälfte des Erdgeschosses geht es mit Klassenzimmer und Lehrerzimmer los, in der Mitte kommen Toiletten und Sozialräume hin. Der linke Flügel des Erdgeschosses folgt danach mit Experimentierzimmer, Toberaum, Musikraum, Bibo und Ruheraum. Die obere Etage, wo jetzt noch ein Künstler sein Atelier hat, kommt mit weiteren Lernräumen erst in einem zweiten Bauabschnitt dran. "Der Ausbau soll schrittweise erfolgen, anders geht es nicht", sagt Nadine Hauswald. Schließlich muss so eine Schule in privater Trägerschaft auch finanziert werden - durch Elternbeiträge und Kredite.

Im ersten Jahr will man noch ohne eigene Schulküche auskommen, da suche man wegen der vielen Vorschriften noch nach Lösungen. Perspektivisch könne man sich gut eine Lernküche vorstellen.

Auf der Rückseite ist genug Platz für einen Schulhof, der auch ziemlich grün bleiben soll.
Auf der Rückseite ist genug Platz für einen Schulhof, der auch ziemlich grün bleiben soll. © Sebastian Schultz

Inhaltlich werde das neue Schulprojekt vor allem von Christin Tellisch unterstützt, der früheren Leiterin des Christlichen Gymnasiums in Riesa. Sie schreibe die Rahmenpläne für den Unterricht und setze die Ideen der Mitstreiter praktisch um. Statt Noten wird die Leistung der Schulkinder auf einem Formular eingeschätzt - von den Kindern selbst, dem Lehrer, der Gruppe. "Eigentlich wollen wir hier überhaupt keine Noten verteilen", sagt Nadine Hauswald. Aber für die Bildungsempfehlungen der Viertklässler seien sie nötig, und auch dann, wenn man nicht nur eine "genehmigte", sondern auch eine "anerkannte" Schule sein wolle.

Auf einen strikten Stundenplan nach Unterrichtsfächern verzichte man auf jeden Fall. Die Schultage werden anders strukturiert: Da folgt auf ein Frühstück um acht die Morgenrunde, dann das Wochenprojekt, eine Obstpause, eine Projektarbeit, gemeinsames Bewegen, eine Abschlussrunde.

So seien der Montag bis Freitag jeweils einzeln durchgeplant. Fehlen nur noch die Lehrer. "Das Thema ist noch schwer für uns." Interessenten hätten sich zwar schon gemeldet, es habe aber noch nicht gepasst. Schließlich sei man keine längst existierende staatliche Schule, sondern eine freie Schule, die sich noch in Gründung befinde und erst 2022 anfange. Darauf müssten sich angehende Lehrer einlassen wollen.

Interessierte Eltern jedenfalls sind jetzt zu einem Informationsnachmittag eingeladen. Dort wolle man über Konzept, Schulalltag, Vertragsmodalitäten informieren. "Außerdem würden wir dann gerne schon eine Vorschule mit regelmäßigen Treffen auf die Beine stellen." Dort ließe sich dann bereits klären, wer sich von den Eltern wie einbringen kann - denn bis zum geplanten Schulstart sind es nur noch zehn Monate.

  • Termin für interessierte Eltern: Sonnabend, 16. Oktober 2021, 14 Uhr - Treff an der alten Dorfschule in Jahnishausen, direkt neben der Kirche.
  • www.freie-auenwaldschule.de

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