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Riesa: Jobcenter zieht in frühere Kaserne

Vier Millionen Euro lässt sich das Landratsamt den Umbau der Riesaer Außenstelle kosten. Allerdings passen nicht alle Mitarbeiter rein.

Fast fertig: Die Riesaer Außenstelle des Landratsamts an der Heinestraße ist die derzeit größte Baustelle der Kreisverwaltung.
Fast fertig: Die Riesaer Außenstelle des Landratsamts an der Heinestraße ist die derzeit größte Baustelle der Kreisverwaltung. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Dutzende Landkreis-Mitarbeiter müssen gerade Kisten packen, Hunderte Hartz-IV-Empfänger werden ihre Ansprechpartner bald woanders finden: Die größte laufende Baustelle der Landkreis-Verwaltung steht kurz vor dem Abschluss. Vier Millionen Euro hat der Landkreis in den vergangenen drei Jahren in die Außenstelle an der Riesaer Heinrich-Heine-Straße investiert. Einer der Hauptgründe: Das Jobcenter soll in die frühere Kaserne einziehen. Bislang ist es bei der Arbeitsagentur an der Breitscheidstraße eingemietet, zwei Kilometer weiter, am anderen Ende der Riesaer Innenstadt.

Aber fällig war eine Sanierung nach knapp 30 Jahren Behörden-Nutzung sowieso. Das sieht man an der Fassade, die nach Absprache mit dem Denkmalamt wieder einen sandfarbenen Putz bekommen hat. Und man merkt es gleich, wenn man reinkommt: Lief man am Vordereingang früher quasi direkt gegen die Wand, weil in den 90ern ein Kasten mit einer Glasfront ins Treppenhaus gesetzt wurde, ist das jetzt anders.

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Umgebaut: Der Eingangsbereich an der Vorderseite ist nicht wiederzuerkennen. Vorher war dort ein Glaskasten eingebaut.
Umgebaut: Der Eingangsbereich an der Vorderseite ist nicht wiederzuerkennen. Vorher war dort ein Glaskasten eingebaut. © Klaus Dieter Bruehl

Der Kasten kam wieder raus, so dass der ursprüngliche Zuschnitt des Gebäudes wieder erkennbar wird. Während sich der eigentliche Empfang nun an der Seite findet, müssen Besucher derzeit aber erst am Wachschutz vorbei, der sich mit einem Tischchen gleich neben der Tür postiert hat. Der Grund sind die derzeitigen Corona-Regeln, sagt Landrat Ralf Hänsel (parteilos). "Wie in allen unseren Verwaltungsgebäuden sind Besuche derzeit nur auf Anmeldung möglich." An der Tür wird gefragt, wo man einen Termin hat - und gleich noch die Liste für die Kontaktnachverfolgung bei einem Corona-Ausbruch geführt.

Dann geht es weiter über die wieder freigelegten Granit-Treppenstufen nach oben. Sie stammen noch aus der Erbauungszeit der genau 130 Jahre alten einstigen Mudra-Kaserne. Der Denkmalschutz freut sich, dass die teils deutlich ausgetretenen Steinstufen wieder sicht- und nutzbar sind. Bei der Unfallkasse ist die Begeisterung nicht ganz so groß - solche Interessen sind in historischen Gebäuden nun einmal abzuwägen.

Historisch: Liegenschafts-Chefin Katja Lamnek zeigt die historischen Stufen, die wieder freigelegt wurden.
Historisch: Liegenschafts-Chefin Katja Lamnek zeigt die historischen Stufen, die wieder freigelegt wurden. © Klaus Dieter Bruehl

Unten im Keller wird gerade noch gebaut: Da soll das Archiv einziehen. Zuvor muss allerdings noch alles trockengelegt werden. "Dafür werden wir außen auch noch einmal aufgraben müssen", sagt Katja Lamnek, Leiterin des Amts für Hochbau und Liegenschaften. Die Arbeiten würden aber im Zeitplan liegen - und auch bei den Baukosten liegt man im Rahmen dessen, was die Kreisräte bereits im Sommer 2018 beschlossen haben.

Das Erdgeschoss jedenfalls sieht schon ziemlich vollendet aus. Hier ist an einem Ende des Gebäudes das Ausländeramt untergebracht - mit neu gestalteten Büros, in denen es nun eine bauliche Trennung zwischen Mitarbeiterin und Kunden gibt: Sie sprechen aus Sicherheitsgründen durch eine Glasscheibe miteinander.

Am anderen Ende des Erdgeschosses findet sich nach wie vor die Kfz-Zulassung, deren Aufteilung allerdings nicht wiederzuerkennen ist. War das seit den 90ern eine Art Großraumbüro, wurden die Räume nun strukturiert - in Wartebereiche, Beratungszimmer, Teeküche. "Das ist für Mitarbeiter und Kunden besser", sagt der Landrat. Man habe die Räume "optimiert" und ans Personal angepasst, sagt die Hochbau-Amtsleiterin.

Eine Etage weiter oben - neuerdings gibt es auch einen Fahrstuhl - findet sich schon das Jobcenter, derzeit allerdings noch ziemlich leer: der Umzug läuft. 77 Mitarbeiter werden künftig gleich zwei Etagen belegen. Geplant und gebaut wurden Einer-, Zweier- und Dreierbüros. Tatsächlich achte man aber jetzt in Corona-Zeiten auf Abstände - mit Wechselmodellen bei der Arbeitszeit, Homeoffice, nur einfach belegten Büros.

