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Was ein Roboter in der Sparkasse macht

In der Tiefgarage der Zentrale in Riesa geht es gerade sehr laut zu. Und es geht an die Substanz.

Ist laut und macht Dreck: Dieser Roboter auf Ketten ist derzeit in der Tiefgarage der Riesaer Sparkassen-Zentrale unterwegs. Er arbeitet mit Wasser - und einem Druck von 3.000 bar.
Ist laut und macht Dreck: Dieser Roboter auf Ketten ist derzeit in der Tiefgarage der Riesaer Sparkassen-Zentrale unterwegs. Er arbeitet mit Wasser - und einem Druck von 3.000 bar. © Sebastian Schultz

Riesa. Es zischt lautstark. Es brummt. Die Sicht reicht nur wenige Meter weit. Das Licht der Tiefgaragen-Beleuchtung wird von den Staubwolken förmlich aufgesogen. Oder ist das Wasserdampf? Wahrscheinlich eine Mischung von beiden. Zu beneiden sind sie nicht, die Arbeiter, die gerade in den Tiefen der Riesaer Sparkassen-Zentrale zugange sind.

Mit einem lärmenden Gerät auf Ketten rücken sie dem Beton der Tiefgarage zu Leibe. Die Maschine hüllt das ganze Parkdeck in graue Wolken - und sorgt dafür, dass die Arbeiter fast überall in zwei Fingerbreit tiefem Wasser stehen. Denn Wasser ist das Element des Roboters, den ein Mann mit Gehörschutz bedient.

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"Mit einem Druck von 3.000 bar schießt das Wasser auf den Beton", sagt Bernd Reichelt, der Ingenieur vom Radeberger Planungsbüro Schubert betreut die Baustelle. Zum Vergleich: Ein Autoreifen sollte etwa zweieinhalb bis drei bar haben. Das Wasser schlägt auf den Beton auf und zerkleinert ihn zu winzigen Krümeln. Ziel ist es, das Material bis auf den eingelegten Bewehrungsstahl abzutragen.

Denn reichlich 20 Winter haben ausgereicht, die Tiefgarage unter der Sparkassen-Zentrale an der Riesaer Hauptstraße zum Sanierungsfall zu machen. "Das Problem ist das Salz, das die Autos im Winter mit reinbringen", sagt der Ingenieur. Mit dem abtropfenden Wasser dringen die Chlorid-Ionen aus dem Salz in den Beton ein und können dazu führen, dass der Baustahl im Inneren rostet. Und das wäre für die Tragfähigkeit der Decken verheerend.

Rund 130 Stellplätze finden sich hier, in den untersten beiden Ebenen der Sparkassen-Zentrale. Sie werden vor allem von den Mitarbeitern genutzt, ein halbes Dutzend steht sonst für die Kunden zur Verfügung.

Der Roboter zerlegt den Beton zu feinen, nassen Krümeln. Der Abtransport des Materials läuft klassisch mit Schaufel und Schubkarre.
Der Roboter zerlegt den Beton zu feinen, nassen Krümeln. Der Abtransport des Materials läuft klassisch mit Schaufel und Schubkarre. © Sebastian Schultz

Zunächst waren es nur Risse im Boden des oberen Parkdecks, die ab 2017 auftauchten. Die Sparkasse ließ sie verfugen. Das war aber eher eine kosmetische Maßnahme - und reichte nicht aus. Eine Untersuchung mit Hilfe eines Statikers zeigte, dass sich die Risse fortsetzten. Da hilft nur eine Komplettsanierung, um die Ursache zu beseitigen. Der Beton muss dabei bis in sechs Zentimeter Tiefe runter, die Stahlmatten darin sollen aber ganz bleiben. Deshalb nimmt man in der Tiefgarage auch den Roboter mit Wasserdruck: Eine klassische Betonsäge würde auch vor der Armierung nicht halt machen.

Der Baustahl aber soll so behandelt werden, dass er vor weiterer Korrosion geschützt ist. Wo es nötig ist, kommt zusätzlicher Stahl rein - dann wird der Boden wieder mit Beton verschlossen. Betroffen ist eine erhebliche Fläche - 1.600 Quadratmeter, teils mehr, teils weniger geschädigt. Bei einer Stelle gleich am Eingang wurde bei der Untersuchung festgestellt, dass auf 60 Quadratmetern seinerzeit offenbar zu wenig Armierung verbaut wurde. Der Abschnitt wird jetzt mit einer Art großem Pflaster aus Kohlenfaserstoff stabilisiert.

