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Riesa: Trucker erfüllen Schulanfänger einen Traum

Ein Lkw-Konvoi fährt mit einem Kind von Meißen bis direkt vor die Sachsenarena.

Ein Riesenerlebnis: Die Riesaer Familie Binder mit Schulanfänger Fenrir (Mitte) feierte einen ganz besonderen, PS-starken Schulanfang.
Ein Riesenerlebnis: Die Riesaer Familie Binder mit Schulanfänger Fenrir (Mitte) feierte einen ganz besonderen, PS-starken Schulanfang. © Lutz Weidler

Riesa. So eine Schuleinführung wie am Sonnabend erlebt man in Riesa auch nicht alle Tage. 16 Trucker und zehn Motorradfahrer der Begleitstaffel Sachsen hatten sich im Speedwaystadion Meißen versammelt, um mit dem siebenjährigen Fenrir-Matthias Binder im hupenden Konvoi bis vor die Sachsenarena Riesa zu fahren. „Die Idee hatte seine Mutter“, erzählt ihre Freundin Stefanie Leske, die die Truck-Kolonne gemeinsam mit anderen Freunden und Familienmitgliedern auf dem großen Parkplatz in der Pausitzer Delle erwartete.

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Doch was ist nun so besonders am kleinen Fenrir? „Er wurde mit einem offenen Rücken geboren“, erklärt Oma Angela Binder. „Obwohl er schon drei Geschwister hat, entschieden sich die Eltern für ihn. Beide sind Lkw-Fahrer. Daher winkt Fenrir immer jedem Lkw.“ Vor nicht allzu langer Zeit hielt einer der Trucker einfach an und schenkte dem Siebenjährigen, der immer noch vorwiegend im Rollstuhl sitzt, einen Spielzeug-Truck. Mutter Josephine bedankte sich über Facebook bei dem unbekannten Fahrer – und plötzlich kamen per Post rund 100 Päckchen mit Spielzeug-Lkw von überall her in der Wohnung von Familie Binder an.

Die Trucks rollen auf dem Areal vor der Riesaer Sachsenarena ein.
Die Trucks rollen auf dem Areal vor der Riesaer Sachsenarena ein. © Foto: Lutz Weidler

„Inzwischen hat er eine ganz Kiste voll mit großen und kleinen Trucks“, erzählt Fenrirs zwölfjährige Schwester Emmi, die oft mit ihrem jüngsten Bruder spielt. So wie auch die zehn Jahre alte Freya und der achtjährige Wotan. Als Fenrir noch jünger war, fuhr Papa Ricardo immer Nachtschichten im Lkw, während seine Mutter tagsüber unterwegs war. So war immer jemand für den Jungen da. Doch auch die restliche Familie unterstützt die Binders. „Er hing am Anfang sehr an mir“, berichtet Opa Matthias Büchner, der nach einer schweren Diabetes selbst nur noch in einem Elektromobil unterwegs sein kann.

Doch während sein Opa nicht mehr laufen kann, will Fenrir selbst genau das noch lernen. Emmi dazu: „Er fängt schon an, ein paar Meter zu laufen und das Gleichgewicht zu lernen.“ Die fehlende Muskulatur soll schon bald mit einem Fahrrad trainiert werden, das hinten zwei Räder hat. Quasi ein größeres Dreirad, das von der Krankenkasse bezahlt wird. Das ist zwar noch in Arbeit, aber im Frühjahr 2022 sollte Fenrir dann schon damit unterwegs sein können. Zum Elberadweg beispielsweise haben es die Binders, die in der Nähe des Riesaer Hafens wohnen, nicht weit.

Der besondere Moment wurde vielfach fotografiert.
Der besondere Moment wurde vielfach fotografiert. © Foto: Lutz Weidler

Während der kleine Riesaer es in seinen ersten Jahren nur zweieinhalb Kilometer weit hatte, um in der Kita Bärenfreunde mit anderen zu spielen, kommt mit der Schuleinführung nun ein viel weiterer Weg auf ihn zu. Denn er besucht seit Montag das rund 60 Kilometer entfernte Förderzentrum für Körperbehinderte in Dresden. Das sind dann morgens und abends jeweils Fahrzeiten von über einer Stunde mit dem Behinderten-Fahrdienst. „Aber wenn er nach Hause kommt, ist auch alles fertig. Keine Hausaufgaben mehr oder sowas“, sagt Mama Josephine. Und dort gibt es neben der Schule mit kleinen Klassen auch Physiotherapeuten und andere Spezialisten, die die Behinderten betreuen. „Da hat er auch die Chance, richtig laufen zu lernen.“

Und was sagt der kleine Kämpfer selbst, dessen Eltern ihm einen Namen aus der nordischen Mythologie gegeben haben? „Das ist heute echt spannend gewesen, na klar. Und ich freue mich richtig dolle auf die Schule!“ Nach einer Tour in seinem Lieblings-Truck – einem großen gelben Abschleppwagen - und rund zehn gefüllten Schultüten sowie weiteren Geschenken kein Wunder.

Zum Abschluss ein Drohnenfoto: ein Blick auf die Teilnehmer des außergewöhnlichen Schulanfangs - mit dem kleinen Fenrir und seinen Eltern in der Mitte.
Zum Abschluss ein Drohnenfoto: ein Blick auf die Teilnehmer des außergewöhnlichen Schulanfangs - mit dem kleinen Fenrir und seinen Eltern in der Mitte. © Foto: Lutz Weidler

Nach der großen Trucker-Runde rückte Familie Binder dann mit Freunden und Bekannten noch zuhause ein. „Wir haben extra Kuchen gebacken“, erzählt Fenrirs Schwester Emmi. „Und wir machen noch eine kleine Aufführung für unseren Bruder.“ Bleibt nachzutragen, dass die Trucks entsprechend der Schuleinführung auch alle schön geschmückt waren. An einer Fahrerkabine hing zudem noch ein großes Plakat: „Truckerfan Fenrir. Wir sind für dich on Tour. Alles Gute zum Schulanfang.“

Und beim Abschlussfoto reihte sich auch Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) hinten rechts ins Herzchen aus Motorradfahrern, Truckern und Familienmitgliedern ein. Denn auch dem Stadtoberhaupt war während des Riesaer Stadtfestes der Konvoi aus hupenden Trucks, die unter anderem durch die Goethestraße fuhren, nicht entgangen. „Es tat den Menschen am Wochenende gut, mal wieder gesellig sein zu können“, freute sich der OB über das Stadtfest. Gleichzeitig war Müller aber auch beeindruckt davon, was die Trucker-Familie Binder für ihren Sohn auf die Beine gestellt hatte.

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