Zufrieden: Landrat Ralf Hänsel (parteilos) freut sich über den Fortgang der Bauarbeiten in Riesa - auch wenn im Treppenhaus noch die Beleuchtung an der Decke fehlt.
Zufrieden: Landrat Ralf Hänsel (parteilos) freut sich über den Fortgang der Bauarbeiten in Riesa - auch wenn im Treppenhaus noch die Beleuchtung an der Decke fehlt. © Klaus Dieter Bruehl

Und wie läuft es überhaupt mit dem Homeoffice bei der Landkreis-Verwaltung? "Schon gut", sagt der Landrat. "Aber wir bauen es derzeit noch aus." Um noch mehr Arbeit von zuhause aus zu ermöglichen, müsse man aber Datenleitungen verbessern, die Technik in notwendiger Stückzahl anschaffen. "Das geht nicht von heute auf morgen."

Die Technik fehlt auch noch in den markanten Glaskästen auf halbem Treppenabsatz: In den lichtdurchfluteten Räumen sollen sogenannte Recherche-Arbeitsplätze entstehen, an denen Jobcenter-Kunden freie Arbeitsstellen suchen können. Derzeit wirken diese ans Haus angebauten Räume aber noch wie ein Wintergarten ohne Pflanzen.

Von hier aus fällt der Blick auf den Parkplatz hinter dem Amtsgebäude. Dort wurde eine Schrankenanlage installiert, um Mitarbeiter- von Kundenparkplätzen zu trennen. Ein Fahrrad-Abstellbereich wurde gebaut, vier Ladestationen für E-Autos entstanden. Außerdem soll dort noch ein Häuschen für den Hausmeister entstehen: Auch Rasenmäher und Co. wollen gut untergebracht sein. "An der Heinestraße werden auch noch neue Sitzbänke hinkommen", verspricht Katja Lamnek. Über den Zustand der Vorgänger hatte es zuletzt in Riesa Beschwerden gegeben.

Lichtdurchflutet: die künftigen Recherche-Arbeitsplätze für Jobcenter-Kunden an der Gebäuderückseite.
Lichtdurchflutet: die künftigen Recherche-Arbeitsplätze für Jobcenter-Kunden an der Gebäuderückseite. © Klaus Dieter Bruehl

Noch leer sind auch die großen Alu-Bilderrahmen, die überall auf den gelb und hellgrau gestalteten Fluren aufgehängt sind: Das Amt erarbeite noch ein Konzept, heißt es. Insgesamt sollen an der Heinestraße bald 150 Mitarbeiter tätig sein. Dafür wurde auch die einstige Kantine in Büros umgewandelt. Schade eigentlich, findet der Landrat: Kantinen seien eine gute Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Tatsächlich sei die Kantine aber vor dem Umbau immer seltener genutzt worden, hatte die Kreisverwaltung 2019 mitgeteilt. Neu ist das elektronische Schließsystem, das der Landrat bei seiner Visite gleich einmal ausprobiert: Sein Chip öffnet ein noch leeres Büro, an einer anderen Tür klappt es noch nicht.

Der Umbau sei nicht ganz ohne gewesen, sagt Amtsleiterin Lamnek: Man habe die ganze Zeit bei laufendem Betrieb gearbeitet, da man nicht einfach alle Ämter habe ausziehen lassen können. Da musste Flur für Flur gemacht werden, Bautreppen halfen, mit dem Nadelöhr Treppenhaus zurecht zu kommen.

Eine Frage, die sich in Zeiten von Lockdown und Homeoffice aufdrängt: Warum sind denn Behördenbesuche überhaupt noch nötig? Lässt sich nicht bald alles von zuhause aus machen? "Beim Thema Kfz-Zulassung gehört der Kreis Meißen sowieso schon deutschlandweit zu den Vorreitern, was Online-Möglichkeiten angeht", sagt Landrat Hänsel. Man arbeite an einem weiteren Ausbau. Aber gerade beim Beispiel Jobcenter sei die Frage, was die Kunden auch an Computertechnik zu Hause hätten. "Was elektronisch möglich ist, sollte aber auch angeboten werden", sagt Hänsel.

Noch laufende Arbeiten an der Heinrich-Heine-Straße sollen dieses Jahr beendet werden. Für alle Jobcenter-Mitarbeiter reiche der Platz dort allerdings nicht. "Wir sind voll bis unters Dach", sagt Liegenschafts-Chefin Katja Lamnek. Einige Mitarbeiter blieben deshalb weiter bei der Arbeitsagentur eingemietet.

Die an der Breitscheidstraße frei werdenden Büros werden gleich wieder neu belegt - von Mitarbeitern der Arbeitsagentur. "Wegen der derzeitigen Wirtschaftslage wurde das Personal bei der Leistungsabteilung aufgestockt", sagt Agentur-Sprecherin Berit Kasten und verweist auf den Andrang aufs Kurzarbeitergeld. In Riesa ist der sogenannte "Operative Service" nicht nur für den Kreis Meißen, sondern auch für die Bereiche Oschatz und Leipzig tätig. Außerdem verteile man die Kollegen auch bei der Arbeitsagentur wegen der Corona-Regeln auf Einzelbüros: Es heißt also nicht für die Landkreis-Mitarbeiter Kisten packen, sondern auch bei der Arbeitsagentur.

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Am 3. Mai 2021 nimmt das Jobcenter in der Riesaer Heinestraße 1 den Betrieb auf. Bis dahin ist es nur eingeschränkt zu erreichen. Zuständig ist es für die Einwohner aus den Hirschstein, Lommatzsch, Riesa, Stauchitz und Strehla.

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