Gebaut wurde die Sparkasse 1998/99. Ist das normal, dass sie jetzt schon saniert werden muss? "Ja, das Problem mit dem Salz haben viele Tiefgaragen und Parkhäuser, die in dieser Epoche gebaut wurden", sagt Bernd Reichelt. Und da ist es wohl auch kein Zufall, dass nur einen Block weiter - in der Elbgalerie - jetzt auch monatelang am Parkhaus gearbeitet wurde.

Die Baustelle in der Sparkasse ist ziemlich aufwendig. "Die Kosten liegen in einem oberen sechsstelligen Bereich", sagt Sparkassen-Sprecher Ralf Krumbiegel. Aber man habe das Problem nicht verschleppen - sondern einmal grundsätzlich in Ordnung bringen wollen. "Vorbildlich, wie sich die Sparkasse um ihr Haus kümmert", sagt Ingenieur Reichelt.

Seit dem 6. April sind deshalb wegen der Baustelle die Parkdecks nicht mehr nutzbar. Für die Mitarbeiter hat die Sparkasse deshalb Ausweichparkplätze im Umfeld angemietet - nicht zu Lasten der öffentlichen Stellplätze, betont man beim Unternehmen. Und weil wegen Corona viele Kollegen im Homeoffice arbeiten, habe man auch nicht 130 Stellplätze anmieten müssen, sondern nur einen Teil davon. "Etwa die Hälfte der Mitarbeiter arbeiten derzeit abwechselnd von zu Hause aus", sagt Ralf Krumbiegel.

Auf zwei Ebenen bietet die Riesaer Sparkassen-Tiefgarage rund 130 Stellplätze, vorrangig für Mitarbeiter. Derzeit ist kein einziger nutzbar.
Auf zwei Ebenen bietet die Riesaer Sparkassen-Tiefgarage rund 130 Stellplätze, vorrangig für Mitarbeiter. Derzeit ist kein einziger nutzbar. © Sebastian Schultz
Im unteren Parkdeck landet Wasser, das bei der Sanierung der Zwischendecke von oben durchdrückt.
Im unteren Parkdeck landet Wasser, das bei der Sanierung der Zwischendecke von oben durchdrückt. © Sebastian Schultz
Durch Korrosionsschäden hatten sich schon etliche Risse im Boden gebildet, die man zunächst nur verfugt hatte.
Durch Korrosionsschäden hatten sich schon etliche Risse im Boden gebildet, die man zunächst nur verfugt hatte. © Sebastian Schultz
So sieht Beton aus, der mit Wasser zerkrümelt wurde - ein Blick in den Container vor der Tiefgarage.
So sieht Beton aus, der mit Wasser zerkrümelt wurde - ein Blick in den Container vor der Tiefgarage. © Sebastian Schultz

Es ist nicht die erste Baustelle an dem markanten Gebäude im Riesaer Zentrum. Erst im Herbst 2020 war aufwendig das Glasdach der Sparkassenzentrale erneuert worden. Scheibe für Scheibe wurde da mit dem Autokran nach oben gereicht. Und wie damals seien auch dieses Mal vorrangig Firmen aus der Region an der Sanierung beteiligt. Der Beton-Spezialist Massenberg hat zwar seinen Hauptsitz in Essen, aber eine Niederlassung in Moritzburg.

Die Arbeiten im Untergrund sollen bis September dauern. So laut wie jetzt wird es aber wohl nur noch eine Woche lang sein: Der Roboter kommt schneller voran, als gedacht. Die Sparkasse hatte um Verständnis für den Lärm bei den Anwohnern gebeten - laut sei es Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr, Sonnabend bis 16 Uhr.

Zuletzt wird der Beton mit mehreren Spezialanstrichen versiegelt, auch der untere Teil der Säulen und Außenwände - falls das Wasser von den parkenden Autos hochspritzt. Ganz am Ende wird alles noch gemalert und die Parkplätze wieder angezeichnet.

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Und wie lange bleibt das dann stabil? Wieder nur gut 20 Jahre? "Wir gehen davon aus, dass es dieses Mal länger hält", sagt Bernd Reichelt. Das hänge immer von der Nutzung ab - aber kontrolliert werde der Zustand alle zwei, drei Jahre. Schließlich trägt die Konstruktion der Tiefgarage das ganze Gebäude der Sparkasse. Immerhin: Weitere größere Arbeiten seien derzeit nicht absehbar.

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