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Riesaer Wohngebiet seit 25 Jahren ohne Straßenlaternen

In Neunickritz warten einige Anwohner seit dem Einzug auf die Straßenbeleuchtung. Jetzt haben sie Grund zur Hoffnung.

Von Stefan Lehmann
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An der Straße Am Weinberg hat es seit Bau der Siedlung noch nie Straßenbeleuchtung gegeben. Andreas Starke hofft, dass sich das bald ändert.
An der Straße Am Weinberg hat es seit Bau der Siedlung noch nie Straßenbeleuchtung gegeben. Andreas Starke hofft, dass sich das bald ändert. © Lutz Weidler

Riesa. Wenn Andreas und Christina Starke ihr Haus am Nickritzer Ortsrand für einen Spaziergang verlassen, dann darf die Taschenlampe nicht fehlen. "Die brauchen wir hier, sonst findet man das Schlüsselloch nicht mal, so stockfinster ist es hier."

Seit 20 Jahren wohnen Starkes Am Weinberg in Neunickritz. Und so lange gibt es auch kein Licht an ihren Grundstücken. Christina Starke führt ein paar Meter weiter in Richtung Ortskern und deutet zur nächsten Querstraße. Dort stehen in regelmäßigen Abständen die Straßenlaternen. Alte Modelle aus der Nachwendezeit, aber immerhin. Nach der Querstraße fehlen sie. Die meisten Nachbarn hätten sich schon mit Licht beholfen, das per Bewegungsmelder an- und ausgeschaltet ist. Auch Andreas Starke hat einen installiert. Aber der werde eben auch dann ausgelöst, wenn abends ein Tier durch den Vorgarten huscht. Kein richtiger Ersatz für richtige Straßenlaternen also.

Investor musste Insolvenz anmelden

Dass in einem Teil des Wohngebiets Am Weinberg bis heute die Straßenbeleuchtung fehlt, hat wohl in erster Linie mit dessen Geschichte zu tun. Das weiß auch Christina Starke. Mitte der 1990er-Jahre habe die Firma Möbius das Eigenheimgebiet erschlossen. "Den ersten Teil haben sie auch noch selbst bebaut, dort wurden auch gleich die Straßenlaternen errichtet." Dann aber habe das Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Es fehlte mit einem Mal ein Verantwortlicher, um den Rest der geplanten Arbeiten zu übernehmen.

Erst im Jahr 2016 sei die Straße offiziell in Verantwortung der Stadt gegangen, so die Anwohnerin. In Sachen Beleuchtung geschah aber erst einmal nichts. Dabei liege die Infrastruktur ihres Wissens nach schon im Boden, sagt Christina Starke. "Es könnten Laternen gesetzt werden." Denn die grundlegenden Arbeiten hatte die Baufirma vor der Insolvenz noch geschafft: Kabel und Schächte lägen schon. Andreas Starke deutet auf eine kreisrunde Betoneinfassung an der Grenze zum Nachbargrundstück. Die sei damals für die Laternenpfähle angelegt worden.

An der Grundstücksgrenze wurden bei der Erschließung schon die Einfassungen für die Laternen gebaut. Weil der Investor aber Insolvenz anmelden musste, geschah danach nichts mehr.
An der Grundstücksgrenze wurden bei der Erschließung schon die Einfassungen für die Laternen gebaut. Weil der Investor aber Insolvenz anmelden musste, geschah danach nichts mehr. © Lutz Weidler

In Nickritz ist in den vergangenen Jahren viel investiert worden, das wissen auch Christina Starke und ihr Mann. Erst vor zwei Jahren habe man im "Altdorf" gebaut, also an der Dorfstraße saniert. Zuletzt wurde viel Geld für die Auenwaldstraße ausgegeben. "Auch das hat ja lange gedauert." Trotzdem ärgere es sie, dass der abgelegene Straßenzug in Neunickritz offenbar vergessen wurde. Was die Stadt etwa beim Ausbau der Auenwaldstraße sparen konnte, setzte die Stadtverwaltung ein, um die Mehrkosten beim Bau der Alleestraße auszugleichen. Es ärgere sie, wenn sie so etwas in der Zeitung liest, sagt Christina Starke.

Die Stadt hofft auf den Förderbescheid

Die Überlegungen, die hinter solchen Entscheidungen stecken, sind auch ihr klar. "Es kommt hier ja kaum einer hinter den Bahndamm." Die Siedlung in Neunickritz ist klein, und letztendlich betrifft die fehlende Beleuchtung eben "nur" die acht Häuser Am Weinberg und an der Gostewitzer Straße. Dazu kommt noch, dass wohl nicht jeder Anwohner besonders erpicht auf eine Straßenlaterne vor dem Fenster ist, so habe sie es jedenfalls von der Ortsvorsteherin gehört. Nur: In der Stadt könne man sich auch nicht aussuchen, ob die Straße beleuchtet ist. "Und es ist hier draußen stockfinster." Da habe die Stadt doch auch eine Verantwortung. Ihre Mutter sei schon einmal gestürzt, als sie im Dunkeln unten an der Gostewitzer Straße unterwegs war.

Im Rathaus weiß man um das Problem und ist laut Stadtsprecherin Manuela Leupold auch um Abhilfe bemüht: Im Spätsommer habe die Stadt einen Fördermittelantrag über das Leader-Gebiet Lommatzscher Pflege gestellt. "Wir haben aber noch keine Information, ob die Fördermittel bewilligt sind." Sollte es die Zusage geben, dann könnte schon im nächsten Jahr gebaut werden, erklärt Leupold. Dann bekämen die Gostewitzer Straße und die Straße Am Weinberg neue Straßenbeleuchtung, außerdem werde noch der neue Fußweg an der Gostewitzer Straße gebaut.

Es heißt also: abwarten. Aus Andreas Starkes Sicht ist es erst einmal eine gute Nachricht, dass überhaupt etwas passiert. Das Gefühl habe er zuletzt einfach nicht gehabt. Bis es so weit ist, behelfen sich die Neunickritzer weiter mit der Taschenlampe.